merken
PLUS Görlitz

Koweg-Auftakt offenbart das Hauptproblem

Zu viele personelle Ausfälle sind für den kleinen Kader der Görlitzer Handballmannschaft nicht zu verkraften – erst recht nicht gegen ein Spitzenteam.

Der körperlich große Matyas Burda netzte in seinem ersten Spiel für Görlitz viermal ein.
Der körperlich große Matyas Burda netzte in seinem ersten Spiel für Görlitz viermal ein. © H.-E.Friedrich

Das erste Saisonspiel nach der langen Corona-Pause haben die Sachsenliga-Handballer des SV Koweg Görlitz gegen den Ligafavoriten ZHC Grubenlampe mit zu Hause vor einer ungewohnt kleinen, aber stimmungsvollen Kulisse mit 24:28 verloren, trotz einer kämpferisch starken Leistung.

Drei Ausfälle im ersten Spiel

Übel genommen hat das den Görlitzern in der mit 169 Zuschauern (hielten sich vorbildlich an alle Auflagen) unter Corona-Bedingungen fast ausverkauften Jahnsporthalle niemand. Zu offensichtlich waren die Probleme der Görlitzer schon beim Einlauf. Nur zehn Feldspieler konnten aufgeboten werden, darunter mit Curd Mautsch, Torsten Schramm und David Fischer drei noch völlig unerfahrene Spieler (von denen Fischer in den letzten 15 Minuten ein paar Einsätze als Kreisläufer bekam). Auch Marc Rechner, der sich eigentlich schon vor der vergangenen Saison vom leistungsorientierten Handball zurückgezogen hatte, war reaktiviert worden, um die Lücken am Kreis und in der Abwehr helfen zu schließen. Dafür konnte Kai Vogt, der vor allem in der Abwehr als Mittelblock schmerzlich vermisst wurde, nur das Trikot mit dem C (Co-Trainer) überziehen. Und auch zwei der drei tschechischen Neuzugänge (Jiri Kalik und David Karlovic) fehlten wegen einer Verletzung und einer Quarantäne. Die Chancen auf einen Sieg über den Ligafavoriten waren so von vornherein minimal.

Anzeige
Sichere App für Nachverfolgung
Sichere App für Nachverfolgung

Die Regeln für die Besucher von öffentlichen Einrichtungen wurden verschärft. Die App "Pass4all" bietet für sie und die Anbieter eine ideale Lösung.

Kaum Wechsel während des Spiels

Die Görlitzer spielten nahezu mit sieben Feldspielern durch, vier davon standen durchgängig auf der Platte: der überragende Rückraumschütze Aurelius Stankevicius, der tschechische Rückraum-Neuzugang Matyas Burda und die Außen Martin Adam und Kevin Wittig. Fabrice Türkowski, der fast nur im Angriff spielte, wechselte sich mit Florian Höhne auf der Spielmacherposition ab, wobei Höhne mit Marc Rechner auch als Kreisläufer fungierte. Dass die Görlitzer trotzdem zwei Minuten vor Schluss noch einmal an einem Punktgewinn schnupperten, ist angesichts dessen eine kleine Sensation.

Das Spiel begann gut für die Görlitzer, nicht nur wegen der schnellen 2:0-Führung nach zwei Stankevicius-Toren, sondern vor allem, weil der Zwickauer Rückraumriese Miskovic nach einem groben Foul an Höhne nach fünf Minuten schon mit Rot vom Feld musste – eine Waffe weniger für die Zwickauer, die aber trotzdem viel mehr Pfeile im Köcher hatten als die Gastgeber. Die konnten bis zur Pause (12:13) dran bleiben, dank eines starken Torwart Erik Michel, und dank der Einzelaktionen von Stankevicius und Burda, der sich auch von vier Fehlversuchen zu Beginn nicht beirren ließ und immer wieder den Weg zum Tor suchte.

Angriffslast auf zu wenigen Schultern

Was vor der Pause schon erkennbar war, wurde nach dem Seitenwechsel überdeutlich. Den Görlitzern gingen die Waffen aus. Kreisanspiele blieben die absolute Ausnahme, auch die Außen konnten kaum Torgefahr ausstrahlen. Die Zwickauer hatten sich auf Burda/Stankevicius eingestellt, immer wieder drohte den Görlitzern Zeitspiel. Und Tempogegenstöße nach Ballgewinnen blieben auch Mangelware. So zogen die spielerisch besseren Gäste davon, auf 15:20 (41.) und 20:26 (53.). Doch die Görlitzer gaben nie auf, kamen tatsächlich mit vier Toren in Folge auf 24:26 (57.) heran und hatten nach einem gehaltenen Ball von Michel die Chance auf den Anschlusstreffer. Aber da unterlief Stankevicius ein technischer Fehler. Die Gäste nahmen eine Auszeit und sorgten mit dem nächsten Treffer für die Entscheidung, zumal Stankevicius dabei eine Strafe kassierte.

Diese Niederlage sollte die Görlitzer nicht entmutigen. Aber die Baustellen sind überdeutlich geworden: Der Kader ist zu klein, die Rückraumspieler brauchen Entlastung, für die Kreisläuferposition muss eine Lösung her, damit die Torgefahr von dort größer wird und sich eher Lücken für den schnellen Türkowski ergeben. Und das Zusammenspiel insgesamt, auch die Abstimmung in der Abwehr, hat zu oft noch nicht funktioniert. Auch das war nach dem großen Umbruch im Kader aber auch nicht anders zu erwarten. Kommende Woche geht es nach Zwönitz. Da sollten eher Punkte her.

Koweg: Michel, Rohne, Matthieu – Adam (1), Mautsch, Fischer, Höhne (5/2), Stankevicius (8), Schramm, Türkowski (3/2), Burda (4), Rechner, Wittig (3)

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier

Mehr zum Thema Görlitz