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Wie die Liebe uns gesund hält

Sind Menschen aus glücklichen Beziehungen gesünder? Dresdner Psychologen wollen es herausfinden.

Wie gehen junge Paare mit ihren Emotionen um? Wie ältere? Und was macht das mit der Gesundheit?
Wie gehen junge Paare mit ihren Emotionen um? Wie ältere? Und was macht das mit der Gesundheit? © 123rf

Der Aktionsradius schrumpft. Freunde treffen, ins Kino oder Theater gehen oder zum Lieblings-Italiener. In Corona-Zeiten müssen Paare andere Wege finden, um Zeit miteinander zu verbringen. Immer nur gemeinsam in den eigenen vier Wänden sitzen? Für manchen ist das schwierig. Hält eine Partnerschaft das aus? Was überhaupt macht eine gute Beziehung aus? Wie gehen wir mit unseren Emotionen um und wie miteinander?

Margund Rohr interessiert all das ganz besonders – nicht nur privat, sondern wissenschaftlich. Sie ist Professorin für Entwicklungspsychologie und pädagogische Psychologie an der Evangelischen Hochschule Dresden. In einem neuen Forschungsprojekt schaut sie Paaren im Beziehungsalltag zu – und findet heraus, wie er ihre Gesundheit beeinflusst.

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Natürlich sei die derzeitige Situation auch für viele Beziehungen ein Ausnahmezustand, sagt die Wissenschaftlerin. Die Paare stünden plötzlich vor Fragen und Herausforderungen, mit denen so niemand gerechnet hätte. Das sei für alle etwas vollkommen Neues. „Die Idee für unsere Studie ist aber nicht erst durch die Pandemie entstanden“, erklärt sie. Schon seit mehreren Jahren interessiert sie sich für zwischenmenschliche Beziehungen. Nicht nur bei Liebespaaren.

Auch innerhalb der Familie, zwischen Eltern und ihren Kindern oder Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen. Die promovierte Psychologin schaut dabei vor allem auf die Frage, ob und wie sich unsere sozialen Beziehungen mit fortschreitendem Alter verändern. „Relevant ist dabei zum Beispiel, wie wir in unterschiedlichen Lebensphasen Gefühle erleben und sie regulieren“, fügt sie hinzu.

Die Gefühle der Menschen und ihre Partnerschaften stehen schon länger im Fokus der Forschungen von Margund Rohr. Jetzt begleitet sie Paare in ihrem Alltag.
Die Gefühle der Menschen und ihre Partnerschaften stehen schon länger im Fokus der Forschungen von Margund Rohr. Jetzt begleitet sie Paare in ihrem Alltag. © Baldauf&Baldauf

Schon während ihrer Zeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Leipzig war sie an einer Studie ihrer Professorin Ute Kunzmann beteiligt. Damals ging es um die Frage, ob verschiedene Emotionen wie zum Beispiel Ärger und Traurigkeit in bestimmten Lebensphasen häufiger vorkommen und intensiver erlebt werden. Im Vergleich zu ihren jüngeren Altersgenossen erlebten und drückten ältere Erwachsene Ärger weniger intensiv aus und waren seltener angespannt, wenn sie über ärgerliche Situationen aus ihrem Leben sprachen. Beim Thema Traurigkeit fanden die Wissenschaftler im Gegensatz dazu keine altersbedingten Unterschiede. Später beschäftigten sich die Forscher mit den Reaktionen auf positive Gefühle. Unterschiede zwischen den Generationen sahen sie nicht.

Irgendwann kam die Frage auf, wie Paare mit Emotionen umgehen und über sie sprechen. „Wir haben 2016 eine Vorstudie dazu durchgeführt“, erzählt Margund Rohr. 88 junge und ältere Paare wurden dafür ins Labor eingeladen. Sie sollten dort über ein Problem sprechen, das einer oder eine von ihnen hat. „Wir beobachteten, wie sich die Partner verhalten, welche Wörter sie wählten, wie ihre körperliche Reaktion war“, führt die Wissenschaftlerin aus. Ältere Paare blieben bei den Gesprächen über Schwierigkeiten etwas gelassener als die Jüngeren, betonten stärker das Miteinander und die wechselseitige Verbundenheit. „Das hat vielleicht mit dem Mehr an Lebenserfahrung zu tun“, erklärt sie. „Interessant war aber auch, dass die Jüngeren viel öfter das emotionale Verhalten ihres Partners oder ihrer Partnerin imitierten.“ Für die Wissenschaftler ein Phänomen, dem sie auf den Grund gehen wollten. Wofür ist solch ein Verhalten gut? Die bisherigen Forschungsergebnisse zeigten aber auch: Zufrieden sind die Menschen mit ihren Beziehungen über alle Altersgruppen hinweg.

Mit dem neuen Forschungsprojekt wollen Margund Rohr und ihr Team noch näher ran an die Paare. Die Laborsituation in der Vorstudie brachte zwar interessante Ergebnisse, doch Labor ist Labor. „Diesmal wollen wir auch ergründen, wie das im Alltag läuft“, erklärt sie. Dafür erhalten die teilnehmenden Paare ein mobiles Gerät, beispielsweise ein Tablet. Regelmäßig fragt das im Alltag ab, wie die Partner positive und negative Erlebnisse im Tagesablauf meistern, was sie dabei fühlen. Ein Fragebogen liefert die dafür notwendigen Antworten. „Wir sind mit dieser Methode direkt im Leben unserer Probanden und können die Antworten aus dem Alltag mit unseren Beobachtungen im Labor verbinden. Durch die Kombination beider Ansätze möchten wir noch besser verstehen, wie jüngere und ältere Paare mit ihren Emotionen umgehen.“

Das Forschungsprojekt wird in Kooperation mit Philipp Kanske, Professor für Klinische Psychologie und Behaviorale Neurowissenschaft an der TU Dresden, durchgeführt. Drei Jahre unterstützt die Deutsche Forschungsgemeinschaft das Vorhaben. Gemeinsam verfolgen die Forscher ein großes Ziel. Sie wollen untersuchen, welchen Einfluss das Erleben und die Regulation von Emotionen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Paare hat.

Bisherige Theorien gehen davon aus, dass sich jüngere und ältere Paare darin unterscheiden, wie sie mit emotionalen Ereignissen umgehen. Der Umgang mit Gefühlen hat einen Einfluss darauf, wie stabil eine Partnerschaft ist und ob sie die Beteiligten als positiv empfinden. „Was noch nicht umfassend betrachtet wurde, ist die Frage, wie das unsere Gesundheit beeinflusst.“ Dabei könnte das ein entscheidender Faktor für Wohlbefinden sein, sagt Margund Rohr. Gute soziale Beziehungen wären beispielsweise für Erkrankungen wie Alzheimer oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen von großem Vorteil für die Betroffenen. „Wir sehen beispielsweise auch im Leben von Pflegebedürftigen positive Effekte bei engen, emotional nahen Beziehungen.“

Die Psychologin hofft, dass die Ergebnisse neue Einsichten ermöglichen. „Spannend wäre es, wenn unsere soziale Einbettung, etwa in Partnerschaften, künftig beispielsweise in der Gesundheitsvorsorge viel mehr berücksichtigt werden würde als heute üblich.“

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