merken
PLUS Großenhain

Nehmen Fahrer jetzt den Fuß vom Gas?

Nachdem ein Schönfelder Unternehmen zu mehr Selbstdisziplin aufgerufen hat, verzeichnet es erste positive Ergebnisse.

Vorsichtig tastet sich ein Transporter am Mühlbacher Kreisverkehr vor. Ein Fahrstil, der dem Juniorchef eines Schönfelder Unternehmens sehr gefallen dürfte.
Vorsichtig tastet sich ein Transporter am Mühlbacher Kreisverkehr vor. Ein Fahrstil, der dem Juniorchef eines Schönfelder Unternehmens sehr gefallen dürfte. © Foto: Kristin Richter

Landkreis. Der Mann weiß es ganz genau. Manchmal, wenn er gerade gar nichts anderes zu tun habe, laufe er die Radeburger Straße in Großenhain auf und ab. Einmal hin und einmal zurück. Wenn die 82-jährigen Beine nach einer Pause verlangten, lehne er sich einfach auf seinen Rollator und schaue dem Verkehr zu, der sich von A nach B bewege. "Und wissen Sie, wie schnell da manchmal die Lieferfahrzeuge und großen Laster ran brettern? Da möchte ich nicht gerade über die Straße wackeln müssen", sagt der rüstige Rentner und schüttelt den Kopf. Gerade die kleineren Flitzer seien es, die kurz vor der Ampel nochmal richtig auf die Tube drückten. Jene, die manchmal auch Pakete zu den jungen Leuten in seinem Wohnhaus bringen würden. "Die haben es sicher eilig, weil der Chef auf die Uhr guckt. Aber an die Regeln müssen sich die Burschen ja trotzdem halten", befindet der Großenhainer und zeigt auf ein weißen Transporter, der in dem Moment aus Richtung Lampertswalde daher kommt.

Ein Transporter, der groß und deutlich lesbar auf der Motorhaube eine schwarze Zahl stehen hat. Spätestens seit vier Wochen wissen damit nicht nur Insider: das Fahrzeug ist eines von insgesamt 60, die zum Fuhrpark der Rumak Logistik GmbH mit Sitz in Schönfeld gehören. Sechs Tage in der Woche befördert das Unternehmen Waren nach Großenhain, Riesa, in die Region bis nach Leipzig. Nicht nur "Burschen", sondern Frauen und Männer sind von früh bis spät auf den Straßen des Freistaates unterwegs, um bis zu 15 Kilogramm schwere Pakete auszuliefern. Mit vorgeschriebener Geschwindigkeit und ohne Zeitdruck geradewegs zum Zustellort und wieder zurück.

Anzeige
Bio-Angebote von Vorwerk Podemus
Bio-Angebote von Vorwerk Podemus

Bio-Zutaten geben Plätzchen zu Weihnachten eine ganz besondere Note und versüßen die Backfreuden im Advent.

Zumindest lautet nach eigenem Bekunden von Wojtek Mackowiak genau so die Firmenphilosophie. Gemeinsam mit seinem Vater Piotr lenkt der studierte Logistikmanager die Geschicke des Unternehmens und ging vor genau einem Monat in die Offensive. In einem Gespräch mit der Sächsischen Zeitung berichtete der 27-Jährige von der Initiative seiner Firma, künftig stärker auf das Fahrverhalten seiner Mitarbeiter achten zu wollen.

Grund für das Engagement in eigener Sache sei dabei ein Auffahrunfall in der Nähe des Großenhainer Flugplatzes gewesen. Selbst von seiner eigenen Angestellten verursacht, wäre diese dabei verletzt und infolge dessen schließlich zwei Lieferfahrzeuge in den wirtschaftlichen Totalschaden befördert worden. Alle Wagen der Rumak Logistik GmbH seien deshalb mit besagter schwarzer Zahl versehen worden. Dazu würde sich noch eine Aufschrift mit der Frage: "Fahre ich gefährlich? Dann rufe an!" gesellen.

Eine Aufforderung, von der andere Verkehrsteilnehmer unbedingt regen Gebrauch machen sollen, aber zugegebenermaßen vier Wochen später noch nicht können. Nach wie vor fahren die Transporter nämlich ohne die provokante Frage nebst Telefonnummer der Schönfelder Firma durch die Gegend.

Ein Umstand, der auch Wojtek Mackowiak selbst nicht so sehr gefallen dürfte. Immerhin wollte man doch im eigenen Interesse schnell handeln. Wie der Juniorchef auf SZ-Anfrage am Dienstag verrät, sollten sich die Aufkleber natürlich wirklich längst an den Fahrzeugen befinden. Aufgrund der momentanen Situation inmitten der Corona-Beschränkungen hätten sich die Absprachen mit der beauftragten Werbeagentur aber leider verzögert. Ziel sei es nun, bis zum Ende des Jahres die entsprechende Aufschrift anbringen zu können.

Weiterführende Artikel

Kopfschütteln über Fahrstil dieser Wagen

Kopfschütteln über Fahrstil dieser Wagen

Nachdem ein Speditionsunternehmen in der SZ anregte, mehr für die Sicherheit auf den Straßen zu tun, entbrannte eine heftige Debatte. Gibt es nur schwarze Schafe?

Ganz umsonst sei der Vorstoß in Sachen Selbstdisziplin jedoch nicht gewesen. Abgesehen davon, dass die Reaktionen, so Wojtek Mackowiak, außerhalb seines Unternehmens ausschließlich positiv gewesen wären. Vor allem die eigenen Mitarbeiter hätten das Ansinnen, aufmerksam, vorausschauend, rücksichtsvoll und nicht zu schnell unterwegs zu sein, scheinbar verinnerlicht. "Es gab seitdem keinen Unfall mehr", freut sich Wojtek Mackowiak. Eine Bilanz, die er sich auch künftig wünsche. Mit oder ohne Aufkleber auf der Motorhaube.

Mehr zum Thema Großenhain