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Görlitz will den Ring schließen

Zweite Brücke und Südumfahrung sollen den Verkehr aus Alt- und Innenstadt lenken. Zumindest bei der Brücke ist man jetzt einen Schritt weiter.

Seit einigen Jahren prägt sie das Stadtbild und ist beliebtes Fotomotiv: die Görlitzer Altstadtbrücke. Weiter nördlich soll sie eine Nachbarbrücke bekommen.
Seit einigen Jahren prägt sie das Stadtbild und ist beliebtes Fotomotiv: die Görlitzer Altstadtbrücke. Weiter nördlich soll sie eine Nachbarbrücke bekommen. © Foto: Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH

Eines der großen Sieben, ist eine Brücke. Als eines seiner Top-Vorhaben hatte OB Octavian Ursu beim diesjährigen Neujahrsempfang gesagt, dass die Stadt eine weitere Brücke über die Neiße bekommen soll - und zwar im Görlitzer Norden. Noch steht der genaue Standort nicht fest,  alte Görlitzer Verkehrsstudien sahen schon immer eine Verlängerung der Schlesischen Straße über die Neiße nach Zgorzelec vor.

Für Görlitz ist sie wichtig, weil sie die Verkehrslage in Alt- und Innenstadt endlich entspannen könnte. Bislang wälzt alles, ob Autos oder der schwerer Lkw-Verkehr, durch die teils sehr engen Straßen der Stadt. Eine Ableitung über Königshufen und dann über die neue Brücke nach Polen soll Entlastung bringen. 

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Zwar gibt es bereits zwei Brücken, die Görlitz und Zgorzelec verbinden. Doch die Altstadtbrücke ist eine reine Fußgängerbrücke, über die Stadtbrücke darf kein Verkehr über 7,5 Tonnen rollen, ähnlich ist die Lage bei der Brücke in Hagenwerder-Radmeritz im Görlitzer Süden. 

Die Stadt will mit einer dritten Brücke nicht nur die Verkehrsadern der beiden Städte besser verknüpfen, sondern erhofft sich davon auch einen generellen Aufschwung für die Europastadt an beiden Ufern der Neiße. Einer Stadt, die immer klimafreundlicher werden möchte, würde es gut zu Gesicht stehen, den Verkehr, der sich in der Innenstadt Nadelöhre sucht, umzulenken, sagte Bürgermeister Michael Wieler am Donnerstagabend vor dem Görlitzer Stadtrat. Vielleicht trage das dazu bei, dass dann noch mehr Menschen in der Stadt ein Haus sanieren.

Verkehrschaos auf Zgorzelecer Seite noch größer

Im Grunde ist eine leistungsfähige Autobrücke im Görlitzer Norden aber ein Wunsch der Zgorzelecer Seite. Denn dort herrscht das Verkehrschaos in Stoßzeiten - jedenfalls vor der Corona-Zeit. Da der Nahverkehr in der polnischen Zwillingsstadt schlecht ausgebaut ist, quält sich die Blechlawine jeden Morgen und jeden Abend durch das Zgorzelecer Stadtzentrum. Lange Staus an den beiden Kreisverkehren an den Gewerbe- und Einkaufsgebieten am Stadtrand inklusive.  

Dass es die Brücke geben soll - darüber herrscht auch auf Görlitzer Seite und im Stadtrat eigentlich Konsens. Trotzdem stimmte die AfD am Donnerstag gegen den Beschluss, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben. Vorangegangen war ein Vorstoß von AfD-Mitglied Sebastian Wippel. Die Verbesserung der Sicherheitslage sei Bedingung für die endgültige Zustimmung zum Bau einer solchen Brücke. Doch müsse auch der neue Übergang videoüberwacht sein und dürfe keine neuen Fluchtwege für Kriminelle schaffen.

Zugleich aber wollte die AfD, dass die Option einer Brücke im Süden ebenfalls geprüft werden soll - also zwischen Görlitz und Hagenwerder. Sie könnte eine schnelle Verbindung ins Gewerbegebiet Hagenwerder und auch ins künftige Gewerbegebiet Leuba sein.  Auch die Südumfahrung - seit Jahren immer wieder im Gespräch - sprach Wippel an. Die AfD spreche sich für die Schließung des Verkehrskreises um Görlitz aus, aber ausschließlich auf deutscher Seite.

Südumfahrung ist schwieriges Unterfangen

Hier hielt Mirko Schultze (Die Linke) deutlich dagegen. Es stünde der Europastadt gut zu Gesicht, wenn man endlich erkenne, dass die Neiße keine starre Grenze sei. Eine Südumfahrung lasse sich sehr wohl auch über Polen verwirklichen. Damit müssten für den Neubau einer Straße auf deutscher Seite nicht noch mehr Flächen versiegelt werden und Hagenwerder und Leuba könnten trotzdem angebunden werden. 

Während der geschlossenen Grenzen im Frühjahr kam es täglich zu Staus auf der Görlitzer Stadtbrücke .
Während der geschlossenen Grenzen im Frühjahr kam es täglich zu Staus auf der Görlitzer Stadtbrücke . © Nikolai Schmidt

Die Görlitzer Südumfahrung sei nach wie vor ein aktives Projekt, das Stadt und Landkreis gemeinsam fordern, so Bürgermeister Wieler. Seit Jahren wird sie immer wieder gefordert, zuletzt wurden ihr aber keine Erfolgschancen mehr eingeräumt. Doch mit der Absage einer Verlängerung der B 115 zur Autobahn nach Cottbus, könnte sie wieder an Bedeutung gewinnen. Jedenfalls denkt das Landrat Bernd Lange, der sich für deren Bau nun erneut ausgesprochen hat. Die AfD fühlt sich von Langes Äußerung in ihrem Ziel unterstützt, dass die Südumfahrung kommt – doch hatten Görlitzer Parteien diese Straßen bereits gefordert, als es die AfD noch gar nicht gab. Andererseits gibt es damit jetzt eine große Mehrheit für dieses Projekt im Görlitzer Stadtrat. Doch selbst wenn sie nicht kommt, die Brücke im Norden soll ganz unabhängig davon verwirklicht werden - als Zukunftsvorhaben der Städte Görlitz und Zgorzelec.

Und auch die Hoffnung auf die Südumfahrung will Görlitz nicht aufgeben, auch wenn es schwer sei. Görlitz wolle beides - Südumfahrung und dritte Brücke, sagt Michael Wieler. Und optional auch weitere Brücken, so wie das früher mal war. Denn einst gab es in Görlitz sogar sieben Neißebrücken. "Ich spreche seit zwei Jahren mit Polen über eine neue Brücke", so Wieler. Denn umgesetzt werden soll sie als gemeinsames Interreg-Projekt. "Mit diesem Projekt wird die langjährige gute Zusammenarbeit beider Städte weitergeführt und vertieft", heißt es in der Beschlussvorlage, die letztlich eine Mehrheit fand.

Neue Brücke im Süden keine Option

Eine Brücke im Süden scheint indes keine echte Option. Keiner, auch Sebastian Wippel nicht, kann sagen, welcher Standort für ein solches Bauwerk zwischen Hagenwerder und Görlitz infrage kommen könnte. Selbst als mögliche Verlängerung der Paul-Mühsam-Straße gedacht, würde das wohl kaum funktionieren können - denn die Neißewiesen hier sind als Überschwemmungsgebiet deklariert. Auch Bürgermeister Wieler sagte, eine Brücke im Süden brauche es nicht. Gegen die Bedenken von AfD-Stadtrat Jens Jäschke, mit einer Nord-Brücke werde die Schlesische Straße möglicherweise zur Bundesstraße und trübe die Lebensqualität in Königshufen, sagte Wieler: "Die Straßen in Königshufen sind viel breiter als die in der engen Innenstadt." 

Bis nun ein Grundsatzbeschluss zum Brückenbau gefasst werden kann, werden aber noch Monate vergehen. 

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