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Ein Dorf hilft sich selbst

Ortschaftsrat, Heimatverein und Kegler haben die Bushaltestelle in Kraußnitz neu gestaltet – auch der Dorftreff wurde quasi in Eigenregie saniert.

Claudia Wünsch (h.l.) und Anja Schöne (h.r.) vom Heimatverein mit den kleinen Künstlern, die das Kraußnitzer Buswartehäuschen gestaltet haben.
Claudia Wünsch (h.l.) und Anja Schöne (h.r.) vom Heimatverein mit den kleinen Künstlern, die das Kraußnitzer Buswartehäuschen gestaltet haben. © Manfred Müller

Schönfeld. Der kleine Vincent hat sein Wohngrundstück an der Wand des Kraußnitzer Buswartehäuschens verewigt: das Eigenheim, die alte Eiche, das Gewächshaus, das Auto, Mama und Papa. Andere Kinder steuerten Sonne, Wolken, Regenbogen, Blumen und Vögel bei. Besonders die Eulen hatten es dem Dorf-Nachwuchs angetan – da tummeln sich gleich mehrere an den Wänden. 

Nichts erinnert mehr an den heruntergekommenen, muffigen Bau, den die wartenden Schulkinder selbst bei Regen lieber mieden. „Ich weiß gar nicht mehr, wer auf die Idee kam, dass die Kinder das Wartehäuschen selbst bemalen sollen“, sagt Claudia Wünsch vom Natur- und Heimatverein. „Aber der Gedanke liegt schon nahe, dass sie ihr eigenes Werk achten und die Wände deshalb nicht beschmieren."

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Das Haltestellengebäude an der Ortrander Straße war für die Dorfbewohner schon seit langem ein Ärgernis, weil es immer mehr verfiel. Zunächst hofften sie auf die Gemeinde Schönfeld, zu der Kraußnitz gehört. Aber die ist immer knapp bei Kasse, weil es ihr an Gewerbesteuereinnahmen fehlt und sie eine ländliche Mittelschule erhalten muss. 

Immerhin ließ sie neue Fenster einbauen. Den Rest übernahmen die Kraußnitzer selbst. Der Ortschaftrat betonierte, der Kegelverein malerte, und die Heimatfreunde mobilisierten die Kinder für die künstlerische Gestaltung und leiteten sie entsprechend an. Das Resultat kann sich sehen lassen: ein heller, freundlicher Raum, in dem man gern auf den Bus wartet. Weil die Eingangstür abgebaut wurde, müffelt es drin auch nicht mehr. 

Der Kraußnitzer Natur- und Heimatverein ist aus einer lockeren Vereinigung von Dorfbewohnern hervorgegangen, die das jährliche Maifeuer organisierten. „Als wir in den 1990er Jahren von Schönfeld geschluckt wurden, wollten wir etwas Eigenes bewahren“, erklärt Ortsvorstehen Roland Weis.

 Deshalb wurde ein offizieller Verein gegründet. Dessen Mitglieder hielten den kleinen Park am Gutshaus in Ordnung, bepflanzen Straßenränder mit Obstbäumen, bauten sogar einen Spielplatz selbst auf. Mittlerweile hat ein Generationswechsel stattgefunden. 

Junge Leute, wie die neue Chefin Laura Heupel, rückten nach. Frischen Wind soll auch ein Landschaftspflege-Projekt bringen, das der Verein beim Ideenwettbewerb des Dresdner Heidebogen-Fördervereins eingereicht hat. Die Kraußnitzer wollen ihre Parkanlage in ein Blühparadies verwandeln. 

Geplant ist die Pflanzung von Bäumen und Sträuchern, die besonders gern von Bienen und anderen Insekten aufgesucht werden. „Wir haben ja schon Erfahrungen, wie man das macht“, sagt Sebastian Wünsch vom Natur- und Heimatverein.

Für das auf zwei Jahre veranschlagte Projekt haben die Kraußnitzer ein Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro bekommen. Den Löwenanteil des benötigten Geldes wollen sie über Spenden einwerben. Auch das, so Wünsch, sei den Mitgliedern nicht fremd.

Das knapp 300 Einwohner zählende Kraußnitz grenzt unmittelbar an die Nachbarstadt Ortrand, die schon in Brandenburg liegt. Die Randlage bringt es mit sich, dass sich die Dorfbewohner auch in der Gemeinde Schönfeld etwas an den Rand gedrängt fühlen. „Als der Freistaat die 70.000-Euro-Pauschale für die ländlichen Kommunen ankündigte, haben wir dafür gekämpft, dass sie nach Einwohnerzahl auf die Ortsteile verteilt wird“, sagt Ortsvorsteher Weis.

 Kraußnitz standen 33.000 Euro zu, und die sind – quasi in Eigenregie – in die Dorfgemeinschaftseinrichtung verbaut worden. Dort verfügen die Einwohner jetzt über einen hübschen Versammlungs- und Feierraum mit Küche und Sanitäranlagen. Weil das Budget überzogen wurde, fehlen aber noch Tische und Stühle. Deshalb hat der Ortschaftrat zu einer Spendenaktion aufgerufen, mit der die Einrichtung des Gemeinschaftshauses komplettiert werden soll.

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