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Wie oft muss es noch auf der B 6 krachen?

62 Unfälle in drei Jahren: Retter müssen oft zur B 6 bei Reichenbach ausrücken. Die Polizei sieht aber keine Unfallhäufung - bis auf eine Kreuzung.

Auf der Bundesstraße 6 zwischen Reichenbach und Sohland kollidierten Mitte Mai ein Motorrad und ein Auto. Die Autofahrerin beachtete nicht die Vorfahrt des Motorradfahrers.
Auf der Bundesstraße 6 zwischen Reichenbach und Sohland kollidierten Mitte Mai ein Motorrad und ein Auto. Die Autofahrerin beachtete nicht die Vorfahrt des Motorradfahrers. © SZ-Archiv / Danillo Dittrich

Immer wieder kracht es auf dem etwa 4,5 Kilometer kurzen Abschnitt der Umgehungsstraße der B6 bei Reichenbach. Zuletzt verunglückte am vergangenen Sonnabend am Abzweig Sohland ein Motorradfahrer schwer, eine Autofahrerin leicht. Die Umgehungsstraße kommt nicht aus den Schlagzeilen heraus.

Oft sind die Kameraden der Reichenbacher Feuerwehr die Ersten am Unfallort. Als „gefährlich“ stuft deren Pressewart Hendrik Böhnke den Abschnitt und besonders den Kreuzungsbereich Sohland und den Knoten Richtung Niesky (S 125) ein. Für die Reichenbacher Wehr ist angesichts der Unfallhäufungen klar: Das ist ein Unfallschwerpunkt. Hendrik Böhnke sieht in der Errichtung von Kreisverkehren eine – wenngleich auch kostenintensive – Lösungsmöglichkeit, um die Situation zu entschärfen. Die Reichenbacher Einwohner fordern solch eine Lösung bereits seit mindestens sechs Jahren. Auch eine Ampellösung sei vorstellbar. Doch bislang scheiterte das immer an den Behörden. Hat sich daran angesichts der fortgesetzten Unfälle etwas geändert?

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Reichenbachs Bürgermeisterin Carina Dittrich weiß um die Probleme. „Durch Pressemitteilungen und vermehrte Feuerwehreinsätze bei zum Teil schweren Unfällen ist mir die Situation an der B 6 bewusst“, sagt sie. Die Stadt stünde regelmäßig mit der Polizei und der Straßenverkehrsbehörde des Landratsamtes in Kontakt. Carina Dittrich würde Vorhaben, die die Verbesserung der Situation gewährleisten, unterstützen. Die Unfallstatistiken seien auch immer wieder Thema bei den Gesprächen.

Im Zeitraum 2018 bis 2020 registrierte die Polizei 62 Verkehrsunfälle auf dem Abschnitt – davon 22 Unfälle 2018, im Jahr darauf 21 Unfälle und 2019 waren das 19 Unfälle. 34 Menschen erlitten Verletzungen, zwölf von ihnen schwere. Tote gab es nach Polizeiangaben in diesem Zeitraum keine.

Für 2021 liegt noch keine Statistik vor

Zum Vergleich: Innerhalb von 2014 bis 2018 – also in einem mit vier Jahren längerem Zeitfenster – passierten auf der gleichen Strecke von der Kreuzung bei Sohland bis zur östlichen Einmündung Oberreichenbach 100 Unfälle, davon 24 mit Personenschaden. 14 Menschen erlitten schwere, 20 leichte Verletzungen. Ein Mensch starb.

Für 2021 liegt noch keine Statistik vor. Im Januar dieses Jahres verlor eine junge Frau auf dem Abschnitt auf der B6 nahe Oberreichenbach ihr Leben.

Das für den Bau von Kreisverkehren zuständige Landesamt für Straßenbau und Verkehr beantwortet die Anfragen der SZ nach entschärfenden Möglichkeiten nicht und verweist stattdessen an die Unfallkommission des Kreises. Mitglieder der Unfallkommission sind die Leiter der zuständigen Straßenverkehrsbehörde, Straßenbaubehörden und Polizeidirektion.

Gleichlautend heißt es vonseiten der Polizei und des Landkreises schriftlich: „Seit der endgültigen Fertigstellung der B 6-Ortsumfahrung Reichenbach im Jahr 2005 gab es an verschiedenen Knotenpunkten immer wieder Konflikthäufungen, die die Behörden und auch die Unfallkommission zum Handeln veranlassten.“ Unfallhäufungen seien so „oftmals ohne bauliche Veränderungen, durch verkehrsorganisatorische Maßnahmen, zurückgedrängt worden.“

Am Knotenpunkt B 6/S 125 Richtung Niesky, wurde die Vorfahrtsbeschilderung verstärkt und Sichthindernisse angelegt, die ein „fliegendes Überqueren“ der Kreuzung verhinderten. „Zwar kommt es immer wieder einmal zu - mitunter auch schweren – Verkehrsunfällen, eine Häufung ist jedoch nicht mehr vorhanden“, so unisono die Antwort von Kreis und Polizei. Eine Unfallhäufung sei aktuell nicht mehr vorhanden.

Bei Weißenberg kracht es sehr häufig

„Ähnliches gelang auch an der Kreuzung B 6/K 8409 bei Oehlisch/Sohland, an welcher durch die Kennzeichnung mit Gefahrenzeichen „Unfallgefahr“ die Verkehrsunfälle deutlich zurückgingen“, sagt Kreissprecherin Julia Bjar und räumt gleichzeitig ein: „Auch hier kommt es dennoch mitunter immer wieder zu schweren Verkehrsunfällen.“ Im April 2021 forderte an dieser Stelle ein Vorfahrtsunfall drei Schwerverletzte, in diesem Monat erlitt ein Biker schwere Verletzungen. 2019 und 2020 gab es je einen Unfall an dem Knotenpunkt.

Auch an den Knoten B 6/Richtung Königshain und B6/Gemeindestraße Oberreichenbach „kommt es gelegentlich zu Verkehrsunfällen.“

Kommt eine Ampel an den Abzweig nach Weißenberg?

Den Verkehrsknoten B 6/S 111 Weißenberg haben die Behörden offenbar besonders auf dem Schirm. Immer wieder kommt es da zu Unfallhäufungen. „Dabei ist keine Kontinuität zu beobachten sondern ein im Laufe der Jahre an- und abschwellender Verlauf der Unfallzahlen“, erläutert Polizeisprecherin Anja Leuschner.

Vor dem Bau der Umgehungsstraße war in den ersten Vorplanungen in den 90er Jahren noch eine Variante als Kreisverkehr erwähnt, wie die Polizeisprecherin mitteilt. Letztendlich entschieden sich zuständige Gremien dagegen. Die Kreuzung sei mit einer Lichtanlage – also einer Ampel – nachrüstbar, so Anja Leuschner. Die Stelle wird als Unfallschwerpunkt geführt. „Da nunmehr verkehrsorganisatorische Möglichkeiten ausgeschöpft sind, ist als wirksame Lösung eine bauliche Veränderung anzustreben“, sagt die Polizeisprecherin.

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