SZ + Görlitz
Merken

"Digitaler Stadtgutschein für Görlitz kommt"

Kaum ging es mit dem Handel etwas bergauf, kam die vierte Corona-Welle und mit ihr 2G. Der Aktionsring Görlitz kämpft um Kunden und hat einen Plan.

Von Matthias Klaus
 4 Min.
Teilen
Folgen
Frank Reimann, Geschäftsinhaber und Vorstand im Händlerverein Aktionsring, setzt auf die Digitalisierung des Innenstadthandels.
Frank Reimann, Geschäftsinhaber und Vorstand im Händlerverein Aktionsring, setzt auf die Digitalisierung des Innenstadthandels. © Pawel Sosnowski

Der Online-Handel erlebt ungeahnte Höhenflüge, gerade in Corona-Zeiten. Haben die traditionellen Innenstadthändler dem noch etwas entgegenzusetzen? Ja, sagt Frank Reimann vom Aktionsring. Der Görlitzer Händlerverein setzt auf Digitalisierung in der Innenstadt und das Verbindende von Handel, Gastronomie und Hotellerie. Die SZ sprach darüber mit dem Vereinsvorstand.

Herr Reimann, Sie sind selbst Inhaber eines Musikfachgeschäftes. Wie läuft es denn?

Wir haben nur von 13 bis 17 Uhr geöffnet, mehr lohnt sich nicht. Ansonsten nach terminlicher Vereinbarung, die Kunden nehmen das Angebot dankend an.

Wie hat 2G den Innenstadthandel verändert?

Das ganze Jahr 2021 war ein schwieriges, mental, geschäftlich, für Inhaber und Mitarbeiter. Es gab Branchen, systemrelevante, die sind gut durchgekommen, bis zu 2G.

Speziell das Vorweihnachtsgeschäft war wohl dieses Jahr ein schweres?

Nach dem Gefühl, es geht wieder bergauf, kam mit 2G die Katastrophe. Händler mussten zusätzliche Aufgaben übernehmen, es entstanden zusätzliche Kosten - und das alles bei einer niedrigeren Kundenfrequenz. Unter 2G-Bedingungen gehen die Kunden nicht einfach mal bummeln in den Geschäften und shoppen, sondern kaufen konzentriert einen bestimmten Artikel, Versorgungseinkäufe eben. Es herrscht weniger Kauflust, mehr Kauffrust.

Sie sprachen von einer niedrigeren Kundenfrequenz. Wie hoch sind die Verluste?

Schätzungsweise rund 30 bis 40 Prozent weniger Kunden branchenübergreifend gegenüber 2019.

Ist es unter diesen Umständen nicht schwierig, die Mitarbeiter zu motivieren?

Ja, das ist sehr schwierig geworden. Viele haben einen umsatzabhängigen Lohnanteil. Unter den derzeitigen Umständen fehlt mitunter dann Geld am Monatsende. Natürlich gibt es das Kurzarbeitergeld, ein ganz wichtiges Instrument. Wir haben versucht, so weit wie möglich aufzustocken, um die Mitarbeiter zu halten. Aber auch dieses Geld muss erst einmal da sein.

Gab es denn in der Stadt schon Fälle, in den Läden wegen der aktuellen Situation schließen mussten?

Es gab etliche Fälle. Und es gibt einige Läden, die die Nach-Corona-Zeit nicht erleben werden.

Was kann der Händlerverein Aktionsring tun um zu helfen?

Auf jeden Fall stecken wir den Kopf nicht in den Sand. In den vergangenen Monaten haben wir das Thema Digitalisierung der Innenstadt vorangetrieben. Es wird eine digitale Gutscheinkarte geben, den Stadtgutschein. Den haben wir technisch bereits auf den Weg gebracht und er wird 2022 implementiert.