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Corona: Was Görlitzer Wirte von 2G halten

Zu kompliziert, zu viel Aufwand: Die neue Corona-Schutzverordnung sehen Gastronomen in Görlitz kritisch. Parteiübergreifend.

Inhaber Diana Klaus-Metzner und Alexander Klaus in der Bierblume an der Neißstraße: 2G? Kaum vorstellbar.
Inhaber Diana Klaus-Metzner und Alexander Klaus in der Bierblume an der Neißstraße: 2G? Kaum vorstellbar. © Martin Schneider

Am nächsten Dienstag gibt es eine neue Corona-Schutzverordnung für Sachsen. Die Staatsregierung plant zwar keine Einführung eines generellen 2G-Optionsmodells, wonach nur Genesene und Geimpfte Zugang zu bestimmten Einrichtungen und Angeboten haben können. Aber die Möglichkeit einer "optionalen Zugangsbeschränkung" allein für Genesene und Geimpfte wird unter anderem für den Zugang zur Innengastronomie geprüft.

Nach allem, was bisher aus Dresden bekannt wurde, soll es also künftig Gastwirten überlassen sein, ob sie nur noch Geimpfte und Genesene an den Tresen oder die Tische lassen. In Görlitz jedenfalls sehen das Gastronomen eher kritisch.

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Alexander Klaus ist Betreiber der "Bierblume" an der Neißstraße und als früherer Grünen-Finanzvorstand in der Stadt Görlitz auch unverdächtig, ein Corona-Leugner zu sein. 2018 ist die Craft-Bier-Brauerei von der Schanze 24 hierhergezogen, erfreut sich seither zunehmender Beliebtheit. Aber 2G ist für Alexander Klaus kein Modell, auch nicht als Option.

"Unsere Kunden sind in der Mehrzahl Stammgäste. Wir kennen die Leute", schildert er. Wenn es denn eine neue Verordnung geben sollte, in welcher Form auch immer, würde er sich eher an 3G halten. "Wenn Touristen kommen, dann kann man ja immer noch nach einem Test fragen", sagt Alexander Klaus.

2G sei einfach praktisch nicht durchsetzbar. "Wir müssten ja ständig jemanden am Eingang stehen haben, der kontrolliert. Das geht einfach nicht", sagt er.

Was der Nachbar gegenüber aus der "Schwarzen Kunst" von den Corona-Regeln hält, lässt er auf Facebook wissen. Nicht mal 3G ist da eine Option, sondern jeder sei herzlich willkommen und werde von "gesundem Personal bewirtet".

Maik Pasora, Chef des Görlitzer Kartoffelhauses an der Steinstraße, will sich zu dem Thema gleich gar nicht äußern. Dafür aber die Dehoga Sachsen. Die Reaktionen des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes auf die Pläne der Landesregierung fallen eher zurückhaltend aus.

Axel Klein, Hauptgeschäftsführer der Dehoga Sachsen, fordert bereits einen Verzicht auf Masken und Abstand schon ab dem bestehenden 3G-Modell, das zusätzlich negativ Getesteten einen Zutritt etwa zum Restaurant ermöglicht.

Er möchte eine Rückkehr zur Normalität. "Wir brauchen in den Innenräumen in der Gastronomie wieder normale Abläufe, damit wir wieder auch unserem Geschäft normal nachgehen und unser Geld verdienen können", so seine Meinung und die der Dehoga.

Matthias Grall ist Chef der Craft-Bier-Brauerei Sudost an der Jakobstraße. Seit einiger Zeit gibt es hier nicht nur Bierspezialitäten, sondern auch ein Essensangebot. Das wird gerade von Schülern gern angenommen, schildert er. "Wie sollte denn das mit 2G funktionieren", fragt sich Matthias Grall. 3G, gut, damit könne er leben. "Aber 2G ist eindeutig zu kurz gesprungen und damit für uns keine Option", sagt er.

60 bis 80 Essen verkauft Sudost pro Tag. Das Geschäft laufe gut, auch die Brauerei funktioniere. "Viele kommen nach der Arbeit vorbei, trinken etwas oder nehmen sich einen Sechserpack mit", sagt Matthias Grall. Und auch er kann sich nicht vorstellen, dass sich jemand an den Eingang stellt, um zu kontrollieren, wer nun genesen oder geimpft ist.

Jörg Daubner von der Obermühle sieht es so: "Wir werden voraussichtlich die 3G- statt der 2G-Regelung anwenden. Auch mit tagesgenauem Test wird es dann möglich sein, bei uns einzukehren."

Andere Gastronomiebetriebe stellen mit Schildern klar, was sie von den neuen Regeln halten. Beispiel "Wirtshaus zur Altstadt", dessen Wirt für die AfD im Stadtrat sitzt. Das beruft sich auf das Hausrecht. "Sie sind als Mensch herzlich willkommen", heißt es auf einem Aufsteller vor dem Lokal. Damit sei alles gesagt.

Auch im "Löffelstübchen" in der Theaterpassage heißt man alle Gäste, egal welchen Status', willkommen. "Wir werden niemals kontrollieren und aussortieren. Dazu haben wir kein Recht und möchten das schlichtweg nicht", heißt es am Eingang. Es wird auch darauf hingewiesen: "Das Personal ist ungeimpft. Betreten auf eigene Gefahr."

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