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Die Pelargonien-Umsiedler

Nach zehnmonatiger Bauzeit ist das Riesen-Gewächshaus in Thiendorf betriebsbereit und der Gartenbaubetrieb Elsner pac komplett aufs Land umgezogen.

Die Elsner-Mitarbeiterinnen Johana Szczawiwska (l.) und Laura Arutiunian an der Steckstraße im neu errichteten Produktions-Gewächshaus.
Die Elsner-Mitarbeiterinnen Johana Szczawiwska (l.) und Laura Arutiunian an der Steckstraße im neu errichteten Produktions-Gewächshaus. © Manfred Müller

Thiendorf. Die Corona-Pandemie konnte dem Projekt letztlich nichts anhaben. Zwischen Frühjahr und Herbst 2020 wurde am Rand der Thiendorfer Gärtnereisiedlung ein fast zwei Hektar großes Glashaus hochgezogen. Darin sind – in streng voneinander getrennten Bereichen – Produktion und Züchtung untergebracht. Ein separates Gewächshaus nebenan beherbergt die Elitepflanzen. Die Abteilungen Verwaltung und Verkauf der Dresdner Traditionsgärtnerei Elsner pac waren bereits im März nach Thiendorf umgezogen. Sie sind in einem Bürogebäude in Sichtweite der Produktionsanlagen untergebracht.

„Es gab schon hin und wieder einen Engpass“, sagt Produktmanagerin Antonia Feindura, „Das Gewebe für die Energieschirme zum Beispiel stammte aus China, und die Lieferung war wegen der Beschränkungen dort im Frühjahr etwas schwierig.“ Ansonsten aber hätten alle beteiligten Firmen Hand in Hand gearbeitet und den Bau und die Ausstattung der Gewächshäuser ohne größere Verzögerungen über die Runden gebracht.

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Der Gartenbaubetrieb Elsner wurde 1889 vor den Toren Dresdens gegründet – schon nach wenigen Jahren hatte die Stadt das Gelände umschlossen. Nach der Reprivatisierung im Jahr 1991 wurde es dem Unternehmen auf der angestammten Betriebsfläche zu eng. Die Dresdner kauften ein Areal im Thiendorfer Gewerbegebiet und errichteten im Jahr 2002 eine moderne Jungpflanzen-Produktionsanlage, die mehrfach erweitert wurde. Die zwei Firmenstandorte brachten allerdings einen hohen logistischen Aufwand mit sich, und die alten Dresdner Gewächshäuser konnten nicht mehr den Erfordernissen der Zeit entsprechend hergerichtet werden. Deshalb entschloss sich Elsner pac, den Betrieb komplett nach Thiendorf umzusiedeln – etwa 45 Beschäftigte wechselten im vergangenen Jahr ihren Arbeitsort.

Die geschützte Bezeichnung „pac“ im Firmennamen der Großgärtnerei steht für Pelargonien, Anthurien und Chrysanthemen. Das Hauptsortiment bilden um die 160 verschiedene Pelargoniensorten, die in mehr als 50 Länder exportiert werden. Daneben produziert Elsner viele andere Balkon- und Beetpflanzen, aber auch Struktur-, Heil- und Aromapflanzen – insgesamt etwa 600 Sorten. Ein wichtiger Teil des Unternehmens ist das Gewebekulturlabor, in dem Pflanzen durch in vitro Vermehrung gewonnen werden. Mit Hilfe dieser Methode züchten die Fachleute quasi unter sehr sauberen Bedingungen absolut gesunde und sortenechte Exemplare. Sie werden per Luftfracht zu Mutterpflanzenstandorten in Portugal und Kenia transportiert, wo sie unter günstigen klimatischen Bedingungen heranwachsen. Die dort gewonnenen Stecklinge nehmen dann den umgekehrten Weg.

Laborleiter Dr. Dominic Eberle im Gewebekulturraum, wo das Pflanzen-Ausgangsmaterial im Depot gehalten wird.
Laborleiter Dr. Dominic Eberle im Gewebekulturraum, wo das Pflanzen-Ausgangsmaterial im Depot gehalten wird. © Manfred Müller

Die Thiendorfer Hallenneubauten boten Elsner pac die Chance, den Betrieb technologisch und energetisch auf den neuesten Stand zu bringen. Das 1,25 Hektar große Produktionshaus zum Beispiel ist in vier Klimabereiche unterteilt, mit einer Mobiltischanlage, Gießwagen und Energieschirmen ausgestattet. Um den Niederschlag der gesamten Dachfläche auffangen zu können, wurde ein neues Regenwasserbecken mit einem Volumen von fast 10.000 Kubikmetern gebaut.

Bisher sei ihr Betrieb recht gut über die Corona-Zeit gekommen, sagt Antonia Feindura. Die Gärtnereien blieben während des Frühjahr-Lockdowns geöffnet, und viele Menschen hätten während der Ausgangsbeschränkungen ihr Herz für Balkonblumen entdeckt. Im Betriebsablauf seien die Pandemie-Regeln allerdings nicht so vorteilhaft. „Corona blockt den Austausch zwischen den Kollegen“, erklärt die Produktmanagerin.

Und noch ein Problem tut sich für den Gartenbaubetrieb auf: Von Januar bis April läuft das Hauptgeschäft. In dieser Zeit arbeiten bei Elsner pac traditionell viele Saisonkräfte aus Polen, nicht Wenige kommen seit vielen Jahren. Momentan ist allerdings unklar, ob diese überhaupt einreisen dürfen. Deshalb sucht der Gartenbaubetrieb für die nächsten drei Monate Arbeitskräfte aus der Region, die sich um Stecklinge und Jungpflanzen kümmern und sie für den Versand verpacken. Zur Abrundung der Investition in Thiendorf soll im nächsten Jahr auf dem Gärtnereigelände noch eine große Schauanlage gebaut werden.

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