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Glücksfund lässt Dresdner vom Narrenhäusel träumen

Teile des Fassadenschmucks galten als verschollen. Schon 2017 könnten sie am Neubau wieder zu bewundern sein.

© Christian Juppe

Von Annechristin Bonß

So richtig kann sich Torsten Kulke diesen Fund noch immer nicht erklären. Dass es noch Relikte vom alten Narrenhäusel geben muss, hat der Vorstand in der Gesellschaft historischer Neumarkt schon lange gewusst. Nun hat er die Bestätigung zum Anfassen im Besucherpavillon am Pirnaischen Platz vor sich auf dem Boden liegen. Dazu zählen ein stark verzierter Ausleger, der an der Fassade befestigt war, sowie ein Metallgitter von einem der Balkone im Obergeschoss und das Dresdner Stadtwappen. „Dort fehlt leider der Löwe. Der muss ergänzt werden“, sagt Torsten Kulke. Alle Teile wurden 1950 beim Abriss des Gebäudes an der Augustusbrücke gerettet.

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Gefunden wurden die Relikte im Lapidarium an der Nürnberger Straße. Dort lagern Kunstschätze aus dem öffentlichen Raum Dresdens. Die Metallteile vom Narrenhäusel haben die Mitarbeiter erst nach langem Suchen gefunden. Verstaubt und verdreckt lagen sie unter anderen Dingen verborgen. „Beim normalen Rundgang durch das Lapidarium konnte man die Teile nicht sehen“, sagt Jürgen Borisch, ebenfalls Vorstand in der Gesellschaft.

Für beide ist der Fund ein Glücksfall. Sie erhoffen sich Rückenwind für das Vorhaben, das Narrenhäusel an historischer Stelle neu zu errichten. Über 6 200 Unterschriften hat der Verein bereits gesammelt. Die sollen den Stadtrat dazu bewegen, über das Vorhaben zu diskutieren. Einen Investor gibt es bereits. Der Dresdner Ingenieur Max Wiessner will für drei Millionen Euro bauen. Im neuen Narrenhäusel soll Platz für Gastronomie, Büros und Wohnungen sein. Unter anderem soll hier der Stadtschreiber einziehen. Auch Matthias Christian Schanzenbach, bekannt als Hofnarr Fröhlich, wünscht sich einen Raum für Ausstellungen und Kultur.

Die gefundenen Teile gehören bis 2017 als Leihgabe der Gesellschaft historischer Neumarkt und werden weiterhin im Pavillon gezeigt. Danach könnten sie am neuen Narrenhäusel montiert werden. In den kommenden 14 Tagen soll es Gespräche zwischen Investor und Dresdens Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) geben. Der will sich auf Anfrage zum Bau des Narrenhäusels nicht festlegen. Er sei etwas unentschlossen. Persönlich könne er sich für das Bauwerk nicht erwärmen, aber er würde auch in keine Sinnkrise fallen, wenn es gebaut wird. (mit SZ/kle)