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Mehr Wildunfälle durch den Wolf?

In den vergangenen Wochen kam es rund um Großenhain und Riesa gehäuft zu Kollisionen zwischen Waldtieren und Fahrzeugen. Eine Gefahr für beide Seiten.

In diesen Tagen leider keine Seltenheit: Tot gefahrene Rehe oder Wildschweine, die durch den Zusammenstoß teilweise nicht nur beschädigte Fahrzeuge, sondern auch Verletzungen davontragen.
In diesen Tagen leider keine Seltenheit: Tot gefahrene Rehe oder Wildschweine, die durch den Zusammenstoß teilweise nicht nur beschädigte Fahrzeuge, sondern auch Verletzungen davontragen. © Archivfoto: Dietmar Thomas

GroßenhainIm entscheidenden Moment geht alles ganz schnell. Dann, wenn plötzlich wie aus dem Nichts im Schatten der Dämmerung ein Reh auf die Straße vor das Auto prescht. Oder wenn sich im Morgengrauen ein Wildschwein entschließt, doch einmal die kurzen Beine in die Hand zu nehmen und logischerweise ohne auf den menschlichen Berufsverkehr zu achten, über die Fahrbahn schnauft. Ein gefährliches Unterfangen für beide Seiten - keine Frage.

Ob und wer dabei schadlos ausgeht, ist tatsächlich oft eine Frage von Sekunden. "Deshalb ist es gerade in diesen Herbsttagen ganz wichtig, mit Beginn der Dämmerung die Geschwindigkeit anzupassen! Die Fahrer müssen bremsbereit sein und innerhalb des Sichtbereiches anhalten können", weiß Lukas Reumund. Wie der Sprecher der Polizeidirektion Dresden betont, seien Unfälle mit Wildtieren gerade in den waldreichen Gegenden des Landkreises Meißen keine Seltenheit. Allein im vergangenen Monat wären im Revierbereich Großenhain 31 Zusammenstöße dieser Art registriert worden. Rund um Riesa seien es auch so viele gewesen. 

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Ein unangenehmes Aufeinandertreffen von Mensch und Tier, welches nicht immer vermieden werden könne. Da jedoch hinlänglich bekannt sei, wann sich Füchse, Rehe und anderes Getier für gewöhnlich auf die felligen Füße machen, könne sich Frau oder Mann hinterm Lenkrad zumindest darauf einstellen. All jene, die ihren Weg zur Arbeit beispielsweise zwischen 5 und 6 Uhr zurücklegen, sollten unbedingt vorausschauend und tatsächlich vorsichtig fahren. Ebenso wie in den Abendstunden zwischen 21 und 22 Uhr herrsche zuweilen reges Begängnis zwischen Waldrand und Straße.

Praktisch bedeute das: Wenn ein Wildtier noch rechtzeitig zu sehen sei, solle unbedingt der Fuß vom Gas genommen und das Licht abgeblendet werden. Auch lautes Hupen wäre im Fall der Fälle nicht falsch. Das Geräusch würde den Vierbeiner - häufig seien sie zu mehreren unterwegs - am ehesten vertreiben. Ausweichen sollten Autofahrer hingegen nur, wenn dies auch wirklich gefahrlos sei. Denn so traurig es für das jeweilige Reh oder Wildschwein auch sei: Lieber solle der Aufprall mit ihm in Kauf genommen werden, als ein lebensgefährlicher Zusammenstoß mit einem anderen Fahrzeug oder einem Baum.

Dass vielen Autofahrern die unliebsame Begegnung mit einem ungestümen Tier nicht erspart bleibt, weiß Jörg Köhler nur allzu gut. Der Vorsitzende des Jagdverbandes kennt natürlich die jahreszeitlichen Gepflogenheiten der Waldbewohner und auch die Schwerpunkte im Großenhainer Land, in denen sie manchmal zu forsch unterwegs sind. Kurvenreiche Strecken oder die Bundesstraße 101 bei Stroga, die Straßen nach Skassa, Zschieschen oder Medessen  seien etwa dafür prädestiniert. Auch an der Umgehungsstraße B 98 zwischen Wildenhain und Folbern beziehungsweise von Schönfeld nach Thiendorf wäre schon so manches Wildtier ums Leben gekommen.  

Rehe beispielsweise, die sich in der jetzt beginnenden entbehrungsreichen Winterphase meist in größeren Gruppen - den sogenannten Sprüngen - zusammenschließen. 20, 30 Tiere befänden sich dabei manchmal auf einem Fleck. Ebenso die Wildschweine, die sich zusammenrotteten. In diesen Tagen und Wochen fänden sich diese Gruppen zusammen und das Wild suche nach geeigneten Äsungs- und Schlafplätzen. Dass sie dabei nicht alle Verkehrsregeln beachteten oder gar ihrerseits um die Gefahr auf mancher Straße wüssten, sei logisch. Besonders dort, wo neue Verkehrswege entstanden seien, passierten häufiger Unfälle. Die Tiere - plötzlich aus dem Wald springend - wären noch nicht eingestellt, auf das für sie darstellende Hindernis in der Landschaft.

Und damit nicht genug. Besonders angespannt sei die Situation inzwischen durch einen neu hinzugekommenen Mitbewohner, den Wolf. Durch ihn habe sich das Verhalten beispielsweise der Rehe in den vergangenen Jahren spürbar verändert. Aber auch Schweinerotten zögen sich ganz bewusst zusammen und bildeten für den Beobachter gewissermaßen eine kreisrunde Wagenburg, um sich im Zweifel vor dem hungrigen Angreifer besser schützen zu können. Allein in seinem Revier habe Jörg Köhler schon häufig Tiere vorbeiziehen sehen. Auf der Suche nach Nahrung seien die Wölfe naturgemäß immer in Bewegung und schreckten bei ihren Streifzügen zuweilen die Mitbewohner des Waldes auf.

Situationen, in denen Rehe oder anderes Getier einfach nur noch die Flucht antreten würden - im wahrsten Sinne des Wortes nach vorn. Raus aus Feld oder baumreicher Gegend, schnell davon, auch und vor allem über Straßen hinweg. Wenn es dann zur Kollision mit einem Auto käme, müsse dessen hoffentlich unverletzter Fahrzeughalter keineswegs in Panik verfallen. Wichtig sei es zunächst, die Unfallstelle abzusichern und die Polizei zu rufen. Die Beamten würden die jeweiligen Jagdpächter - gleich nun, ob am Tag oder in der Nacht - herbeirufen. "Die Jäger kümmern sich dann um das verunfallte Wild und nehmen manchmal auch die Suche nach dem verletzten Tier auf", erklärt Jörg Köhler. Nicht jedes sei nach dem Aufprall mit dem Fahrzeug gleich tot und schleppe sich schwer verletzt weiter. Die Jagdpächter suchten die Vierbeiner, um sie schließlich von ihren Leiden zu erlösen. Zugefügt im entscheidenden Moment, in welchem alles viel zu schnell ging. Für das Wildtier und den Autofahrer.

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