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So teuer ist eine Krebsbehandlung

Neue Therapien erhöhen die Überlebenschancen. Sie treiben aber auch die Kosten.

Am Anfang steht die Diagnostik: Der Radiologe Karsten Ridder schaut sich die Bilder eines Mamma-CT zur Früherkennung von Brustkrebs an.
Am Anfang steht die Diagnostik: Der Radiologe Karsten Ridder schaut sich die Bilder eines Mamma-CT zur Früherkennung von Brustkrebs an. © MVZ Prof. Dr. Uhlenbrock und Partner/dpa

Krebs: Wer diese Diagnose erhält, hat alles Mögliche im Kopf. Die Angst vorm Tod, die Sorge um die Familie, die Hoffnung auf Heilung. An die Kosten, die eine solche Behandlung verursacht, denkt in einer solchen Situation keiner. Und das muss auch niemand. Alle Krankenkassen sind verpflichtet, die Kosten für die Diagnose und Behandlung einer Krebserkrankung zu übernehmen. Auch auf die Erstattung der Pflegeleistungen, Hilfsmittel, Rehabilitation und Nachsorge haben Versicherte einen gesetzlichen Anspruch.

Dabei gilt allerdings – wie bei allen anderen medizinischen Behandlungen – eine Einschränkung: Die Wirksamkeit und Verträglichkeit der Medikamente muss wissenschaftlich bewiesen sein. Aus diesem Grund müssen Patienten für alternative Heilmethoden meist selbst aufkommen. Neue Therapien, die in der Regel teurer sind, müssen zudem einen Vorteil gegenüber den etablierten Behandlungen haben.

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Das schließt nicht aus, dass sich Krankenkassen im Rahmen von Studien auch an den Kosten innovativer Therapien beteiligen. Dies geschieht gegenwärtig zum Beispiel in der Dresdner Klinik für Strahlentherapie beim Einsatz der Protonentherapie bei Patienten mit Prostatakrebs. Eine Ausnahme vom Wirtschaftlichkeitsgebot ist auch möglich, wenn bereits alle Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind. Dann können Patienten im Rahmen eines individuellen Heilversuchs ein dafür noch nicht zugelassenes Medikament erhalten.

Kostentreiber sind innovative Medikamente

Warum zumindest aus gesellschaftlicher Perspektive auch bei Krebserkrankungen ein Blick auf die Kosten lohnt, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Demnach beliefen sich die Ausgaben für die Behandlung bösartiger Erkrankungen im Jahre 2015 auf rund 20 Milliarden Euro. Rechnet man die Folgekosten hinzu, ist Krebs „für nahezu ein Fünftel der gesamten Krankheitslast, also der krankheitsbedingt verlorenen Lebenszeit und -qualität, der deutschen Bevölkerung verantwortlich“, heißt es in einer vom Deutschen Krebsforschungszentrum 2018 veröffentlichten Studie. Kostentreiber sind demnach in erster Linie innovative Medikamente.

Der hohe Anteil an Medikamenten ist es auch, der die Behandlung von Lymphomen und Leukämien sowie von Brustkrebs zu den teuersten aller Krebsbehandlungen macht. Doch das ist nicht alles. Am Beispiel einer fiktiven Brustkrebspatientin hat die AOK Plus für die SZ eine Übersicht über die notwendigen Aufwendungen erstellt. Die Krankenkasse weist allerdings darauf hin, dass die Kosten tatsächlich stark voneinander abweichen können. Weil jeder Fall anders ist, komme es zu immensen Von-Bis-Spannen.

Kritik an nicht berücksichtigten Aspekten

Mit 400 bis 800 Euro ist die Diagnostik noch vergleichsweise günstig. Die stationäre Behandlung mit OP, Wiederaufbau der Brust und dem ersten Chemo-Zyklus kostet hingegen im günstigsten Fall 15.000, bei komplizierten Fällen bis 40.000 Euro. Für die anschließende Reha werden etwa 2.400 Euro veranschlagt. Für Haarersatz zahlen die Kassen im Schnitt 450 Euro; wünscht die Patientin eine Brustprothese, summiert sich das auf bis zu 1.400 Euro. Im Falle einer ambulanten Chemotherapie werden weitere 20.000 bis 30.000 Euro fällig. Darüber hinaus erstatten die Kassen auch Kosten für eine Kompressions- und eine Physiotherapie, für Fahrten zu Behandlungen und – bei Palliativpatientinnen – für eine Hyperthermie und eine laserindizierte Thermotherapie. Rechnet man alles zusammen, kommt man auf Summen zwischen rund 43.000 und an die 100.000 Euro. Das Krankengeld ist dabei noch nicht berücksichtigt.

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Und noch ein wichtiger Aspekt bleibe bei bisherigen Analysen meist unbeachtet, kritisiert die Studie des Krebsforschungszentrums: Trifft die Krebserkrankung einen haupt- oder alleinverdienenden Elternteil oder eine alleinerziehende Mutter, habe das nicht nur handfeste finanzielle Konsequenzen, sondern könne „insbesondere auch mit negativen Auswirkungen auf die Kinder einhergehen.“

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