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Großenhain streicht Bäume an

Damit es dem Biber im Waldaer Park nicht mehr schmeckt, bekommen die Bäumchen jetzt eine neuartige Schutzschicht.

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© Anne Hübschmann

Von Birgit Ulbricht

Großenhain. Erst vor wenigen Wochen machten die Frösche in Walda-Kleinthiemig sachsenweit von sich Reden. Weil die ohrenbetäubend quakten, mit bis zu 126 Dezibel, wie Anwohner selbst gemessen haben, musste die Stadt schließlich handeln. Nun ist geplant, den völlig zugewachsenen Löschteich in Kleinthiemig nach Ende der Laichperiode im Spätherbst zu entschlammen und so dem Problem „Lärm“ beizukommen. Doch kaum ist das Thema Frösche abgearbeitet, taucht ausgerechnet in Walda ein neuer tierischer Störenfried auf: der Biber. Gut, Biber an der Röder sind nichts Neues. Aber seit dem verheerenden Tornado im Jahr 2010 zählt jedes junge Bäumchen in dem noch kargen Park, der nach seiner Zerstörung komplett neu angelegt werden musste. Doch das freut jetzt ausgerechnet auch Familie Biber, wie Bauhofchefin Kerstin Mai berichtet.

Biber-Abwehr als Testfall im Kreis

Die knabbern fröhlich an den zarten Stämmen, so dass schon acht Bäumchen fehlen. „Ärgerlich“, sagt Matthias Schmieder, Leiter Stadtkultur und Ordnung. Vor allem vom Mühlgraben bis zum Wehr haben sich die Nager heftig ausgebreitet. Überall in den Grünzonen entlang des Wasserlaufs sind ihre Spuren inzwischen zu sehen. Die ersten Waldaer laufen schon morgens und abends mit ihrem Hund durch den Park, in der Hoffnung, dem Biber damit die ungestörte Nagerei im Park zu verleiden.

Eine ziemlich aufwendige Abwehr so eine Patrouille. Kerstin Mai kam da auf eine andere Idee. „Wir malen die Bäume mit einer Schutzschicht an, die dem Biber nicht schmeckt!“ Das Mittel heißt „Wöbra“ und ist ein streichfähiges Langzeitschälschutzmittel gegen das Schälen des Rotwildes und des Bibers an Laub- und Nadelholz. Aber nicht alle finden „Wöbra“ unappetitlich. Schafen, Ziegen und Heidschnucken macht der Anstrich nichts aus.

„Jetzt schau`n wir mal, ob das stimmt, was der Hersteller sagt“, meint Matthias Schmieder seufzend. Zwei Zehn-Kilo-Eimer des Vergrämungsanstriches hat die Stadt jetzt gekauft. Mitbezahlt hat auch der Landkreis Meißen. Denn das Landratsamt macht aus der neuerlichen tierischen Heimsuchung gleich ein Projekt. Die Behörde will wissen, ob „Wöbra“ möglicherweise auch an anderen Stellen eingesetzt werden kann. Denn da der Anstrich farblos ist, wäre er auch überall dort gut einsetzbar, wo der Denkmalschutz ein Wort mitzureden hat – so wie in Walda. Die Verhandlungen mit der Behörde über eine weitere Maßnahme gegen den Biber war deshalb schon weit schwieriger. „Wir wollen entlang des Wassers Weiden- und Zitterpappel-Stecklinge pflanzen. Die gehören zwar laut Denkmalschützern keinesfalls ins Parkbild, würden die pelzigen Gesellen zusätzlich von den wertvollen Parkbäumen abhalten. Ob solch eine Ablenkungsfütterung gelingt, dazu hat auch Matthias Schmieder keine Erfahrungen. „Aber wir wollen es versuchen“, sagt er.

Gefahren-Töne ließen Enten kalt

Mit Tierabwehr hat man im Großenhainer Rathaus so seine Erfahrungen gemacht. Die erste Aktion, die da für Aufsehen sorgte, war die Vergrämungsanlage gegen die Enten im Naturerlebnisbad. Für 300 Euro Leihgebühr orderte die Stadt vor Jahren eine Vergrämungsanlage aus der Nähe von Köln. Aber: Die Enten haben sich noch nicht einmal umgedreht nach dem seltsamen Gerät. Die Anlage hatte den Tieren Töne vorgespielt, welche ihnen eine Gefahr vorgaukeln und sie vertreiben sollten. „Aber die Enten haben nicht reagiert“, sagt Matthias Schmieder rückblickend. Selbst ein größerer Lautsprecher, den der Hersteller nachlieferte, änderte daran nichts.