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Großalarm in Postzentrum

Aus einem Paket trat Ammoniak aus. 50 Feuerwehrleute und Spezialkräfte waren stundenlang vor Ort.

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© Thorsten Eckert

Von Nadine Steinmann und Jens Fritzsche

Ottendorf-Okrilla. Sirenengeheul, Blaulicht, heraneilende Einsatzkräfte. Am frühen Mittwochmorgen, 5.20 Uhr, ging bei der Feuerwehr ein Notruf aus Ottendorf-Okrilla ein. Dieser kam aus dem Post-Verteilzentrum im Gewerbegebiet direkt an der Autobahn. Grund: Aus einem der Pakete, das in einem sogenannten Wechselbehälter lagerte, waren eine undefinierbare Flüssigkeit sowie ein stechend, beißender Geruch ausgetreten. Die Logistiker vor Ort alarmierten sofort die Leitstelle. Neben Einsatzkräften der Feuerwehr Ottendorf-Okrilla, Medingen, Wachau, Wilthen, Bautzen und Frankenthal waren auch Bautzener Spezialisten für Gefahrgut im Einsatz. Sie waren laut Stadtverwaltung Bautzen mit zwei Fahrzeugen und sieben Mann angerückt.

Nach Angaben einer Postsprecherin konnte der überwiegende Teil der Pakete bearbeitet und ausgeliefert werden.
Nach Angaben einer Postsprecherin konnte der überwiegende Teil der Pakete bearbeitet und ausgeliefert werden. © Thorsten Eckert
Auf dem Gelände des Paketzentrums in Ottendorf-Okrilla stehen viele dieser sogenannten Wechselbehälter.
Auf dem Gelände des Paketzentrums in Ottendorf-Okrilla stehen viele dieser sogenannten Wechselbehälter. © Thorsten Eckert
In Schutzanzügen räumten die Feuerwehrkräfte gut 400 Pakete aus einem Container.
In Schutzanzügen räumten die Feuerwehrkräfte gut 400 Pakete aus einem Container. © Thorsten Eckert

Der betroffene Behälter wurde umgehend auf einen separaten Platz auf dem Hof des Verteilzentrums abgestellt. Diesen Bereich sperrte die Feuerwehr auch weiträumig ab, wie Einsatzleiter Jaque Klimpel von der Feuerwehr Medingen erläutert. Eine Evakuierung des Paketzentrums beziehungsweise der Mitarbeiter sei aber nicht nötig gewesen – obwohl es noch am Morgen entsprechende Meldungen von einer Räumung des kompletten Verteilzentrums gegeben hatte.

Dann öffneten die Feuerwehrleute den Container. Mit dabei die Medinger Aktiven um Jaque Klimpel. Sie gehören seit Juli 2008 zum sogenannten Gefahrgutzug Süd des Landkreises Bautzen. Zu ihren Aufgaben gehört die Dekontamination von Personen- und Einsatzkräften, die mit biologischen, chemischen oder atomaren Stoffen in Berührung gekommen sind. In Schutzanzügen und mit Atemschutzmasken ausgestattet, räumten die Spezialkräfte vor Ort den betroffenen Container mit den rund 400 Paketen leer, um der Ursache für den Geruch auf den Grund zu gehen. Jedes Paket musste dabei einzeln geöffnet werden. Mit dieser Öffnung begannen die Spezialkräfte dann gegen 9 Uhr. Rund zweieinhalb Stunden später teilte das zuständige Landratsamt mit, dass die Hälfte der Pakete untersucht sei – aber bis dahin leider ohne Erfolg und ohne ein nennenswertes Ergebnis. Eine in der Zwischenzeit von Radiosendern verbreitete Mitteilung, bei der Flüssigkeit habe es sich um Tauwasser gehandelt, das mit einem nach wie vor unbekannten Stoff aus einem der Pakete in Berührung gekommen sei, konnte Einsatzleiter Jaque Klimpel allerdings nicht bestätigen. „Von uns stammt diese Information jedenfalls nicht“, machte er klar. Und erklärte auch, warum die Suche nach der Ursache so lange dauert: „Es ist eine sehr beschwerliche Arbeit, allein durch die Schutzanzüge und die Atemmasken.“ Die Spezialkräfte lagerten die Pakete nach und nach, eines nach dem anderen, vom betroffenen Container in einen anderen um.

Einzelne Pakete kommen später

Eines war aber bereits am Morgen klar: Verletzte gab es bei dem Vorfall in dem Ottendorfer Gewerbegebiet zum Glück nicht. Und auch das wurde klar: Aufgrund der langen Untersuchungen sei es durchaus möglich, dass einzelne Pakete am Mittwoch nicht mehr ausgeliefert werden können, wie DHL-Sprecherin Anke Blenn auf Nachfrage der Sächsischen Zeitung deutlich machte. Der überwiegende Teil der Pakete sei jedoch ohne Einschränkungen bearbeitet worden, fügte sie an. Mitarbeiter der Post hätten diese Pakete dann auch wie gewohnt an die Kunden ausgeliefert, so die Sprecherin weiter.

Am späten Nachmittag war dann endlich auch das Paket gefunden, das den Einsatz ausgelöst hatte. „In dem Paket war ein Bauteil mit Ammoniak“, so Einsatzleiter Jaque Klimpel zur SZ. Ammoniak ist ein hoch ätzender Stoff. „Das darf eigentlich auch nicht verschickt werden – wenn Postmitarbeiter ein solches Paket ausliefern und dabei Ammoniak austritt, kann das schwere Folgen haben“, beschreibt der Medinger Feuerwehr-Chef. Verätzungen von Haut und Luftwegen könnten die Folge sein.

Gegen 16.30 Uhr konnte der Einsatz dann beendet werden. Die insgesamt 50 Einsatzkräfte, die vor Ort waren, verließen das Gewerbegebiet wieder. Ob es für den Verursacher Konsequenzen geben wird, konnte Einsatzleiter Jaque Klimpel nicht sagen. „Das ist dann Sache zum Beispiel der Polizei“, sagte er.

DHL-Kunden, die auf Pakete warten, können unter folgender E-Mail-Adresse verfolgen, wo sich ihr Paket derzeit befindet:

www.dhl.de/de/paket/information/sendungsverfolgung.html