SZ + Leben und Stil
Merken

Krankenkassen-Check: Die Zusatzleistungen im Vergleich

Zwar ändern sich für die meisten Sachsen 2022 die Krankenkassenbeiträge nicht. Mit der richtigen Kassenwahl können sie dennoch eine Menge Geld sparen.

Von Steffen Klameth
 5 Min.
Teilen
Folgen
Die Wahl der Krankenkasse will wohl überlegt sein.
Die Wahl der Krankenkasse will wohl überlegt sein. © Symbolfoto: dpa/Oliver Berg

Nachdem viele Krankenkassen im vergangenen Jahr ihre Beitragssätze zum Teil deutlich erhöht hatten, herrscht nun bei den meisten Ruhe. Bundesweit ermittelte die Stiftung Warentest 14 von 69 gesetzlichen Kassen, die für 2022 höhere Beiträge angekündigt haben. Acht Kassen senken sogar.

Für die allermeisten Sachsen bleibt im neuen Jahr alles beim Alten. Der Zusatzbeitrag der sechs mitgliederstärksten Kassen im Freistaat ändert sich nicht. Er beträgt zwischen 1,2 Prozent (AOK Plus, Techniker Krankenkasse) und 1,6 Prozent (Knappschaft). Ein Wechsel wegen des Geldes dürfte damit kaum von Bedeutung sein – aus anderen Gründen aber durchaus.

Wie steht es um den Service? Welche Zusatzleistungen werden mir geboten?

Zu den Zusatzleistungen gehören all jene Angebote, die nicht gesetzlich vorgeschrieben sind und sich beispielsweise an bestimmte Versichertengruppen wie junge Familien richten. Je nach persönlicher Situation lassen sich so mit der richtigen Kassenwahl mehrere Hundert Euro sparen. Unser Vergleich soll Ihnen helfen, die für Sie beste Kasse zu finden. Dazu haben wir auch in diesem Jahr die sechs mitgliederstärksten Krankenkassen in Sachsen um die entsprechenden Angaben gebeten.

Das bieten alle Kassen

Mehr als 95 Prozent der Kassenleistungen sind gesetzlich geregelt und deshalb überall gleich. Dazu gehören etwa die freie Arztwahl und eine Reihe von kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen. Dieser Leistungskatalog wird regelmäßig erweitert – und manchmal auch gekürzt.

So wurden vergangenes Jahr Möglichkeiten für längere Physio-, Sprach- und Ergotherapien geschaffen. Verbessert wurde auch das Angebot für die Vorbeugung und Behandlung von Parodontitis. Den Gesundheits-Check-up gibt es neuerdings einmalig auch für Frauen und Männer von 18 bis 34 Jahren.

Wer älter ist, bekommt diese Vorsorgeuntersuchung dagegen nur noch alle drei statt bisher zwei Jahre bezahlt – seit Oktober vorigen Jahres aber zusätzlich mit Test auf Hepatitis B und C. Neu ist auch das Recht auf eine Zweitmeinung bei geplanten Eingriffen an der Wirbelsäule.

Service: Wie und wo werde ich beraten?

Alle befragten Kassen legen Wert auf eine umfassende Beratung. Die Zahl der Geschäftsstellen beziehungsweise Servicepunkte hat zwar auch im vergangenen Jahr leicht abgenommen.

Dafür werden die Angebote am Telefon und im Internet immer weiter ausgebaut. Sie reichen vom Ärzte-Chat bis zur Medikamentenberatung. Einige Kassen haben auch eine spezielle Corona-Hotline geschaltet, die rund um die Uhr besetzt ist.

Welche Impfungen werden übernommen?

Impfungen, die in der sogenannten Schutzimpfungsrichtlinie aufgeführt sind, sind für gesetzlich Versicherte kostenlos. Für eine Reihe von Krankheiten wie Typhus und Cholera, die im Ausland verbreitet sind, gilt diese Regelung nicht. Unsere Übersicht zeigt aber, dass sich alle Krankenkassen auch hier großzügig zeigen. Mehrere Kassen haben den kostenlosen Grippeschutz auf alle Altersgruppen ausgeweitet.

Alternative Medizin: Was wird übernommen?

Weil die Nachfrage nach alternativen Heilmethoden steigt, haben immer mehr Kassen in ihren Satzungen eine Kostenübernahme für die ambulante Behandlung beim Homöopathen beschlossen und zahlen auch für nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel aus der Apotheke. Ob damit auch Globuli gemeint sind, sollten Versicherte aber bei ihrer Kasse erfragen.

Gesundheitskurse: Bewegung, Entspannung, Ernährung

In speziellen Gesundheitskursen lernt man, wie man seinen Alltag gesünder gestalten kann. Alle sechs angefragten Kassen übernehmen die Kosten für zwei Kurse pro Kalenderjahr. Ein Vergleich lohnt sich trotzdem. Denn manche Kassen beschränken den Zuschuss auf eine bestimmte Summe.

Bonusprogramme

Bonusprogramme sollen einen Anreiz für gesundheitsbewusstes Verhalten schaffen. Wie und wofür genau das passiert, bestimmen die Kassen in ihren Satzungen. Die Belohnung wird in Form von Punkten, Zuschüssen und/oder Geld- oder Sachprämien gewährt. Die bonusfähigen Leistungen sind weitgehend gleich, einige Kassen haben allerdings eine Höchstgrenze festgesetzt.

Zahnbehandlungen: Was zahlt die Kasse?

Mit dem regelmäßigen Besuch beim Zahnarzt können sich Versicherte einen höheren Zuschuss sichern, falls irgendwann mal Zahnersatz nötig wird. Grundsätzlich übernehmen gesetzliche Krankenkassen lediglich etwa die Hälfte der Kosten für die Regelversorgung, bei einem regelmäßig geführten Bonusheft seit Kurzem bis zu 75 Prozent.

Einige Kassen erhöhen den Zuschuss auf bis zu 100 Prozent, allerdings ist das an Bedingungen wie Zusatzversicherungen oder ausgewählte Zahnärzte geknüpft. Unterschiedliche Konditionen gelten auch beim Zuschuss zur Professionellen Zahnreinigung.

Welche Krankenkasse ist gut für junge Familien

In den vergangenen Jahren haben viele Kassen ihre Angebote für Schwangere und junge Paare ausgeweitet. Dazu gehört beispielsweise die Kostenübernahme für eine Hebammen-Rufbereitschaft und die Teilnahme von Angehörigen an einem Geburtsvorbereitungskurs. In der Regel sind die Leistungen in einem Paket zusammengefasst und auf eine Maximalsumme begrenzt.

Die unterscheidet sich von Kasse zu Kasse allerdings erheblich – für junge Familien lohnt sich also ein Vergleich. Gut zu wissen: Auch werdende und junge Eltern – egal, welcher Kasse sie angehören – haben neuerdings gesetzlichen Anspruch auf weitere Leistungen. So können Schwangere mit Rhesus-negativer Blutgruppe den Rhesusfaktor ihres Ungeborenen schon während der Schwangerschaft durch einen Bluttest bestimmen lassen.

Und mithilfe des Neugeborenen-Screenings, bei dem einige Tropfen Blut untersucht werden, können seltene angeborene Erkrankungen bereits in den ersten Lebenstagen entdeckt werden.