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Großenhainer könnten für mehr saubere Luft sorgen

Luftfilter sind ein Hilfsmittel im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Die durch den Rasenflitzer Multikon bekannte Metalltechnik GmbH produziert welche.

Von Catharina Karlshaus
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Geschäftsführer Andre Freudemann (l.) und Konstrukteur Philipp Weichelt präsentieren in der Metalltechnik Großenhainer Maschinenbau GmbH den Lambda Luftreiniger.
Geschäftsführer Andre Freudemann (l.) und Konstrukteur Philipp Weichelt präsentieren in der Metalltechnik Großenhainer Maschinenbau GmbH den Lambda Luftreiniger. © Norbert Millauer

Großenhain. Nichts geht über ein weit geöffnetes Fenster. Was bereits Mitte des 19. Jahrhunderts ein probates Mittel für ausreichend frische Luft in gemeinschaftlich genutzten Zimmern gewesen ist, zählt inmitten der pandemischen Lage zum unverzichtbaren Tagesprogramm. Gleich nun, ob draußen der stürmische Winterwind pfeife oder dicke Regentropfen gegen die Scheiben von Schulen und Kindereinrichtungen trommelten. "Stoßlüften" heißt noch immer die Strategie gegen die Übertragung der Coronaviren, um auch weiterhin Schließungen von Einrichtungen so weit es geht vermeiden zu können.

Allerdings: In Klassenzimmern, so Sachsens Kultusministerium vergangene Woche, in denen weder eine Anlage für Zufuhr von frischer Luft sorge, deren Fenster nur kippbar seien oder gar lediglich über Lüftungsklappen mit geringem Querschnitt verfügten, müsse sich anders beholfen werden. Mit Luftfiltern nämlich, solche, wie sie bereits seit vergangenem Jahr in der Metalltechnik Großenhainer Maschinenbau GmbH hergestellt werden. Im Auftrag der HOGA-Schulen Dresden habe man ein Gerät entwickelt, welches mit zwei Vorzügen punkte. Einerseits sei es vergleichsweise nicht so teuer wie diejenigen, welche auf dem Markt momentan verfügbar seien. Und andererseits ein leise arbeitendes Maschinchen - unter 40 Dezibel -, das über eine entsprechende Luftwechselrate verfüge. Gemessen am Volumen der Unterrichtsräume, könne es fünfmal in einer Stunde für den Austausch beziehungsweise Zustrom gereinigter Luft sorgen.

Auf den ersten Blick relativ schlicht im schwarzen Aluminiumgehäuse daherkommend, schlummern die Werte von "Lambda 254" im Inneren. Die darin drei platzierten Röhren durchdringen als energiereiche Spender von UVC-Licht die Zellmembran von Viren, Bakterien sowie Sporen und sorgten dafür, dass die Infektionskette unterbrochen werde. Die Wirksamkeit dieser UVC-Strahlung gegenüber den SARS-CoV-2-Viren habe im Labor auf Oberflächen mit einer Rate von 99,9 Prozent nachgewiesen werden können und käme deshalb auch in Krankenhäusern zur großflächigen Desinfektion zum Einsatz. "Wir haben die Geräte inzwischen an Dresdner Schulen und Fitnessstudios verkauft. Aber leider nicht in dem Umfang, wie wir es für sinnvoll erachten würden", bekennt Andre Freudemann.

Wie der Geschäftsführer der Metalltechnik Großenhainer Maschinenbau GmbH betont, seien die Geräte durchaus auch zum verstärkten Einsatz in Büros, öffentlichen Gebäuden und vermehrt eben auch in Schulen und Fitnesseinrichtungen geeignet. Doch leider werde aus seiner Sicht von dieser Methode der gesicherten Luftreinigung noch zu wenig Gebrauch gemacht. "Dabei wäre das eine sinnvolle Variante, um beispielsweise auch sächsischen Fitnessstudios die Möglichkeit zu geben, so wie in anderen Bundesländern weiterhin zu öffnen oder den Schulbetrieb langfristig abzusichern", gibt Andre Freudemann zu bedenken.

Das Problem offenbar: Trotz scheinbar großzügiger Förderung des Bundes, welcher 200 Millionen Euro für mobile Lüftungsanlagen bereitgestellt habe - davon entfallen gut 10 Millionen Euro auf Sachsen - käme nicht jede interessierte Einrichtung in den Genuss des Geldes. Die Förderung, so Großenhains Rathaussprecherin Diana Schulze, gebe es nur für Anlagen in solchen Einrichtungen, in denen vorrangig Kinder unter 12 Jahren betreut würden, oder eben für Zimmer, welche nur eingeschränkt gelüftet werden könnten. Entsprechende Räumlichkeiten wären in den Schulen der Röderstadt kaum vorhanden.

Die Verwaltung habe Ende 2020 immerhin mobile Luftreinigungsgeräte für die Lehrerzimmer an allen Schulen angeschafft. Diese seien teilweise von einer Großenhainer Firma gesponsert worden. Ende 2021 habe man darüber hinaus noch zwei weitere Geräte für das Werner-von Siemens-Gymnasium, Haus 1, geordert. Sie befänden sich in zwei Unterrichtsräumen im Kellergeschoss, da diese tatsächlich nur über kippbare Fenster zu lüften seien. Die Kosten dafür beliefen sich auf rund 4.600 Euro. "Der Erwerb weiterer mobiler Luftfilter ist für die Schulen der Stadt nicht vorgesehen. Die regelmäßige Lüftung über die Fenster bleibt, neben der Einhaltung der Hygieneregeln („AHA“ - Abstand halten, Hygieneregeln einhalten, Maske tragen), die wichtigste Maßnahme zur Reduzierung der Virenlast in der Luft sowie zur Aufrechterhaltung einer gesunden Raumluft", erklärt Diana Schulze auf SZ-Anfrage.