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Grenzenlose Freundschaft

Zwei Mädchen aus der BRD und der DDR lernen sich über einen Luftballon kennen. Ihre Story wird in Proschwitz erzählt.

Freundinnen fürs Leben: Anke Behrendt (49) aus Lommatzsch und Stefanie Wally (48) aus Heidelberg werden häufig für Schwestern gehalten. © dpa

Von Sophie Förster

Meißen. Es ist eine Geschichte, die wie ausgedacht klingt. 1976 schickt die damals sechsjährige Stefanie Wally einen gelben Luftballon mit einer Postkarte in Heidelberg los. Dieser landet drei Tage später in Dennschütz bei Lommatzsch, wo ihn die gleichaltrige Anke Behrendt findet. Sie antwortete auf die Postkarte, die mit einer Adresse versehen war. Es entsteht eine Brieffreundschaft, welche trotz der trennenden Mauer und des fehlenden persönlichen Kontakts bis heute trägt und hält.

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Alexandra Prinzessin zur Lippe kennt diese Geschichte. Sie geht der Journalistin mit ihrer von Erfahrungen in beiden Teilen Deutschlands geprägten Biografie nahe. 2017 berichtet Alexandra Prinzessin zur Lippe im Deutschlandfunk über die Autorin Stefanie Wally. Diese hat mittlerweile ein Buch über die ungewöhnliche Freundschaft geschrieben. In „Akte Luftballon“ berichtet sie von ihren Erlebnisse vor der Einheit der Bundesrepublik Deutschland und wie sie durch Schicksal, wie sie es selbst nennt, ihre Freundin Anke Behrendt kennenlernte. Am 24. März wird Stefanie Wally auf Schloss Proschwitz aus „Akte Luftballon“ lesen. Dann wird es auch darum gehen, wie der Austausch der beiden Briefpartnerinnen von der Stasi argwöhnisch beobachtet und kontrolliert wurde. Ihre Akten haben beide mittlerweile einsehen lassen, obwohl sie sich lange Zeit nicht dazu überwinden konnten.

„Wir pflegen noch regelmäßigen Kontakt und haben uns nie aus den Augen verloren“, sagt Stefanie Wally. Den Anstoß, die Ost-West-Geschichte in einem Buch festzuhalten, beschreibt die mittlerweile in Karlsruhe lebende Autorin so: „Ich wollte Anke damit etwas zurückgeben und habe unsere Briefe und Erlebnisse niedergeschrieben und sie ihr geschenkt“.

Kurze Zeit später beschlossen beide, dass sie damit an die Öffentlichkeit gehen müssten. „Erst war ich unsicher, da ich ja keine Autorin war“ erzählt Wally. Mit einer professionellen Beurteilung ihrer Idee und der Unterstützung des Elisabeth Sandmann Verlags veröffentlicht sie 2016 ihr Buch „Akte Luftballon“. Seitdem hält sie Lesungen und Workshops zum Ost-West-Dialog, unter anderem in Schulen ab, wo das Thema gerade im Geschichtsunterricht sehr gut angenommen wird. „Dreißig Jahre nach dem Mauerfall, machen wir eher wieder Rückschritte“, sagt Stefanie Wally. Es habe Zeiten mit weniger Vorurteilen gegenüber Ost und West und allem Fremden gegeben. Gerade unter jungen Menschen sei es wichtig, das Wissen über das geteilte Deutschland wach zu halten. Dadurch entstehe ein Bewusstsein dafür, dass Freiheit nicht als selbstverständlich hingenommen werden kann.

Aus dem Buch entstand ein gleichnamiges Theaterstück. Die gelernte Schauspielerin Stefanie Wally, die seit zehn Jahren in Pforzheim schauspielert, verkörpert sich selbst als „Sabine“, das Mädchen aus dem Westen. Die Rolle der Anke Behrendt, alias „Katja“, wird von der aus der DDR stammenden Schauspielerin, Annelie Eichhorn-Pezzi gespielt.

Am 24. März findet auf Schloss Proschwitz aus Anlass des 30. Jahrestages des Mauerfalls eine Lesung von „Akte Luftballon“ statt. Durch die lebhafte Inszenierung der Zeitzeugin, welche aus der Sicht des West-Mädchens berichtet, und die musikalische Untermalung des Pianisten Paul Taube mit Musik der 70er und 80er Jahre wird es eine spannende und emotionale Veranstaltung für Besucher jedes Alters.

Der Eintritt kostet für Erwachsene acht Euro und für Schüler vier Euro. Karten können bereits im Vorverkauf über das Schlossbüro (Tel. 03521-406070) erworben werden. Der Einlass beginnt 15.30 Uhr.