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Scheitert Kaufhaus-Investor Stöcker an zwei Villen?

Alles scheint soweit geklärt, um das Görlitzer Kaufhaus zu sanieren. Doch jetzt hakt es am Parkhaus.

So soll das Kaufhaus einmal aussehen - Blick von der Struvestraße auf das Kaufhaus (rechts) und angeschnitten links das City-Center.
So soll das Kaufhaus einmal aussehen - Blick von der Struvestraße auf das Kaufhaus (rechts) und angeschnitten links das City-Center. © Vorlage: Winfried Stöcker

Im Spätsommer war alles auf dem Dach des Görlitzer Kaufhauses, was über dessen Sanierung zu befinden hat: der Investor Winfried Stöcker, der Görlitzer Baubürgermeister Michael Wieler, Experten des Denkmalschutzes und der Bauämter. Von der Ferne schien die Stimmung gut, sie genossen sicher nicht die gute Aussicht an jenem Spätsommertag. Danach hieß es, man habe wichtige Themen besprochen.

Weitgehende Klarheit für das eigentliche Kaufhaus

Bei der Umgestaltung des Jugendstil-Kaufhauses in der Görlitzer Stadtmitte jedenfalls sind kaum noch Fragen offen: Rolltreppen wird es geben, aber der Lichthof bleibt auch erhalten, ein Lokal auf dem Dach mit Ausblick ist sehr wahrscheinlich, ein Anbau zum City-Center hin ebenso, zu dem es künftig eine Verbindungsgalerie geben wird. So weit alles gut.

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Um diese beiden Villen hinter der Görlitzer Hauptpost geht es bei dem Streit.
Um diese beiden Villen hinter der Görlitzer Hauptpost geht es bei dem Streit. © Sebastian Beutler

Doch mittlerweile geht es Winfried Stöcker ja nicht mehr nur um das Kaufhaus. Das 50-Millionen-Euro-Projekt umfasst ein ganzes Stadtquartier, seit er das City-Center erworben hat, ein Hotel an der Bismarckstraße und zwei Stadtvillen neben dem City-Center, unmittelbar neben dem Parkhaus hinter der Post. Und genau diese zwei Villen sind es, über die sich Kaufhausinvestor Stöcker und die Denkmalpflege zerstritten haben. Während Stöcker sie abreißen will, um mehr Platz für das Parkhaus, aber auch für die An- und Belieferung des Einkaufskomplexes zu bekommen, beharrt die Denkmalpflege in Dresden auf den Erhalt der beiden Villen.

Die Fronten sind derart verhärtet, dass Stöcker Anfang dieser Woche an die Öffentlichkeit ging. Bereits Anfang Oktober hatte er der Stadt ein ultimatives Schreiben zukommen lassen, indem er klarstellte: Kann er die beiden Villen nicht abreißen, beendet er sein Kaufhaus-Projekt. Das hat er nun auch öffentlich wiederholt. Im Gespräch mit SZ und sächsische.de klingt Stöcker versöhnlicher. Er wolle ja nicht als Erpresser dastehen, aber sein Vorschlag sei die einzig vernünftige Lösung. Blieben die Villen erhalten, dann sei das "für das Kaufhausprojekt völlig abträglich". 

Der Komplex aus der Vogelperspektive. Links das C&A-Kauhaus, es schließt sich das heutige Parkhaus an und dort - wo die Bäume die Sicht auf die Bebauung versperren - verstecken sich die beiden Stadtvillen.
Der Komplex aus der Vogelperspektive. Links das C&A-Kauhaus, es schließt sich das heutige Parkhaus an und dort - wo die Bäume die Sicht auf die Bebauung versperren - verstecken sich die beiden Stadtvillen. © André Schulze

Alle Seiten haben kein Interesse an Eskalation

Wie Stöcker sind auch die Stadt Görlitz und das Landesamt für Denkmalpflege derzeit nicht daran interessiert, den Konflikt eskalieren zu lassen. Oberbürgermeister Octavian Ursu hält weitere Gespräche für sinnvoll, das Landesamt betont die Diskussion von Spielräumen bei der Umsetzung des Projektes. Ob die Denkmalpflege den Abriss gegenwärtig für nicht genehmigungsfähig hält, lässt die Landesbehörde offen.

Tatsächlich haben die Pläne Stöckers Dimensionen angenommen, die mit der anfänglichen Sanierung des Görlitzer Kaufhauses nur noch wenig zu tun haben. Es geht um Görlitz als Einkaufsstadt, das Kaufhaus-Projekt soll die Parksituation in der Innenstadt verbessern, mehr Menschen in die Stadtmitte ziehen und damit den gesamten Einzelhandel beleben. Doch je mehr das Projekt leisten soll, umso größer sind auch die Auswirkungen. 

Von Anfang an war klar, dass die Verkaufsfläche im Kaufhaus zu klein ist, deswegen der Zukauf des City-Centers. Aber auch das ist von seinen Maßen nicht optimal, so muss der künftige Lebensmittelmarkt - an der Stelle, wo jetzt Norma ist - einfach größer ausfallen, wenn Stöcker einen namhaften Filialisten anlocken will. 

Kaufhaus und City-Center benötigen wiederum mehr Parkplätze im Parkhaus. Die Stadt hat außerdem Interesse an zusätzlichen Parkplätzen im Parkhaus. Mittlerweile gehen die Pläne Stöckers von 690 Parkplätzen auf fünf Decks aus. Dazu aber muss das Parkhaus komplett erweitert werden. Die Pläne derzeit sehen vor, das Parkhaus an die Straße hinter der Post vorzuziehen und in dem Zusammenhang auch die beiden Villen abzureißen. Die An- und Belieferung des gesamten Komplexes soll dann praktisch über die Kreuz-Bube-(heute Via's)-Kreuzung geschehen.

Stöcker drängt jetzt auf Eile

Stöcker beschreibt all das so: "Wenn das Kaufhaus mit dem City-Center seiner Funktion gerecht werden soll, dann kann man auch beim Parkhaus nicht halbherzig vorgehen, sondern es ebenso ordentlich und großzügig planen, damit die Leute auch ins Parkhaus gezogen werden." Und bekommt vom Görlitzer OB Octavian Ursu Rückendeckung: "Persönlich würde ich dem Wunsch von Herrn Professor Stöcker gern entsprechen." 

Die Denkmalschutzbehörde aber verweist auf einen alternativen Vorschlag Stöckers, wo der Abriss der Villen nicht nötig sei. Nähere Details teilte keine der befragten Seiten zu dieser Alternative mit. Für die Dresdner Experten sind die beiden Stadtvillen "Zeugnisse der baulichen Entwicklung der Stadt Görlitz zu Anfang der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts" - und stehen deswegen auch auf der Denkmalliste.

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Stöcker jedenfalls will jetzt schnell Klarheit. Zum ersten Mal erinnert er alle Beteiligte, dass er mit 73 Jahren nicht mehr der Jüngste für das Projekt ist. Gegenüber der SZ und sächsische.de sagt er: "Ich will meine Nachkommenschaft ja auch dafür noch trainieren."

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