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Warum nicht mehr Kunden aus Polen kommen

Im Nachbarland gelten zwar strenge Beschränkungen wegen Corona für Geschäfte. Aber Görlitzer Händler profitieren nicht davon.

Georg Schwind, hier ein Archivbild, im Geschäft. Mehr polnische Kunden wegen Corona? Fehlanzeige.
Georg Schwind, hier ein Archivbild, im Geschäft. Mehr polnische Kunden wegen Corona? Fehlanzeige. © nikolaischmidt.de

Mehr Kundschaft aus Polen? Fehlanzeige. In der Görlitzer Innenstadt kaufen trotz der verschärften Regelungen im Nachbarland nicht mehr Menschen ein, als in Vor-Corona-Zeiten. Eher im Gegenteil. 

Georg Schwind, Inhaber des Modehauses Schwinds Erben in der Görlitzer Innenstadt, versteht das. Er hat zwar polnische Stammkunden. Aber einen Zuwachs an Einkaufswilligen aus dem Nachbarland registriert er derzeit nicht und hat auch eine Begründung dafür. "Restaurants, Theater, alle haben geschlossen. Aber die Menschen erwarten heute ein Einkaufserlebnis, nicht nur einfach nur einkaufen", sagt er. Deshalb sei die Kundenfrequenz in der Innenstadt derzeit auch am Boden. "Zudem ist die Verunsicherung der Kunden groß", sagt Georg Schwind. 

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Verunsicherte Kunden in Polen

Dabei sind die Einschränkungen für Kaufwillige im Nachbarland durchaus heftig. Mit Stand vom Donnerstag gilt im Nachbarland laut Auswärtigem Amt unter anderem dies: Restaurants sind grundsätzlich geschlossen, nur Mitnahme- und Lieferservice ist erlaubt. In Läden und Poststellen bis zu 100 Quadratmetern  dürfen sich höchstens fünf Kunden pro zehn Quadratmetern gleichzeitig aufhalten. Ab 100  Quadratmetern  ist die maximale Kundenzahl auf eine Person auf 15 Quadratmeter begrenzt. In den Einkaufszentren sind nur noch Lebensmittelgeschäfte, Apotheken, Drogerien und Dienstleistungsanbieter geöffnet.

Montags bis freitags zwischen 10 und 12 Uhr ist in Polen Senioren das Einkaufen in Lebensmittelgeschäften, Drogerien und Apotheken vorbehalten. Und: Ältere Menschen  über 70 dürfen ihre Wohnung "nur mit dem Ziel der dienstlichen oder beruflichen Tätigkeit, für unbedingte Bedürfnisse des täglichen Lebens und zur Teilnahme an religiösen Veranstaltungen verlassen", so das Auswärtige Amt.

Beste Voraussetzungen also für einen Einkaufsbummel diesseits der Neiße, sollte man meinen. Dem ist aber nicht so. "Es gibt in den  Geschäften der Görlitzer Innenstadt keine verstärkte Nachfrage von Kunden aus Polen", hat Frank Reimann vom Händler Aktionsring Görlitz erfahren. 

Strengere Regeln im Nachbarland

Das bestätigt auch Kathrin Horschig. Sie ist Chefin des Schuhhauses Leiser am Görlitzer Postplatz. "Es kommen nicht mehr polnische Kunden als sonst", schildert sie. Gerade am polnischen Unabhängigkeitstag am 11. November hätten sonst sie und ihre Kolleginnen alle Hände voll zu tun gehabt. Das war in diesem Jahr nicht der Fall. "Es war ein Tag wie jeder andere", so Kathrin Horschig. Lange, findet sie, dürfe die Situation mit den Corona-Beschränkungen nicht anhalten - ohne das der Einzelhandel Schäden davontrage.

Anders sieht es Sevket Demir, Centermanager des Neißeparks im Görlitzer Norden. "Wir merken das erhöhte Aufkommen an polnischen Kunden", sagt er. Gerade am Feiertag sei das zu spüren gewesen. Vielleicht war das ja aber auch eine Reaktion auf die weitgehend geschlossenen Einkaufsmärkte im Nachbarland.

In der Görlitzer Innenstadt sind Görlitzer Händler derweil von einer Kundenflut aus Polen weit entfernt. Beispiel C & A. "Die Kundschaft ist verunsichert", formuliert es Oliwia Klakowska, die Chefin der hiesigen Filiale ähnlich wie ihr Kollege Georg Schwind. Viele Polen wüssten gar nicht, hat sie erfahren müssen, dass sie einfach so über die Grenze kommen können. 

Unklarheiten über Einreisebestimmungen

Polen verzeichnet einen starken Anstieg der Corona-Zahlen. In inzwischen allen Woiwodschaften Polens beträgt die Inzidenz weit mehr als 50 Fälle auf 100.000 Einwohner pro sieben Tage, so das Auswärtige Amt. Das Land ist grundsätzlich in gelbe und rote Zonen je nach Anzahl der Infektionen eingeteilt, in denen unterschiedliche Einschränkungen gelten. Das gesamte Land ist derzeit allerdings in der roten Zone. 

Das schafft bei den Nachbarn offensichtlich auch Ungewissheiten in Sachen Ausreise, vor allem zum Einkaufen.  "Manche Polen denken, dass sie in Quarantäne müssen, wenn sie nach Deutschland kommen", sagt Oliwia Klakowska. Außerdem gibt es Unklarheiten darüber, wann und wo hierzulande eine Maske getragen werden muss. "Ein Großteil unserer polnischen Kunden ist uns derzeit weggebrochen", so die Görlitzer C & A -Chefin. Im Nachbarland, findet sie, wurde einfach nicht richtig darüber informiert, was man bei der Einreise nach Deutschland darf und was nicht. 

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