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Demo fordert Alternativen von Stöcker

Kaufhaus ja, Abriss Postplatz 6 nein - so lautetet der Tenor einer Veranstaltung vorm Görlitzer City-Center.

Katrin Treffkorn und Valentin Hacke auf der Bühne: Sie moderierten die Demo gegen den Abriss Postplatz 6.
Katrin Treffkorn und Valentin Hacke auf der Bühne: Sie moderierten die Demo gegen den Abriss Postplatz 6. © Nikolai Schmidt

Hannes ist 2013 in das Haus Postplatz 6 eingezogen. Er gehört damit zur letzten Bewohner-Generation. Am Montag wird er den Schlüssel fürs Gebäude abgeben, an die Kaufhaus GmbH. "Wir waren zwei Jahre in Verhandlungen mit dem Eigentümer Ansgar Hillach", erzählt er am Freitagabend. Da findet eine Demo auf dem Platz der Friedlichen Revolution statt, gegen den Abriss der beiden Stadtvillen, gegen die Pläne des neuen Eigentümers Winfried Stöcker, der hier das City-Center-Parkhaus erweitern möchte. 

Die Verhandlungen von Hannes und seinen Mitstreitern haben am Ende nichts gebracht. Ein Immobilienmakler zahlte mehr. Und er verkaufte an Winfried Stöcker. "Gegen das Angebot hatten wir keine Chance", sagt Hannes. Es sei eine "eigentümliche Abschlussveranstaltung", sagt er über die Demonstration. Abschied von der "Stipo", der Stillen Post, nein eigentlich sei es noch keiner. Es gibt sie online, und um den Erhalt der beiden Häuser wird weiter gekämpft.

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Rund 150 Demonstranten vor dem City-Center

Um die 150 Demonstranten haben sich vor dem City-Center versammelt, eine kleine Bühne ist aufgebaut. Man kann eine Petition unterschreiben, sich Postkarten an den Oberbürgermeister mitnehmen, auf denen sich gegen den Abriss der beiden denkmalgeschützten Gründerzeithäuser gerichtet wird. Die zugehörige Petition gibt es auch im Internet. "200 Leute haben schon unterschrieben. Da war die Petition gerade einmal 48 Stunden online", schildert Katrin Treffkorn, SPD-Vorsitzende in Görlitz und Organisatorin der Demo. Sie freue sich über dieses Engagement.

Die Demonstration ist friedlich. Viele junge Leute sind gekommen, viele mit kleinen Kindern. Die Maskenpflicht wird durchweg eingehalten. Die Polizei steht mit vier Einsatzwagen bereit, hält sich aber komplett zurück.

Es sind vor allem Erinnerungen, die auf der improvisierten Bühne vorgetragen werden. Und es werden viele Parallelen gezogen, zum Wilhelmstheater, das dem City-Center weichen musste. Michael Prochnow war SPD-Stadtrat. Und er war damals gegen den Abriss des Wilhelmstheaters, heute gegen den Abriss Postplatz 6. "Der Verein Via Regia war dort drin", erinnert er sich. Die Gebäude seien schon immer Orte für "temporäre Nutzung" gewesen. "Für Leute, die sich ausprobieren wollten", so Michael Prochnow.

Parallelen zum Abriss Wilhelmstheater

Es gebe für jedes Problem eine Lösung, auch für den geplanten Abriss. "Man muss darüber nachdenken, was man machen kann, mit Leuten reden, die sich mit so etwas auskennen", sagt Michael Prochnow. Es gebe bestimmt eine alternative Lösung.

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Kaufhaus beleben ja, auf jeden Fall, aber Postplatz 6 gleichzeitig erhalten - das ist der Tenor der Demo. So sieht es auch Tinko-Fritsche Treffkorn, der in Görlitz Kultur und Management studierte. 1999 zog er in die Stipo ein. "Unters Dach", wie er sagt. Entgegen anderer Darstellungen heute sei damals auch Miete gezahlt worden, betont er.  Es habe eine Vereinbarung mit dem Eigentümer gegeben. Bis 2001 blieb Tinko-Fritsche Treffkorn. "Wir sollten den Protest gegen den Abriss zum Anlass nehmen, um ins Gespräch zu kommen", sagt auch er. Der Abriss des Wilhelmstheaters sei ein großer Fehler gewesen, der sich nun nicht wiederholen dürfe. 

Nach gut einer Stunde geht die Demo zu Ende, so friedlich wie sie begann und mit Musik.

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