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Görlitzer suchen den besten Schinken der Welt

Carsten Osterburg und Peter Gaida haben Spanien auf ungewöhnliche Art bereist. Und ein Buch darüber geschrieben.

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Von Ingo Kramer

Görlitz. Für Peter Gaida ist es kein Widerspruch: „Wenn man so seriöse Berufe hat wie wir, dann kann man in seiner Freizeit das komplette Gegenteil machen“, sagt der studierte Mathematiker, der sich bei einem Görlitzer Unternehmen um Finanzsoftware kümmert. Sein Kompagnon Carsten Osterburg arbeitet in einer Tagesklinik in der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Im richtigen Leben gehen sie eher seriösen Berufen nach.
Im richtigen Leben gehen sie eher seriösen Berufen nach. © Nikolai Schmidt

Gemeinsam haben sich die beiden Görlitzer aufgemacht, um den besten Schinken der Welt zu finden. Allerdings nicht einfach irgendwie, sondern in knallbunter Touristenmontur, grellen Hemden, Socken in Sandalen, rotem Stoffbeutel, viel zu großem Strohhut und kaputten Jeans. Diese Optik sei Zufall gewesen, erklären beide im Nachhinein. Sie haben sich im Vorfeld der Reise einfach keine Gedanken darüber gemacht. Auch sonst haben sie wenig geplant. „Und dann haben wir in Spanien schon am ersten Tag so viel erlebt, dass Carsten angefangen hat, das zu dokumentieren“, erinnert sich Peter Gaida an jene Julitage des Jahres 2014. So sei der Gedanke gekommen, daraus ein Buch zu machen, sagt der 29-Jährige. Carsten Osterburg hat den Auslöser für das Buch ein wenig anders in Erinnerung: „Das Ausschlaggebende war dieser Bahnhof im Nirgendwo. Der war der Höhepunkt der Reise“, sagt der 33-Jährige.

Gemeint ist der Bahnhof von Villanueva de Córdoba los Pedroches, der sich zwölf Kilometer von dem Städtchen entfernt in menschenleerer Landschaft befindet. Das aber ahnten die beiden Görlitzer vorher nicht. Als sie aus dem Zug stiegen, waren sie erst einmal entsprechend schockiert – und hatten keine Ahnung, wie sie in den Ort kommen, von dem sie glaubten, dass es dort den besten Schinken der Welt gibt.

Ob das gelang, sei an dieser Stelle nicht verraten. Fakt ist jedoch: Die beiden haben viel Spaß an gründlicher Selbstironie, machen sich in ihrem Buch „Die Schinkenreise“ abwechselnd über die eigene Kleidung und die schlechten Sprachkenntnisse lustig, darüber hinaus über die Ticks des jeweils anderen, die unzähligen Postkarten, die Carsten täglich schreibt, über dessen Farbenblindheit oder über Peters mangelnden Orientierungssinn. „Wenn man sich selbst humorvoll betrachtet, kann man auch die Welt so sehen“, sagt Carsten Osterburg. Das sei generell sein Erzählstil: „Da muss man sich nichts ausdenken.“

Er hat letztlich den Großteil der Texte in dem Buch geschrieben, während sich Peter Gaida mehr um das Marketing kümmert, einen Verlag gefunden und die gesamte Kommunikation mit diesem übernommen hat. Peter Gaida, der übrigens in keiner Weise mit dem gleichnamigen früheren Landskron-Kulturmanager und späteren Restaurantbetreiber verwandt ist, hat früher einmal Gedichte geschrieben. Ansonsten haben die beiden keinerlei Vorerfahrung im Schreiben. Es sei aber nicht schwer gewesen, die 238 Seiten nach Gedächtnisprotokoll und Notizen zu schreiben. „Alles, was wir aufgeschrieben haben, ist wirklich so passiert“, sagt Carsten Osterburg. Insofern sei „Die Schinkenreise“ kein Reiseroman, sondern ein Reisebericht.

An dem hatten sie so viel Spaß, dass sie mittlerweile an ihrem zweiten Buch arbeiten – über eine gemeinsame Reise nach Schottland im Sommer 2015. „Und dieses Jahr werden wir die deutschen Zipfelorte bereisen und schauen, welche Dinge wir finden, die nicht im Reiseführer stehen“, sagt Peter Gaida. Bevor es so weit ist, wollen sie jedoch Lesungen zur „Schinkenreise“ veranstalten. Die erste findet am morgigen Freitag, 19.30 Uhr, in der Comenius-Buchhandlung statt. Der Eintritt ist frei.

Carsten Osterburg & Peter Gaida: „Die Schinkenreise“, edition fischer, 238 Seiten, ISBN 978-3-86455-035-5, Preis: 12,80 Euro (als E-Book 9,99 Euro)