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Schönster Laden der Berliner Straße wieder offen

Aus seiner Vorliebe und einer Lücke im Angebot macht Mohammed Ahmad eine Geschäftsidee, gründet eine Firma und eröffnet ein Geschäft für Kristall.

Mohammed Ahmad eröffnete in der Berliner Straße ein Geschäft für Böhmisches Kristall. Unterstützt wird er von Joanna Dewelk (links) und von deren Tochter Ida Lemieszek.
Mohammed Ahmad eröffnete in der Berliner Straße ein Geschäft für Böhmisches Kristall. Unterstützt wird er von Joanna Dewelk (links) und von deren Tochter Ida Lemieszek. © André Schulze

Mohammed Ahmad mag Kristall. Der gebürtige Libyer, der mit Frau und fünf Kindern seit 2014 in Görlitz lebt, fand hier an der Neiße aber nur sehr wenige entsprechende Angebote. Das wollte er ändern mit einer Geschäftsidee. Also gründete er vor einiger Zeit die Firma Pyramiden Kristall. Am 8. September eröffnete er sein erstes Geschäft in Görlitz.

Im unteren Teil der Berliner Straße verkauft er seine Waren in dem traditionsreichen Geschäft, dessen Regale unter Denkmalschutz stehen und die zuvor Nougat-Süßigkeiten und noch davor Parfüm aller Art eine attraktive Kulisse waren. Jetzt stehen dort Vasen, Gläser, prunkvolle Karaffen und opulente  Schalen aus Kristall drin, zum Teil mit Vergoldung. 

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Rosa Porzellan und Töpfe aus Marokko

Es ist böhmisches Kristall, das Mohammed Ahmad anbietet. Er bezieht es aus dem Nachbarland, hat dort Partner und Produzenten. Aber auch Porzellan, vorzugsweise in Rosa und mit Vergoldung, steht in den Regalen. Dazu gibt es Haushaltwaren. Beispielsweise einen Schnellkochtopf aus Marokko. Bevor Ahmad seinen ersten Laden eröffnete, war er als Verkäufer tätig und verkaufte Haushaltswaren in alle Welt. 

Mit dem Kristallangebot hofft der 40-Jährige, eine Angebotslücke in Görlitz zu schließen. Dabei reflektiert er auf Landsleute aus dem arabischen Raum mit ihren Vorlieben für Kristall, auch auf Kundschaft aus dem Nachbarland Polen und wünscht sich, dass Kristall in Görlitz bei jüngeren Menschen eine Renaissance erlebt. 

Shawqy (rechts) und Islam sind sehr stolz, dass ihr Vater Mohammed Ahmad (links) jetzt in Görlitz sein erstes Geschäft eröffnete.
Shawqy (rechts) und Islam sind sehr stolz, dass ihr Vater Mohammed Ahmad (links) jetzt in Görlitz sein erstes Geschäft eröffnete. © André Schulze

Verkäuferin als Glücksfall

Während Mohammed Ahmad lange nach einem geeigneten Laden suchte, fand er seine Mitarbeiterin ganz schnell. Sogar ohne viel eigenes Zutun. Joanna Dewelk wohnt nur drei Häuser weiter in der Berliner Straße. Die gebürtige Polin sah, dass sich in dem lange leer stehenden Geschäft etwas Neues tat und wurde neugierig. Sie ist Verkäuferin mit Leib und Seele und auch mit entsprechender  Ausbildung, wie sie sagt. "Da hab ich einfach gefragt, ob ich hier arbeiten kann", erklärt sie. Sie konnte und ist mit Begeisterung dabei. 

Joanna Dewelk freut sich wie ihr Chef, dass der neue Laden viele Kunden anzieht. "Viele schauen erst mal und sagen, dass sie wiederkommen wollen", erklärt sie und  berichtet weiter, dass es immer wieder Fragen von den Kunden gibt. Die beantwortet sie gern und ausführlich und kann das sowohl in sehr gutem Deutsch, in Englisch und in Polnisch sowieso. 

Später vielleicht ein arabisches Restaurant

Für Mohammed Ahmad ist die engagierte Verkäuferin offensichtlich ein Glücksfall. Denn er hat noch Probleme, sich in deutsch auszudrücken. Für das SZ-Gespräch halfen seine beiden Söhne Shawqy (11) und Islam (9) aus und gingen in ihrer Rolle als Dolmetscher auf.  Sie gehen in Görlitz zur Schule. Mit Stolz übersetzen sie weitere Pläne, die ihr Vater hegt. An ein arabisches Restaurant denkt er. "Türkische, griechische und italienische Restaurants gibt es ja schon in Görlitz, aber ein arabisches nicht", sagt er. Unklar bleibt, ob er dabei eher auf arabische Landsleute oder auf Görlitzer und Touristen als Gäste setzen will. 

Allein könne er das zwar nicht bewältigen und es gebe noch keine konkreten Vorbereitungen, aber er habe viele Freunde und Unterstützer aus der Familie. "Einen Neffen zum Beispiel ", erklärt er. Wie das in arabischen Familien eben so ist. Doch vorerst will er mit dem böhmischen Kristall erfolgreich sein.

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