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Neue Laubenwohnungen für Görlitz

Das Wohnungsunternehmen Kommwohnen saniert in drei Stadtteilen Häuser aus unterschiedlichen Bauzeiten und geht dabei auch neue Wege.

Kommwohnen-Chef Arne Myckert vor der Wohnanlage auf der Jonas-Cohn-Straße. Anfangs gab es hier viel Skepsis, mittlerweile aber Wartelisten.
Kommwohnen-Chef Arne Myckert vor der Wohnanlage auf der Jonas-Cohn-Straße. Anfangs gab es hier viel Skepsis, mittlerweile aber Wartelisten. © Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Arne Myckert hat gut Lachen. Der Geschäftsführer von Kommwohnen, der städtischen Wohnungsgesellschaft, freut sich, dass ihm im Stadtteil Rauschwalde offenbar ein Coup gelingt, der vor einiger Zeit in Weinhübel für Aufregung sorgte.

Auf der Arthur-Ullrich-Straße 16 wird ein Wohnblock saniert. Der erhält einen Laubengang, von dem die Mehrzahl der Wohnungen zugänglich ist. Eine ähnliche Bauweise wurde vor wenigen Jahren zunächst rege diskutiert. Im Stadtteil Weinhübel baute Kommwohnen auf der Jonas-Cohn-Straße ein Gebäude um. Völlig neue Grundrisse entstanden und eben auch ein Laubengang. Das war etwas Neues für Görlitz - und die Kritik groß. Man mache es Einbrechern leicht, Kinder aus der nahen Schule würden dort herumtoben - das waren nur einige der Befürchtungen. Kommwohnen hatte zunächst Schwierigkeiten, die modernen Wohnungen zu vermieten.

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Doch jetzt ist alles anders. "Nicht einmal hat die Polizei wegen Einbruchs anrücken müssen, und Schüler zum Toben waren auch nicht da", erklärt Arne Myckert. Das Haus ist gut vermietet, Menschen aus verschiedenen Generationen leben dort. "Es gibt sogar eine Warteliste für künftige Mieter, falls eine Wohnung frei wird", erklärt der Geschäftsführer.

Zwei Baustellen werden nächstes Jahr fertig

Wenn im nächsten Sommer das Haus Nr. 16 auf der Arthur-Ullrich-Straße fertig wird, hofft Myckert darauf, dass die insgesamt 37 Wohnungen dort schnell vermietet sind. Es sind vorrangig Zweiraumwohnungen. Alle sind über einen Laubengang erreichbar. Der wiederum ist über Treppen als auch einen Aufzug zu nutzen. Genau das spart Kosten für Mieter und Vermieter, denn nicht jeder Hausaufgang benötigt einen eigenen Fahrstuhl. Aufzüge sind sowohl in der Anschaffung als auch in der Wartung aufwendig.

Allerdings hatte Kommwohnen auf der Arthur-Ullrich-Straße Kosten, die nicht eingeplant waren. Der Laubengang machte Eingriffe in die Bausubstanz nötig, und das wiederum eine statische Betrachtung. "Wir mussten nachträglich eine Pfahlgründung einbauen", erklärt Myckert. Das habe "ordentlich Geld und Zeit gekostet".

Bauverzögerung wegen Personalengpass und Corona

Eine weitere Großbaustelle von Kommwohnen ist auf der Leipziger Straße. Dort werden zugleich drei nebeneinanderliegende Gründerzeithäuser saniert: Nummer 19, 20 und 20a standen lange leer, waren zum Teil notgesichert. Auch diese Gebäude sollen 2021 fertig werden. Anders dagegen die Baustelle auf der Hohe Straße 19/Heilige-Grab-Straße 13. Hier sind die Arbeiten fast beendet. In diesen Tagen kommen die ersten potenziellen Mieter und schauen sich die Wohnungen an.

Start für die drei Baustellen war Anfang beziehungsweise im Frühjahr 2019. Der Bau verlief nicht reibungslos. Myckert nennt als Gründe dafür unter anderem Personal-Engpässe in den Baufirmen, die vorrangig aus der Region kommen. Die Corona-Krise verschärfte das Problem, wenn Bauleute in Quarantäne geschickt wurden. Dadurch verschoben sich Bau-Zeitfenster, Terminketten mussten neu geknüpft werden. "Die Zeitpläne im Bauablauf waren nicht zu halten", erklärt der Kommwohnen-Chef.

Wohnungen mit Fahrstuhl für alle

Die jetzt sanierten Gebäude sind künftig über Aufzüge zu erreichen. Die extrem niedrige Quote von Gebäuden mit Fahrstuhl in Görlitz werde dadurch aber nur leicht erhöht, sagt Myckert. Künftig mehr Wohnungen, die über einen Aufzug zu erreichen sind, sieht er als wichtige Aufgabe für alle Vermieter in der Stadt an. Zwar seien es vor allem ältere Mieter, die gern eine Wohnung mit Aufzug hätten, Kommwohnen vermietet solche Quartiere aber an alle Menschen unabhängig vom Alter. "Familien mit Kindern beispielsweise sind froh, wenn sie den Kinderwagen über den Aufzug mit in die Wohnung nehmen können oder den Einkauf nicht Treppen hochtragen müssen. Und auch ein 30-Jähriger ist uns in solch einer Wohnung willkommen", erklärt der Geschäftsführer.

Baukosten explodierten

Die Arbeiten auf den drei Baustellen verfolgen die Görlitzer recht interessiert, erklärt Myckert. Offenbar treffen sie ebenso den Nerv der Menschen wie fast alle Bauvorhaben von Kommwohnen in den letzten zehn Jahren. Schon vor Abschluss der Bauarbeiten stünden häufig viele Mieter fest. In den sanierten Häusern gebe es kaum Leerstand.

Allerdings fällt es Kommwohnen immer schwerer, Baudenkmale - und davon gibt es reichlich in Görlitz - zu sanieren. Die Baukosten seien explodiert, passende Fördermittel im Moment nicht verfügbar. Sanierte Gebäude unter Denkmalschutz kostendeckend zu vermieten, sei in Görlitz kaum möglich. 7,50 Euro pro Quadratmeter Miete sei nicht kostendeckend, aber das in Görlitz zu verlangen, sei auch sehr schwierig, erklärt der Kommwohnen-Chef. Görlitz gehöre in Städten mit mehr als 25.000 Einwohnern zu denen mit der niedrigsten Durchschnittsmiete.

Und so wird die Sanierung der Gründerzeithäuser auf der Leipziger Straße vorerst die letzte Denkmalsanierung von Kommwohnen sein. Zwei Vorhaben liegen zwar noch in der Schublade, "sie sind derzeit aber nicht finanzierbar", bedauert Myckert.

37 sanierte Wohnungen auf der Arthur-Ullrich-Straße

Das Haus Nummer 16 auf der Arthur-Ullrich-Straße im Görlitzer Stadtteil Rauschwalde wird völlig umgebaut. Alle Wohnungen sind künftig über einen Aufzug erreichbar.
Das Haus Nummer 16 auf der Arthur-Ullrich-Straße im Görlitzer Stadtteil Rauschwalde wird völlig umgebaut. Alle Wohnungen sind künftig über einen Aufzug erreichbar. © Fotostudio Bild21

Hier wird ein IW-64-Block aus DDR-Zeiten komplett umgebaut. Der vordere Teil - längs geteilt - wurde abgerissen und neu aufgemauert, der hintere blieb stehen. So sind moderne Grundrisse möglich. Es entstehen 37 Wohnungen als Zwei- bis Vierraumwohnung von 55 bis 118 Quadratmetern Größe. Alle Wohnungen sind barrierearm mit Fahrstuhl zu erreichen, haben eine bodengleiche Dusche, Fußbodenheizung und einen großen Balkon, manche einen Mietergarten.

Zwei Wohnungen für Rollstuhlfahrer

Die Eckhäuser auf der Hohe Straße und Heilige-Grab-Straße in Görlitz wurden zusammengelegt und saniert.
Die Eckhäuser auf der Hohe Straße und Heilige-Grab-Straße in Görlitz wurden zusammengelegt und saniert. © Fotostudio Bild21

Auf der Hohe Straße und Heilige Grab-Straße wurden zwei Häuser, die jeweils auf dem Eckgrundstück stehen, zusammengelegt, die Wohnungen der Hohe Straße sind mit Fahrstuhl zu erreichen. Insgesamt entstehen 26 barrierearme, moderne Wohnungen mit bodengleicher Dusche und großen Balkonen. Mieter können Ein- bis Vierraumwohnungen wählen, darunter zwei für Rollstuhlfahrer geeignete. Die Größen variieren zwischen 38 und 79 Quadratmetern.

Seniorengerechte Quartiere im Gründerzeithaus

Seniorengerechter Wohnraum entsteht in drei Gründerzeithäusern auf der Leipziger Straße in der Görlitzer Innenstadt.
Seniorengerechter Wohnraum entsteht in drei Gründerzeithäusern auf der Leipziger Straße in der Görlitzer Innenstadt. © Fotostudio Bild21

Insgesamt stehen auf der Leipziger Straße 19, 20 und 20a ab nächstem Jahr 44 seniorengerechte Wohnungen zur Verfügung. Es sind Ein- bis Vierraumwohnungen mit 33 bis 87 Quadratmetern Wohnfläche. Sie sind per Aufzug erreichbar, haben Fußbodenheizung und bodengleiche Duschen. Eine Besonderheit sind historische Geländer an den Balkonen auf der Straßenseite. Sie wurden nach dem Vorbild der Brautwiesenstraße 17/18 gefertigt. Die drei Häuser versorgt ein Blockheizkraftwerk.

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