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Forstbesitzerin contra Waldprofessor

Claudia Wünsch aus Kraußnitz verteidigte in einer MDR-Sendung das Recht auf Waldbewirtschaftung. Ihr fehlten im Beitrag aber Ansätze für mehr Kooperation.

Claudia Wünsch aus der Gemeinde Schönfeld war jetzt im Fernsehen - bei einer hitzigen Debatte.
Claudia Wünsch aus der Gemeinde Schönfeld war jetzt im Fernsehen - bei einer hitzigen Debatte. © MDR

Frau Wünsch, Sie sind 36 Jahre alt, stammen aus Kraußnitz und sind qualifiziert für den höheren Forstdienst. In der MDR-Sendung Fakt ist! waren Sie jetzt bei einer hitzigen Debatte um den Borkenkäfer und die Zukunft unseres Waldes dabei. Wie kam es dazu?

Wir bewirtschaften als Familie fünf Hektar Forst, deshalb sind wir Mitglied im sächsischen Waldbesitzerverband. Vom MDR kam an den Verband die Bitte um Teilnahme einer Frau an der Fernsehdiskussion. Mit dabei waren eine Waldbesitzerin im Haupterwerb aus dem Harz, der sächsische Umweltminister und Professor Pierre Ibisch, ein Wissenschaftler. Weil niemand aus dem Verband ins Fernsehen wollte, habe ich mich gemeldet. Und wurde ins Studio Dresden zur Livesendung eingeladen. 

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Warum wollten Sie?  

Ich fand das eine sehr interessante Runde, und mir liegt das Thema seit zwei Jahren sehr am Herzen. Es ging ja darum, dass Dürre, Hitze und Schädlinge den Bäumen zusetzen. Wie sollte der Wald der Zukunft aussehen, um gewappnet zu sein, war die Frage ? Ich habe mich vorher über die Gesprächspartner informiert und war mir bewusst, dass es kribbelig wird. 

Genauso ist es gekommen. Friedericke von Beyme aus dem Harz und der Experte für Nachhaltigkeit haben sich ziemlich in die Wolle gekriegt. Wie haben Sie das erlebt?

Die Anspannung war im Studio definitiv zu spüren. Zwei gegensätzliche Positionen prallten hier aufeinander: Das Recht der Waldbewirtschaftung und der Zweck des Forstes als Rohstofflieferant auf der einen Seite. Und der Vorschlag, dass der Wald sich von selbst regenerieren muss, auf der anderen. Auch diese Position kann ich verstehen, aber der Professor hat seine Ansätze nicht gut herübergebracht. Denn für uns Kraußnitzer sind die fünf Hektar Wald nicht existentiell, für die Frau aus dem Harz schon.

Die Diskussionsrunde mit Moderator Andreas F. Rook (M.) sowie Claudia Wünsch, Friederike von Beyme, Pierre Ibisch und Wolfram Günther (v.l.n.r.)
Die Diskussionsrunde mit Moderator Andreas F. Rook (M.) sowie Claudia Wünsch, Friederike von Beyme, Pierre Ibisch und Wolfram Günther (v.l.n.r.) © MDR

Von Waldumbau, dem Pflanzen von mehr Laubbäumen war die Rede, vor allem als Schutz vor der anhaltenden Trockenheit. Der Professor und auch Umweltminister Wolfram Günther von den Grünen redeten den Waldbesitzern ins Gewissen, mehr an die ökologische Funktion zu denken. Haben Sie recht?

Man muss ja bedenken, dass nicht nur die Waldbesitzer betroffen sind - also auch der staatliche Sachsenforst oder kommunale Eigentümer - sondern auch die Förster und Forstdienstleister wie die Firma Biocen in Döbern bei Cottbus, wo ich arbeite. Die Situation mit Borkenkäferbefall und Trockenheit kann so ungebremst nicht mehr weiterlaufen. Aber wir können auch nicht tatenlos zusehen und der Natur einfach ihren Lauf lassen. Wenn wir Eigentümer 30 Jahre nicht mehr in den Wald dürften, könnten es die Erholungssuchenden auch nicht mehr - aus Sicherheitsgründen. Jeglicher Erlös wurde bisher nur über den Holzpreis generiert. Das ändert sich in dieser Situation gerade, es gibt staatliche Hilfsgelder.

Die Förderung ist für viele sicher ein wichtiger Punkt, aber ältere Kleinwaldbesitzer sind doch oft nicht in der Lage, das Totholz aus ihrem Bestand zu schaffen.

Genau dieser Fakt ist mir in der einstündigen Diskussion zu kurz gekommen. Den Kleinbesitzern fehlt eine koordinierende Stelle für die Schadensbeseitigung, für Wiederaufforstung und Fördermittel. Ich hätte mir gewünscht, dass wir mehr über den Sinn von Forstbetriebsgemeinschaften und geförderte Waldpflegeverträge reden. Da müssen wir noch Überzeugungsarbeit leisten, dass jene, die eine Bewirtschaftung selbst nicht leisten können, diese in fachliche Hände legen. Wir als Waldbesitzerverband wollen den Schwung der Sendung für einen Infotag nutzen.

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Durch den Fernsehbeitrag bin ich vielfach angesprochen worden. Dieses Netzwerk will ich nutzen für die Gründung einer Forstbetriebsgemeinschaft. Diese Gemeinschaft kann die Waldarbeit für alle besser übernehmen. Im Oktober findet dazu im Landkreis Meißen eine offene Infoveranstaltung statt. Ich würde mich freuen, wenn viele Betroffene und Interessenten daran teilnehmen.

Gespräch: Kathrin Krüger-Mlaouhia

Link zur Sendung: www.mdr.de/fakt-ist/vergangene-sendungen/index.html

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