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Bei Anruf Krankenschein: Das lehnen viele Hausärzte ab

Die meisten Ärzte in Görlitz und Niesky wollen ihre Patienten erst mal sehen. Gerade in Corona-Zeiten sei das besonders wichtig.

In der internistischen Hausarztpraxis von Przemyslaw Samborski, Ewa Fringes und Henry Hedrich (von links) gibt es die Krankschreibung per Telefon nicht.
In der internistischen Hausarztpraxis von Przemyslaw Samborski, Ewa Fringes und Henry Hedrich (von links) gibt es die Krankschreibung per Telefon nicht. © Nikolai Schmidt

Ein Krankenschein per Telefon? In der Görlitzer Arztpraxis Hedrich/Samborski gibt es den nicht. "Die Patienten müssen auch mit einer leichten Atemwegserkrankung  in die Praxis kommen", sagt eine Mitarbeiterin auf Nachfrage, "unsere Ärzte müssen den Patienten sehen, um eine sichere Diagnose stellen zu können."

In der Arztpraxis von Dr. Kerstin Yorck in Kunnerwitz ist es jetzt im Oktober bislang nur einmal vorgekommen, dass ein Krankenschein per Telefon verlangt wurde. Die Ärztin möchte die Patienten aber in Augenschein nehmen, denn nur so könne sie beurteilen, wie die weitere Behandlung erfolgen muss. In der Hausarztpraxis von Dietmar Otto in Görlitz-Rauschwalde gibt es überhaupt keinen Krankenschein per Anruf, obwohl es dazu bereits mehrere Nachfragen gab, erklärt eine Mitarbeiterin auf Nachfrage. Auch hier müssen sich die Patienten dem Arzt persönlich vorstellen, auch wenn Dietmar Otto im Moment nicht arbeitet, sondern Vertretungsärzte seine Patienten betreuen.

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Die Wartezimmer sind voll

Knapp sind die Antworten der Hausärzte oder deren Mitarbeiter auf die SZ-Nachfrage per Telefon, denn die Ärzte und Mitarbeiter haben viel zu tun. Die Wartezimmer der Praxen sind derzeit sehr voll, einige Mediziner wegen der Herbstferien im Urlaub. Das bedeutet für ihre Vertretungsärzte noch mehr Arbeit. Und trotzdem möchte kaum ein Hausarzt sich auf das Wagnis der Krankschreibung per Telefon einlassen, wenn Patienten über Erkältungen klagen. 

Mit dieser Haltung stellen sich die Mediziner gegen die Sonderregelung des Bundesausschusses von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken, die es Patienten mit Erkältungssymptomen seit Mitte Oktober wieder möglich macht, sich nur mit einem Anruf in der Praxis krankschreiben zu lassen.  

Bereits im Frühjahr gab es wegen der Corona-Pandemie diese Möglichkeit. Doch auch schon damals lehnten viele der befragten Ärzte es ab, den Krankenschein nach einem Anruf auszustellen, wenn der Patient lediglich über eine Erkältung klagt. Damals wie auch jetzt kristallisiert sich heraus, dass Ärzte weniger befürchten, Patienten könnten simulieren, um an ein paar zusätzliche freie Tage zu kommen - auch das kommt möglicherweise vor. 

Vielmehr geht es den Medizinern um die Sicherheit für den Patienten. Für eine Diagnose sei es unerlässlich, den Patienten zu sehen, so der Tenor.  Hausärzte sehen sich hier so sehr in der Verantwortung für ihren Patienten, dass sie die Krankschreibung nach einem Anruf in der Regel entweder gar nicht vornehmen oder nur in Ausnahmefällen, wenn sie den Patienten lange und sehr genau kennen.

Wie wichtig das ist, unterstreicht Dr. Roger Voigt. Er ist Hausarzt in Oderwitz. "Erst kürzlich hatte ich einen Fall", sagt er, "da wäre das gründlich schiefgegangen, wenn ich nicht darauf bestanden hätte, den Patienten in der Praxis zu sehen." 

KV Sachsen begrüßt die erneute Regelung

Bei der Kassenärztlichen Vereinigung in Sachsen (KVS) findet man das Wiederaufleben der Regelung "Krankenschein per Anruf" jedoch gut: "Als HNO-Ärztin begrüße ich das als sinnvolle und pragmatische Maßnahme zur Pandemiebekämpfung", sagt die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Dr. Sylvia Krug. Durch das Vermeiden unnötiger Wege und Wartezeiten in den Arztpraxen könnten die Übertragung von Infektionen vermieden und das Zusammentreffen mit chronisch kranken Menschen minimiert werden.

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Und auch bei Krankenkassen sieht man die erneute Regelung positiv. Wie die DAK-Gesundheit feststellt, stiegen die Fehltage wegen Atemwegserkrankungen  von 147 je hundert Versicherten im ersten Halbjahr 2019 auf 186 Fehltage im ersten Halbjahr 2020 an. Auch deswegen stand diese Erkrankung  im Blickpunkt, als der Gemeinsame Bundesausschuss die Regelung beschloss, wonach sich Patienten mit leichten Erkältungssymptomen von März bis Ende Mai telefonisch krankschreiben lassen konnten, erklärt Andreas Motzko, Chef der DAK-Gesundheit in Görlitz. Eine Regelung, die er auch jetzt befürwortet, weil sie nicht nur bei Covid-19, sondern auch vielen anderen Erkrankungen die Ansteckungsgefahr für das Praxispersonal und für andere Patienten mit bedenke. (mit SZ/ju und SZ/sdn)

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