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Rettendes Nass fürs Vierteich-Moor

Durch die Sanierung des Freitelsdorfer Pferdeteichs erhält das wertvolle Feuchtbiotop selbst in regenarmen Zeiten eine stabile Wasserzufuhr.

Von Manfred Müller
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Naturschützer Klaus Richter begutachtet mit Enkelin Emily die Abdichtung im Damm des Freitelsdorfer Pferdeteichs.
Naturschützer Klaus Richter begutachtet mit Enkelin Emily die Abdichtung im Damm des Freitelsdorfer Pferdeteichs. © Kristin Richter

Freitelsdorf. Der letzte Baggerhub ist getätigt, der Teichgrund geglättet – bald kann wieder Wasser eingelassen werden. Am Pferdeteich zwischen Freitelsdorf und Zschorna wurde dieser Tage ein Naturschutzprojekt abgeschlossen, das eine fast 30-jährige Geschichte hat. Das Gebiet war Anfang der 1990er-Jahre Schauplatz einer heftigen Auseinandersetzung zwischen ortsansässigen Naturschützern und der Wasserversorgung Brockwitz-Rödern. Der kommunale Trinkwasser-Anbieter wollte die Versorgung im Raum Coswig sicherstellen und legte zwischen Autobahn und Vierteich eine neue Brunnentrasse an. Der Teich und das benachbarte wertvolle Moorgebiet fielen daraufhin trocken, und der schützenswerten Flora und Fauna drohte das Aus.

Mithilfe einer Bürgerinitiative erreichten die Naturschützer, dass die Trasse stillgelegt wurde. Das Moor allerdings – wegen seiner einmaligen Beschaffenheit noch schützenswerter – konnte nicht von der Stilllegung profitieren. Von Jahr zu Jahr fiel die sechs Hektar große Fläche trockener und büßte ihre ökologische Funktion nahezu gänzlich ein. Pflanzen wie Moosbeere und Zwergseerose verschwanden, auch Moorfrösche und Waldwasserläufer wurden kaum noch gesichtet.

Der Nabu, in dessen Eigentum sich das Vierteichmoor befindet, versuchte in den vergangenen Jahren, dem Moor durch behutsames Anstauen des in der Nähe vorbeifließenden Dobrabaches wieder dauerhaft Wasser zuzuführen. Der Erfolg hielt sich in Grenzen. Deshalb kamen die Naturschützer auf die Idee, den benachbarten Pferdeteich zu sanieren. „Der Teich liegt etwa anderthalb Meter höher als das Moor“, erklärt Klaus Richter, der das Gebiet für den Nabu betreut. „Wenn er gefüllt ist, kann er durch Infiltration den Grundwasserstand heben und so für die Wiedervernässung des Moores sorgen.“

Der 0,7 Hektar große Pferdeteich befand sich früher in privater Hand und wurde zur Karpfenaufzucht genutzt. Nach dem Bau der Brunnentrasse trocknete er aus und wuchs mit Erlen und Schilf zu. Vor einigen Jahren gelang es dem Nabu, die Fläche zu erwerben. Allerdings fehlten dem Naturschutzbund die Mittel für die Teichsanierung. Eine Lösung brachte der Gasleitungsbau in der Region. Die Firma Gascade wurde für den Aushub einer neuen Trasse zu naturschutzfachlichen Ausgleichsmaßnahmen verpflichtet und übernahm die Kosten. Im Frühjahr lief das Projekt an, im September/Oktober wurden dann der Bewuchs entfernt, der Teichdamm mit Ton abgedichtet und ein neuer regulierbarer Abfluss, ein sogenannter Teichmönch, gebaut.

Das Wasser, das den Pferdeteich speist, kommt von den umliegenden Feldern, wo Meliorations-Drainagen im Boden liegen. Die Zuflussleitung wurde von der Naturschutzbehörde bereits vor zwei Jahren erneuert. Der Pferdeteich selbst soll ein flaches Amphibiengewässer ohne Fischbesatz bleiben. Etliche Fischarten tun sich gern am Laich der Moorfrösche gütlich, was die Naturschützer möglichst verhindern wollen. „Wir haben noch eine kleine Insel angelegt, auf der Kraniche brüten können, ohne von Wildschweinen belästigt zu werden“, erklärt Klaus Richter. Für das Vierteichmoor seien in den nächsten Jahren weitere Revitalisierungsmaßnahmen geplant.