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Große Premiere bei den Brieftaubenzüchtern

Mit einem deutschlandweiten Aktionstag wollen Vereinsmitglieder für ihr besonderes Hobby werben. Auch aus dem Süden des Landkreises sind Taubenfreunde dabei.

© Jens Trenkler

Von Jens Trenkler

Für Frank Rätze und seine gefiederten Gefährten ist der kommende Sonntag etwas Besonderes – eine kleine Premiere. Dann nämlich öffnet der Rennersdorfer seinen Taubenschlag und bittet zum Blick hinter die Kulissen. Dass sein Hobby – die Brieftaubenzucht – und sein Verein dringend Nachwuchs brauchen, weiß er nur zu gut. Deshalb wird er als einer von vier Züchtern aus der Oberlausitz zwischen Bernstadt und Hainewalde zum Tag der offenen Tür einladen. Der Verein deutscher Brieftaubenzüchter hat deutschlandweit rund 35 000 Mitglieder. Einen Tag der offenen Tür organisiert der Verband dieses Jahr aber erstmals in seiner über 130-jährigen Geschichte. Das bestätigt auch Thomas Dümmermann vom Verband deutscher Brieftaubenzüchter auf Nachfrage.

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Einer der Züchter ist Frank Rätze aus Rennersdorf. In seinem blauen Arbeitskittel steht der heute 68-jährige Rentner auf seinem Hof an der Hauptstraße. Einige seiner Tauben haben es sich unterdessen auf dem Hausdach gemütlich gemacht und genießen die wärmende Sonne. Insgesamt 90 Tauben hat der Züchter derzeit, die für einen sogenannten Preisflug infrage kommen. Bevor die Tiere an solch einem Wettstreit teilnehmen können, vergeht allerdings auch eine Menge Zeit, und es gibt für den Züchter viel zu tun.

Im Mittelpunkt stehen dabei immer die Gesundheit und das Wohl der Tiere, berichtet Frank Rätze. So müssen die Taubenschläge regelmäßig gereinigt, die Tauben mit Wasser und Futter versorgt werden. „Wenn es den Tieren gut geht und die Witterung passt, kann ich dann Ende März oder Anfang April den Tauben die ersten Trainingsflüge zumuten. Es gehört wirklich viel Zeit zu solch einem Hobby“, erklärt er. Jetzt als Rentner haben er und seine Frau mehr Zeit für die Aufzucht und alle Nebentätigkeiten. „Vor dem Renteneintritt waren wir beide im Schichtdienst in einem Industriebetrieb der Region tätig. Da war die Zeit dafür schon oft recht knapp bemessen. Wenn wir zum Beispiel in die Spätschicht gegangen sind, mussten die Tiere bis Mittag versorgt sein“.

In der Reisevereinigung Oberlausitz, wie sich die Züchter der Oberlausitz nennen, seien derzeit 36 aktive Mitglieder, die sich um die Aufzucht kümmern und an Wettkämpfen teilnehmen, erzählt der Rennersdorfer. Hinzu kommen nochmals 18 passive Mitglieder. Frank Rätze betreibt dieses Hobby nun seit 15 Jahren und hat es keinen Tag bereut. Bereits als Kind hatte sich der Rennersdorfer für die Taubenzucht interessiert, für sich persönlich aber wegen der fehlenden Zeit verworfen. Seit die Tauben auf dem Hof sind, ist es mit den Urlaubsreisen vorbei. Dies sei allerdings kein Problem. „Es reicht ja, wenn die Tauben auf Reise gehen“, sagt er.

Und genau das werden die Tiere in den kommenden Monaten wieder verstärkt machen. So sollen zwischen dem 22. und 29. April gleich mehrere Vorflüge im Rahmen des Trainings durchgeführt werden. Die Tauben werden dann von Radeberg, Wurzen und Zeithain die Heimreise antreten. Eigens für den Transport der Tauben steht in Schönbach ein Laster bereit, welcher insgesamt 2000 Tauben in 96 Körben optimal befördern kann. Haben die Tiere diese Probe bestanden, geht es dann am 6. Mai zum ersten Preisflug der Saison. Dabei legen die Tiere mehrere Hundert Kilometer zurück, bevor sie wieder die Heimat erreichen. Wie Frank Rätze weiter ausführt, müsse man den Tieren allerdings auch genügend Erholungszeit einräumen. „Bei den Flugtauben sind die Kondition und das Gesamtverhalten meist erblich bedingt. Bei großen Wettbewerben am Ende der Saison legen die im Volksmund unter der „Brieftaube“ bekannten Tiere Strecken bis 700 Kilometer zurück.

Dass seine Vögel auch durchaus schnell sein können, weiß der Züchter: Sie erreichen Geschwindigkeiten bis 80 Kilometer in der Stunde. Probleme haben die Züchter in der Oberlausitz gerade im Frühjahr mit den Greifvögeln, die sich gern eine Taube als Beute aussuchen. Zu dieser Jahreszeit seien die Tiere zudem noch untrainiert und können nicht so schnell entkommen.

Den Tag der offenen Tür möchte der Rennersdorfer nutzen, um interessierten Leuten einmal einen Einblick in das interessante und vielseitige Hobby zu geben. Wer noch nie einen Taubenschlag von innen gesehen hat und mal mit einem Züchter ins Gespräch kommen möchte, ist daher an diesem Tag zwischen 12 und 16 Uhr ein gern gesehener Gast. Gern können die Neugierigen aber auch bei seinen Kollegen vorbeischauen, sagt er.

Hier ist im Süden des Landkreises an diesem Sonntag Tag des offenen Taubenschlages:

Familie Rätze, Hauptstraße 95, 02747 Rennersdorf

Mirko Kretschmer, Am Wehr 1a, 02748 Bernstadt

Christian Laschinsky, Charlottenruh 18, 02797 Hainewalde

www.brieftaube.de