SZ + Dresden
Merken

Großenhainer Mordkomplott: Noch kein Ende in Sicht

Beweisanträge, Widersprüche, Beanstandungen: Der Prozess um die Entführung und qualvolle Tötung eines Großenhainers verzögert sich weiter.

Von Alexander Schneider
 2 Min.
Teilen
Folgen
Bislang hat sich lediglich der 29-jährige Stefan B., hier mit seiner Verteidigerin Andrea Müller, zu den Vorwürfen eingelassen und sich und die Mitangeklagten schwer belastet.
Bislang hat sich lediglich der 29-jährige Stefan B., hier mit seiner Verteidigerin Andrea Müller, zu den Vorwürfen eingelassen und sich und die Mitangeklagten schwer belastet. © Kristin Richter

Dresden. Das Großenhainer Mordkomplott wird die Richter des Landgerichts Dresden wohl noch länger beschäftigen. Am Mittwochabend teilte der Vorsitzende Richter der Schwurgerichtskammer mit, er rechne nicht damit, dass die vorhandenen acht Sitzungstage bis zum 6. Dezember ausreichen. Dabei hatte es zuletzt eher gut ausgesehen. Nachdem ein Rechtsmediziner zur Todesursache des 38-jährigen Mordopfers Dirk W. vernommen wurde, erstatten seit dieser Woche die psychiatrischen Sachverständigen ihre Gutachten zur Schuldfähigkeit oder anderen denkbaren Störungen der vier Angeklagten. Diese Forensiker kommen meist am Ende der Beweisaufnahme an die Reihe, weil sie sich auch während der Hauptverhandlung ein Bild von den Angeklagten machen sollen.

Doch es schwirren noch einige Beweisanträge der Verteidiger umher, beantragte Beweisverwertungsverbote, Beanstandungen von Vernehmungen und Kritik an Gutachten, etwa dem eines forensischen Insektenexperten, der half, Dirk W.s Todeszeitpunkt einzugrenzen.

In dem Prozess, Auftakt war Mitte Mai, geht es um ein äußerst brutales Verbrechen. Den Angeklagten wird vorgeworfen, den 38-Jährigen am 13. Juni 2020, einem Samstagabend, in Großenhain entführt, ihn in einem wenige Kilometer entfernten Waldstück brutal zusammengeschlagen und schwer verletzt liegen gelassen zu haben. Innerhalb der nächsten drei Tage seien sie mehrfach zum Tatort zurückgekehrt, um sich von W.s Tod zu überzeugen. Dabei sei das noch lebende Opfer weiter durch Tritte und Steinwürfe massiv verletzt worden. Der 38-Jährige soll frühestens in der Nacht zum Montag oder sogar noch später gestorben sein.

Ein Angeklagter hat gestanden

Am Freitag, 19. Juni, wurde mit dem Fund der Leiche aus einem Vermisstenfall ein Tötungsdelikt. Die Angeklagten sitzen seit jenem Wochenende in Untersuchungshaft. Hauptbeschuldigte ist die 32-jährige Stefanie W., die Ehefrau des Angeklagten. Sie habe die anderen zu der Tat angestiftet. Angeblich ging es um Sterbegeldversicherungen in Höhe von 17.000 Euro und den Streit um den Umgang mit dem gemeinsamen Sohn. Wenige Wochen vor der Tat hatte sich die vierfache Mutter von W. getrennt und war zur Tat bereits schwanger von einem anderen Mann. Ende Dezember brachte sie Zwillinge zur Welt.

Bislang hat sich lediglich der 29-jährige Stefan B. zu den Vorwürfen eingelassen und sich und die Mitangeklagten schwer belastet – wie schon gegenüber der Polizei. Am Mittwoch etwa beanstandeten Verteidiger, ein psychiatrischer Gutachter habe einen Angeklagten gegen dessen Willen und den seiner Verteidigerin befragt. Auch das wird noch geklärt werden müssen. Es gibt noch viel Arbeit für das Gericht.