merken
PLUS Görlitz

Görlitz: Steht die neue Oberschule vor dem Aus?

Enorm gestiegene Kosten, Fördermittelrückgabe – was das für das Großprojekt im Görlitzer Schlachthofgelände bedeuten könnte.

Das leer stehende Haus Rauschwalder Straße 73 soll saniert und dann Teil der neuen Oberschule werden.
Das leer stehende Haus Rauschwalder Straße 73 soll saniert und dann Teil der neuen Oberschule werden. © nikolaischmidt.de

Die Görlitzer Oberschulen platzen aus allen Nähten. Die Leiter wissen nicht mehr weiter. „Wir sind als einzügige Oberschule geplant, für 250 Kinder. Aber 400 haben wir inzwischen“, sagt Frank Dörfer, Leiter der Scultetus-Oberschule. „Wir können nächstes Jahr nicht mehr drei fünfte Klassen neu aufnehmen. Ich bin ratlos.“

Eigentlich hatten er und seine drei anderen Görlitzer Oberschul-Kollegen gehofft, dass 2021 die lange versprochene neue Oberschule in der westlichen Innenstadt fertig ist. Dort hätte man mindestens zwei neue fünfte Klassen einschulen können, die Zahlen geben das her. Denn seit 2013 sind die Schülerzahlen in Görlitz stets gestiegen – um ganze 20 Prozent. Nicht nur wegen Kindern aus Flüchtlingsfamilien oder vielen zugezogenen Polen – nein auch wegen der Industrie, die sich hier in den vergangenen Jahren angesiedelt und junge Familien mitgebracht – oder auch den Wegzug etwas ausgebremst hat.

Anzeige
Dresdner Christstollen genießen
Dresdner Christstollen genießen

Kommen Sie in Weihnachtsstimmung mit hauseigenen Spezialitäten der Fürstenbäckerei Matzker!

Den dringenden Bedarf für eine neue Schule hatten auch Stadtverwaltung und Stadtrat lange erkannt. Containerlösungen wie in Königshufen und Rauschwalde oder die zusätzlichen Angebote wie Waldorfschule oder Freie Evangelische Oberschule können die vielen Schüler nicht abfangen.

Seit Sommer 2018 arbeitet nach der Oberschule Rauschwalde auch die Scultetus-Oberschule mit Containern, weil der Platz im Schulhaus nicht mehr reicht.
Seit Sommer 2018 arbeitet nach der Oberschule Rauschwalde auch die Scultetus-Oberschule mit Containern, weil der Platz im Schulhaus nicht mehr reicht. © nikolaischmidt.de

Seit 2015 ist deshalb eine neue Schule im Gespräch. Beim Neujahrsempfang 2017 hatte der damalige OB Siegfried Deinege sie als neues Vorzeigeprojekt vorgestellt. Nach langer Suche war letztlich auch klar, wo sie entstehen soll: auf dem ehemaligen Schlachthofgelände, Teil der Schule wird das Gebäude Rauschwalder Straße 73 - vorrangig für die Verwaltung. Dahinter ist der eigentliche Schulbau geplant – ein Neubau. So brachte es der Stadtrat letztlich im März 2019 auf den Weg. Als Teil des großen Brautwiesenbogens, der mit vielen Fördermillionen aus dem Efre-Topf die Innenstadt West wesentlich aufwerten soll.

Mit anderen möglichen Standorten beschäftigen

Doch inzwischen hat sich die Euphorie über die neue, die fünfte Oberschule für Görlitz gelegt. Am vergangenen Donnerstag räumte Bürgermeister Michael Wieler im Stadtrat ein, dass es ganz sicher nichts wird mit einer Eröffnung im Sommer 2022. Daran hängt auch eine Rückgabe der Efre-Fördermittel von etwa drei bis vier Millionen Euro. Dieses Geld war für den Altbau bestimmt. Doch diese Millionen hätten exakt bis Juni 2022 verbaut sein müssen. „Für dieses Datum können wir nicht die Verantwortung übernehmen“, erklärte Wieler im Stadtrat. Kein Tag Bauverzug unter den derzeitigen Bedingungen? Nahezu unmöglich. Bürgermeister Wieler sagt auf SZ-Nachfrage, dass sich daraus „keine Änderung des Gesamtprojektes“ ergebe, weil die Efre-Gelder ja ursprünglich vorgezogene waren und der Altbau nun eben parallel zum Neubau ausgeführt werde. „Diesen Anteil können wir mit in die neue Efre-Periode nehmen.“

Stadtrat Gerd Weise, zugleich Vorsitzender der Görlitzer CDU, der im Stadtrat nachgefragt hatte, sieht hingegen die Felle davonschwimmen und glaubt nicht mehr an die neue Oberschule. „Wir haben innerhalb von fünf Jahren nichts geschafft für diese so dringend benötigte neue Oberschule“, sagt er gegenüber der SZ. Er sei bitter enttäuscht, verstehe nicht, warum nichts passiert. „Wir können die Klassen nicht noch voller machen, wir müssen Druck rausnehmen“, sagt er.

So schnell wird das aber nicht passieren. Die Stadt spricht mittlerweile von 2024. Michael Wieler will in diesem Fall nicht alles sagen, bestimmte Dinge müssten erst mit den Stadträten besprochen werden. Die gestiegenen Kosten für den Standort Schlachthofgelände bestätigt er, eine ganze Reihe von Gründen gebe es dafür. Doch um wie viel genau teurer alles werden soll, möchte er nicht sagen.

Blick von der Rauschwalder Straße aus auf das angedachte Areal für den neuen Schulkomplex in der Innenstadt West.
Blick von der Rauschwalder Straße aus auf das angedachte Areal für den neuen Schulkomplex in der Innenstadt West. © nikolaischmidt.de

Er räumt aber ein, dass eine „gewisse Unsicherheit immer dabei sei“, solange es noch keinen Fördermittelbescheid gebe. Wie zuverlässig die neue Efre-Periode ist? Das weiß keiner so genau. Gerd Weise jedenfalls sagt: „Keiner weiß, wann das kommt und wie dann der städtische Haushalt aussieht.“ Und er erinnert an die vielen Schulen, denen die Stadt auch noch ihre Sanierung versprochen hat: Königshufen, der Innenstadt-Schule, der Melanchthon-Schule. „Wenn wir nicht in die Schulen und die Bildung investieren: Wer kommt dann zu uns? Wir wollen IT-Standort sein und Wissenschaftsstandort werden. Dann müssen die Bedingungen für Familien aber auch stimmen.“ Weise fürchtet, dass die Stadt mit der neuen Oberschule nun bei null beginnen muss.

So ganz widerlegen kann das Michael Wieler nicht, spricht von den weiteren Alternativen, die es ja immer noch gibt. Wenn sich die Kosten für das Schlachthofgelände derart nach oben entwickeln, gehöre es dazu, den Stadträten die Alternativen noch einmal aufzuzeigen. Die Schulleiter waren nie Fans vom geplanten Standort, sie würden eine neue Schule gern auf der grünen Wiese in Königshufen sehen. Doch die Stadtplaner haben bis jetzt auf Innenstadtbelebung gesetzt.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Görlitz