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Gartenschaupark wird pflegeleichter

Viele Bereiche sind in die Jahre gekommen. Bis Mitte 2022 sollen Bauhof und Fremdfirmen das Areal aufpeppen.

Matthias Schmieder war Geschäftsführer der Landesgartenschau GmbH und ist heute für Stadtkultur und Ordnung zuständig. Zusammen mit Bauhofleiterin Kerstin Mai und weiteren Beteiligten soll im Gartenschaupark jetzt eine Mammutaufgabe gestemmt werden.
Matthias Schmieder war Geschäftsführer der Landesgartenschau GmbH und ist heute für Stadtkultur und Ordnung zuständig. Zusammen mit Bauhofleiterin Kerstin Mai und weiteren Beteiligten soll im Gartenschaupark jetzt eine Mammutaufgabe gestemmt werden. © Kristin Richter

Großenhain. Wenn Matthias Schmieder in der Chronik zur Großenhainer Landesgartenschau 2002 blättert, dann leuchten die Augen. Erinnerungen an „blühende Landschaften“ im wahrsten Sinne des Wortes werden wach, wenn der damalige Geschäftsführer der eigens gegründeten Landesgartenschau GmbH Bilder vom Nixplatz, dem „Tal der Gräser“ oder auch aus den Ausstellungshallen anschaut.

569.000 Besucher strömten seinerzeit durch den Gartenschaupark - trotz zwischenzeitlicher Schließung wegen des Jahrhunderthochwassers. Eine Zahl, die keine andere der bisherigen sächsischen Gartenschauen je wieder erreichte. Und die Großenhainer haben auch im Nachgang davon profitiert. Das Kulturschloss, das ohne das Event wahrscheinlich noch heute eine Ruine wäre. Das Naturerlebnisbad, das nach einer Rosskur vor drei Jahren schöner denn je ist. Die Seeanlage. Der Caravanstellplatz. Und, und, und.

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Doch Matthias Schmieder, heute Geschäftsbereichsleiter Stadtkultur und Ordnung im Rathaus, sagt auch: „Neben der Feststellung, dass der Gartenschaupark fest im Besitz bzw. in der Nutzung der Großenhainer etabliert ist, bietet der momentane Pflegezustand des Gartenschauparks leider nicht nur uneingeschränkten Anlass zur Freude.“

Der Rundgang am Freitag macht deutlich: Hier ist vieles in die Jahre gekommen. „Der Nixplatz ist unser Hauptproblembereich“, so Schmieder. Der Brunnen, einst eine Attraktion, wurde schon 2003 stillgelegt, soll nun aber zu einer Bodenplastik umgestaltet werden. Traurig ist der Geschäftsbereichsleiter über den Zustand der Klinkerbänke. Hier sind in der Vergangenheit „Mauerspechte“ am Werk gewesen, haben die Verfugungen herausgekratzt, aber auch schwere Betonblöcke irgendwie gewaltsam abgetrennt und ein paar Zentimeter verschoben.

Die gute Nachricht: Mitarbeiter der Großenhainer Baugesellschaft sind gerade dabei, die Fugen wieder zu füllen. Es ist der Auftakt für Pflegearbeiten, die im Auftrag der Stadtverwaltung bis zum Gartenschaujubiläum Stück für Stück erledigt werden. Nicht, um den exzellenten Zustand von 2002 wiederherzustellen, stellt Matthias Schmieder klar. „Wir wollen so viele Spuren wie möglich erhalten. Aber alles so umbauen, dass es für uns pflegetechnisch beherrschbar ist“, fügt er hinzu.

Kerstin Mai nickt. Die Leiterin des Stadtbauhofes steht mit ihrem Team vor einer Mammutaufgabe. Eine lange Auftragsliste liegt auf ihrem Tisch. Doch schon jetzt ist klar, dass die Bauhofleute allein nicht alles schaffen können. Denn nicht nur der Gartenschaupark ist zu unterhalten - Stadtpark, diverse Areale in Wohngebieten und am Palais Zabeltitz gehören dazu. Insgesamt sind es 215 Hektar Grünanlagen, die von elf Gärtnern im Bauhof betreut werden müssen. Und ständig kommen neue Flächen hinzu - zuletzt beispielsweise die Wildblumenwiese auf dem Gelände der früheren Bergbrauerei. „Wir sind nicht umsonst die freundliche Stadt im Grünen“, sagt Matthias Schmieder und schmunzelt.

Das Lachen vergeht ihm, wenn er vom Nixplatz auf den Senkgarten schaut und weiter Richtung „Tal der Gräser“. Es sind die vielen Schmierereien an Mauern, Papierkörben, die „mich nerven“. Tatsächlich hat sich die Gegend als beliebter Treffpunkt für Leute ergeben, denen Ordnung und Sauberkeit offenbar Fremdwörter sind. Hier Abhilfe zu schaffen, „ist ein Kampf gegen Windmühlenflügel“, weiß Schmieder. Und doch soll im Rahmen der Verschönerung etwas getan werden. Raimo Siegert und seine Mitstreiter bei der mobilen Jugendhilfe werden sich um die „Gemälde“ kümmern, einige beseitigen, an anderer Stelle neue schaffen.

Im Senkgarten selbst ist ein kompletter Bodenaustausch vorgesehen, ebenso eine neue Strauchbepflanzung. Alles wieder 1:1 wie vor 19 Jahren zu gestalten, sei nicht möglich. Vielmehr müsse man sich - nicht nur hier - an die Gegebenheiten anpassen. Zum Beispiel, dass die 2002 gepflanzten Bäumchen inzwischen starke Bäume geworden sind.

Das „Tal der Gräser“ gehörte zu den absoluten Schmuckstücken der Gartenschau. „Damit waren wir damals schon der Entwicklung voraus“, sagt Matthias Schmieder und meint, dass hier eine Oase für Fauna und Flora entstand. Doch auch hier besteht Nachholebedarf in der Pflege. Der ehemalige Schlitzgarten wird entfernt und dafür eine Blühwiese angelegt. Eine nicht mehr benötigte Mauer im Tal der Gräser wird zurückgebaut, verbleibende Bruchsteinmauern, an denen bereits „Mauerspechte“ arbeiten, neu verfugt. Die Spielgeräte sind zum Glück weitgehend unversehrt und werden nach wie vor gern genutzt. Die alte Heiztrasse übers Wasser wird längst nicht mehr gebraucht und daher im Zuge der Arbeiten verschwinden.

Die Liste der Aufgaben ist lang. Und weil der Bauhof sie nicht allein abarbeiten kann, werden Firmen eingebunden, um den teilweisen Verfall zu stoppen. Ziel: die grundsätzliche Gestaltung des Gartenschauparks zu erhalten, aber überall dort, wo sich durch die Struktur und Nutzung über die Jahre Probleme für die Pflege eingestellt haben, die Anlage teilweise auch leicht umzugestalten.

Bis Mitte 2022 soll das so weit erledigt sein. Denn das 20. Jubiläum der Ausrichtung der Landesgartenschau soll mit einem Sommerfest gefeiert werden und den Gartenschaupark wieder von seiner schönsten Seite zeigen.

Matthias Schmieder wird da vielleicht schon wieder eine neue Chronik mit Bildern des veränderten „Gesichts“ präsentieren. Ginge es nach ihm, würde er auch wieder eine Gartenschaubewerbung abgeben. Das könne er allen Kommunen nur empfehlen. Denn ungeachtet des „Verschleißes“ der letzten Jahre hat das Event damals nicht nur Tausende Besucher, sondern einen ganz entscheidenden Schub für die Entwicklung Großenhains mit sich gebracht.

Uwe Krüger von der Baugesellschaft Großenhain ist seit ein paar Tagen mit der Neuverfugung von Klinkerbänken am Nixplatz beschäftigt.
Uwe Krüger von der Baugesellschaft Großenhain ist seit ein paar Tagen mit der Neuverfugung von Klinkerbänken am Nixplatz beschäftigt. © Kristin Richter
Der Nixbrunnen wurde schon 2003 stillgelegt. Er wird zur Bodenplastik umgestaltet, sodass die Platzfläche besser gesäubert werden kann.
Der Nixbrunnen wurde schon 2003 stillgelegt. Er wird zur Bodenplastik umgestaltet, sodass die Platzfläche besser gesäubert werden kann. © Kristin Richter
Nicht mehr gebraucht wird die alte Heiztrasse. Sie versorgte die frühere Schuhfabrik, deren Reste nach der Gartenschau abgerissen wurden.
Nicht mehr gebraucht wird die alte Heiztrasse. Sie versorgte die frühere Schuhfabrik, deren Reste nach der Gartenschau abgerissen wurden. © Kristin Richter

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