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Was passiert nun mit der Teufelsbrücke?

Nachdem eine junge Frau um Schutzmaßnahmen für die Brücke gebeten hat, scheint es zumindest eine schnelle Lösung nicht zu geben.

Der Fußgängerweg auf der Görlitzer Teufelsbrücke: das Geländer ist mit Plexiglas verkleidet.
Der Fußgängerweg auf der Görlitzer Teufelsbrücke: das Geländer ist mit Plexiglas verkleidet. © Martin Schneider

Nach dem emotionalen Auftritt einer jungen Frau in der jüngsten Stadtratssitzung sieht es nicht danach aus, dass schnell Bewegung in das Thema Teufelsbrücke kommt. Die Stadtverwaltung, wo die Frau nach eigenen Aussagen im Vorfeld des Stadtrates vorgesprochen hatte, äußert sich zurückhaltend. Mit wem die junge Dame bisher dort gesprochen habe, könne aus Datenschutzgründen nicht mitgeteilt werden.

Die Frau hatte vor den Stadträten während der Einwohnerfragestunde die dringende Bitte geäußert, an der Görlitzer Teufelsbrücke Maßnahmen gegen die immer wieder passierenden Selbstmorde zu ergreifen. Auch in ihrem privaten Umfeld gab es einen jungen Mann, der hier den Freitod gewählt hatte. Würde man hier Sicherheitsnetze anbringen, könnte man künftig weitere Suizide vielleicht verhindern, so ihre Hoffnung.

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Stadt will verschiedene Optionen prüfen

"Die Anbringung eines Netzes wurde nicht endgültig ausgeschlossen", heißt es von der Stadtverwaltung nun auf SZ-Nachfrage. "Wir haben der Frau erklärt, warum eine Umsetzung ihrer Anregung nicht sofort erfolgen kann. Außerdem haben wir ihr zugesagt, verschiedene Optionen zu prüfen."

Auch mit der Deutschen Bahn will die Stadt über das Thema sprechen. Es gehe dabei vor allem darum, mögliche Lösungswege zu suchen und Beteiligte einzubinden. "Zu den verschiedenen Optionen, die wir prüfen, gehört natürlich auch das Spannen eines Netzes unter der Brücke. Und zur Prüfung der technischen Umsetzung dieser Möglichkeit müssen wir zu gegebener Zeit mit der Deutschen Bahn sprechen, da durch das Netz der Bahnverkehr unter der Brücke nicht beeinträchtigt werden darf", sagt Stadtsprecherin Juliane Zachmann. Man werde die junge Frau informieren, wenn es ein Ergebnis gibt.

Die Deutsche Bahn bestätigt auf SZ-Nachfrage, hier nicht zuständig zu sein, sondern der Straßenbaulastträger - in diesem Fall also die Stadt.

Generell kennt die Deutsche Bahn aber dieses Problem zur Genüge. Einschlägige für Suizide bekannte Stellen wie die Göltzschtalbrücke in Thüringen oder eine konkrete Stelle im Münchener U-Bahn-Netz in den 1990er-Jahren haben das Unternehmen lange beschäftigt. So gab es allein 2002 binnen acht Monaten acht Todessprünge von der Göltzschtalbrücke, weswegen sie danach verstärkt von der Bundespolizei überwacht wurde. Die Zahl der Suizide an diesen beiden neuralgischen Punkten nahm erst spürbar ab, als sie mehr und mehr aus der medialen Berichterstattung verschwanden.

Nicht jeder Suizid steht in der Zeitung

Die Medien - auch die Sächsische Zeitung - haben an dieser Stelle Pflicht und Verantwortung gleichermaßen. Einerseits kann die Berichterstattung über Suizide, vor allem mit konkreter Benennung des Ortes, weitere Suizidgefährdete zum Nachahmen animieren. Zudem müssen gerade bei so einem Ereignis die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen gewahrt werden. Andererseits besteht immer dann ein öffentliches Interesse, wenn der Ort des Suizides ein markanter und öffentlicher ist und das Ereignis womöglich auch ohne Berichterstattung schon große Aufmerksamkeit erregte, sei es, weil es dadurch Verkehrsbehinderungen gegeben hat oder eine Menschenansammlung. Dann berichtet die SZ zumindest, dass es dort einen Suizid gegeben hat - ohne auf Einzelheiten einzugehen.

Die SZ hält sich daher an den Pressekodex, der besagt: „Die Berichterstattung über Selbsttötung gebietet Zurückhaltung. Dies gilt insbesondere für die Nennung von Namen, die Veröffentlichung von Fotos und die Schilderung näherer Begleitumstände.“

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