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In diesem Jahr 13 Säcke Müll gesammelt

Der Großenhainer Benjamin Paul ist bestürzt, was Leute so alles am Wegesrand "vergessen". Sein Engagement wird jetzt von der Stadtverwaltung gewürdigt.

Benjamin Paul (rechts) ist einer der "stillen Helden" von Großenhain. Für seine Privatinitiative gegen illegalen Müll erhielt er am Freitag von Matthias Schmieder eine Jahreskarte fürs Naturerlebnisbad 2021.
Benjamin Paul (rechts) ist einer der "stillen Helden" von Großenhain. Für seine Privatinitiative gegen illegalen Müll erhielt er am Freitag von Matthias Schmieder eine Jahreskarte fürs Naturerlebnisbad 2021. © Kristin Richter

Großenhain. Benjamin Paul hat viele seiner Fundorte und -stücke im Bild festgehalten. Dutzendweise kleine leere Schnapsflaschen auf den Bäckerwiesen sind dabei. Tetrapacks, Assietten, Pfandflaschen hat er aus dem Gras oder Straßengraben "gefischt". Sogar ausgemusterte Kupferisolierung und eine Lichterkette waren mal unters Laub gemischt. "Das sind Dinge, die mich einfach bewegen", sagt der 32-jährige Großenhainer. Und deshalb hat er vor geraumer Zeit beschlossen, in privater Initiative jene Dinge aufzulesen, die Müllsünder in und um die Röderstadt einfach so am Wegesrand "vergessen".

Den Anstoß dafür gab dem jungen Familienvater sein eigentliches Hobby - das Geocaching. Immer wieder führte es ihn zu illegalen Müllablagerungen. Mal rund um den Kupferberg, mal auf dem Weg nach Lenz. Aber auch im Stadtpark oder direkt im Stadtzentrum werfen Unverbesserliche ihren Müll einfach weg. "Einmal hab ich rund um den Kupferberg einfach so angefangen, hatte aber nur zwei Müllsäcke dabei", sagt Benjamin Paul. Er musste "nachrüsten" - und am Ende standen vier proppenvolle Säcke vor ihm. Insgesamt, so rechnet er vor, hat er in diesem Jahr bereits 13 Säcke mit einer Füllmenge von je 120 Liter zusammengetragen.

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Ganz besonders ärgert ihn, wenn er wilde Ablagerungen aufstöbert, die sich unweit von Papierkörben oder aufgestellten Abfallbehältern befinden. Oder wenn Glasflaschen zerstückelt wurden. Denn schon länger beschäftigt er sich unter anderem damit, wie lange es dauern würde, bis derartiger Müll tatsächlich abgebaut würde. Bei Glas sind das zum Beispiel 50.000 Jahre, bei einem Papiertaschentuch zwischen sechs Wochen und einem halben Jahr!

Wenn Benjamin Paul auf Tour geht, hat er oftmals seinen zweieinhalbjährigen Sohn und die sechs Monate alte Tochter dabei. "Am Kinderwagen hängen dann links und rechts Säcke", erzählt er schmunzelnd. Handschuhe gehören zur Standardausrüstung. Und Sohnemann nutze die Zeit einerseits zum Spielen in der Natur, hilft aber auch schon beim Einsammeln mit. 

Über Matthias Schmieder knüpfte Benjamin Paul bei einer Baumpflanzung in Kleinthiemig den Kontakt zum Großenhainer Rathaus. "Er ist so ein ,stiller Held', der das ohne großes Aufsehen in der Öffentlichkeit macht", freut sich der Geschäftsbereichsleiter für Stadtkultur und Ordnung. Über den Stadtbauhof ist inzwischen organisiert, dass die vollen Müllsäcke bei Benjamin Paul abgeholt  werden und der Inhalt fachgerecht entsorgt wird. 

Am Freitag gab es für Benjamin Paul nun auch eine offizielle Würdigung. Für sein Engagement erhielt er eine Jahreseintrittskarte fürs Großenhainer Naturerlebnisbad für das kommende Jahr. Für den 32-Jährigen ein Grund zur Freude, aber auch Ansporn zum Weitermachen. So ist er am Überlegen, sich eine Wathose zuzulegen. Der Grund: Er habe festgestellt, dass in der Röder "so viele Dinge liegen, die dort nicht hingehören". 

Auf negative Reaktionen ist Benjamin Paul bei seinen ungewöhnlichen Spaziergängen noch nicht gestoßen. Dafür gebe es hier und da neben bewundernden Blicken auch mal ein Wort der Anerkennung von Passanten. Und wer weiß, ob sich nicht auch irgendwann ein paar "Nachahmer" finden.

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