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Stöcker darf Görlitzer Villen abreißen

Die Landesdirektion genehmigt den Plan, Villen am Postplatz in Görlitz abzureißen - aber unter Bedingungen. Die Sanierung des Kaufhauses könnte damit näher rücken.

Gegen den Abriss der beiden Villen am Postplatz gab es in der Vergangenheit heftigen Widerstand.
Gegen den Abriss der beiden Villen am Postplatz gab es in der Vergangenheit heftigen Widerstand. © privat

Görlitz. Die Landesdirektion in Dresden hat den Abriss der beiden Villen am Postplatz 5 und 6 neben dem Parkhaus des Görlitzer City-Centers genehmigt. Sie gibt damit einem Antrag des Architekten Maik Straube statt. Er handelt in Vollmacht für die Stöcker Kaufhaus GmbH & Co. KG.

Um den Abriss der beiden jetzt leer stehenden Villen hatte es in Görlitz Streit gegeben, auch zwischen der Stadt als Unterer Denkmalschutzbehörde und dem Landesamt für Denkmalpflege. Die Stadt hatte sich für den Abriss ausgesprochen, da er mit der beabsichtigten Umgestaltung der Innenstadt verknüpft ist. Die Landesdirektion begründet jetzt ihre Entscheidung für den Abriss mit der "Unzumutbarkeit des Erhalts der beiden Gebäude für den Eigentümer". Stöcker hatte die beiden Villen gekauft, ebenso wie das City-Center samt Parkhaus.

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Der Investor will das Parkhaus nach dem Abriss erweitern und hatte dies zur Bedingung für sein Engagement in Görlitz, vor allem für die Sanierung des Kaufhauses gemacht. Nur ein größeres Parkhaus könne sicherstellen, dass das Kaufhaus und das City-Center wirtschaftlich betrieben werden können.

So soll es mal in der Görlitzer Stadtmitte aussehen, mit erweitertem Parkhaus - noch stehen da zwei Stadtvillen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
So soll es mal in der Görlitzer Stadtmitte aussehen, mit erweitertem Parkhaus - noch stehen da zwei Stadtvillen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. © Winfried Stöcker

Die Landesdirektion habe alle Belange gründlich abgewogen und ebenfalls den "Denkmalcharakter" der Häuser festgestellt. Aber selbst nach einer "grundsätzlich möglichen Sanierung" sehe die Landesdirektion kaum, dass die Villen beispielsweise als Wohnhäuser wirtschaftlich verwertbar seien. Dies resultiere aus ihrer besonderen Lage zwischen Parkhaus und Brandmauer der Bebauung Schützenstraße.

Bedingungen an Stöcker

Zudem, so die Landesdirektion, könnte ein größeres Parkhaus weitere Teile der Innenstadt von parkenden Autos befreien, vor allem den Obermarkt.

Winfried Stöcker plant zudem, die Lieferzufahrt für das City-Center und später für das Kaufhaus direkt aus Richtung Konsul- und Schützenstraße zu ermöglichen. Das derzeitige, zuweilen schwierige Rangieren der Lkw würde entfallen.

Gegen den Abriss der Villen gab es Proteste.
Gegen den Abriss der Villen gab es Proteste. © Fotograf: xcitepress

Trotz der grundsätzlichen Genehmigung, die Landesdirektion stellt auch Bedingungen an Stöcker. Unter anderem ist der Abriss der Villen nur gestattet, wenn dadurch tatsächlich auch das Kaufhaus wiederbelebt wird. Sicherstellen soll dies, dass noch vor dem Abriss der Bebauungsplan der Stadt "Umbau Kaufhaus Görlitz" in Kraft getreten sein muss. Zudem müssen sämtliche Baugenehmigungen und denkmalschutzrechtliche Genehmigungen zum Kaufhausumbau vorliegen. Und: Bevor abgerissen wird, muss eine umfangreiche Dokumentation der beiden Kulturdenkmale der Landesdirektion vorgelegt werden.

Zudem darf das Landesamt für Archäologie vor Beginn des Abbruchs Grabungen durchführen und eventuelle Funde dokumentieren. Ob das in Anspruch genommen wird und wie viel Zeit das kosten wird, ist noch unklar.

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