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Kreis Görlitz: Linke schlägt Genossenschaft fürs Theater vor

Die neuen Finanzprobleme des Theaters dürfen nach Ansicht der Linkspartei nicht auf dem Rücken der Belegschaft ausgetragen werden. Doch kurzfristig hilft der Vorschlag der Linken nicht viel.

Von Sebastian Beutler
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Mirko Schultze ist eng mit dem Görlitzer Theater und seinen Projekten, beispielsweise dem Straßentheater Viathea verbunden.
Mirko Schultze ist eng mit dem Görlitzer Theater und seinen Projekten, beispielsweise dem Straßentheater Viathea verbunden. © Archivfoto: Nikolai Schmidt

Für die Linkspartei darf das Theater im Kreis Görlitz nicht Opfer der Politik des sächsischen Finanzministeriums werden. Das sei nach Ansicht von Mirko Schultze, Landtagsabgeordneter der Linken und zugleich Fraktionsvorsitzender der Linksfraktion im Görlitzer Kreistag, der wahre Grund für die Finanzprobleme der Kommunen und damit auch des Gerhart-Hauptmann-Theaters in Görlitz/Zittau.

Er reagiert damit auf die Lage am Kreis-Theater nach einer Betriebsversammlung vor den Winterferien, über die die SZ am Donnerstag erstmals berichtete. Dabei erklärte Landrat Stephan Meyer, dass der Kreis über einen Kreistagsbeschluss vom März vergangenen Jahres hinaus keine zusätzlichen Gelder dem Theater in diesem Jahr zur Verfügung stellen könne.

Damit fehlen dem Theater in diesem Jahr 1,3 Millionen Euro, heißt es in einem offenen Brief des Gesamtbetriebsrates, den die SZ veröffentlichte. Es drohe 30 bis 40 Mitarbeitern die Kündigung. Das bedeute aber, entweder Sparten zu streichen oder Standorte zu schließen. Dagegen wendet sich die Linkspartei: "Die Beschäftigten haben jahrzehntelang auf Teile ihres Lohns verzichtet. Ohne diese Opferbereitschaft würde es das Theater heute gar nicht geben", heißt es in der Erklärung Schultzes. "Beschäftigte sind die wahren Bewahrenden des Hauses und nicht deren Gefährdung."

Schultze plädiert dafür die Finanzgrundlagen des Theaters auf breitere Schultern zu verteilen und schlägt die Gründung einer Theatergenossenschaft sowie einer Stiftung vor. Die Stiftung sollte vom Kreis sowie den beiden Städten Görlitz und Zittau gegründet werden, in deren Eigentum sollten die Spielstätten übergehen. Sie würden über die Stiftung das Theater in der jetzt beschlossenen Förderung weiter finanzieren.

Die Genossenschaft würde das Theater betreiben, an ihr könnten sich Unternehmen und Privatpersonen beteiligen und mit ihren Geldern zusätzlich das Theater fördern. Als Beispiel für eine funktionierende Genossenschaft als Träger eines Mehrspartentheaters führt die Linkspartei das Theater in Basel an. In der Schweiz spielt das Genossenschaftsmodell auf allen Ebenen der Gesellschaft eine größere Rolle. So ist eine der größten Handelsorganisationen der Schweiz, die Migros, ein Verbund vieler Genossenschaften.

Der Vorschlag der Linkspartei ist nicht neu, wie sie selbst einräumt. Sie hatte ihn bereits bei den Gesprächen der Theater-AG auf Kreisebene vorgestellt, diese AG war auf Initiative Schultzes zustande gekommen. Offensichtlich sind sie dort aber nicht weiter verfolgt worden. Selbst wenn sich alle Beteiligten dafür entscheiden würden, kann das Genossenschaftsmodell kurzfristig, also in diesem Jahr, das Problem des Theaters nicht lösen.