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Kreis Meißen: Schwierige Neuvermietungen von Gewerbeflächen

Bis zu 25 Prozent der Gewerbeimmobilien in Kleinstädten stehen leer. Besonders betroffen sind Riesa und Großenhain, Meißen und Radebeul weniger.

Von Beate Erler
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Der Meißner Dom spiegelt sich in einem leeren Schaufenster auf der Burgstraße in Meißen. Zwar hält sich der Leerstand in der Kreisstadt noch in Grenzen, doch der Trend ist abwärts gerichtet. Die Pandemie und der Online-Boom sind die Ursachen.
Der Meißner Dom spiegelt sich in einem leeren Schaufenster auf der Burgstraße in Meißen. Zwar hält sich der Leerstand in der Kreisstadt noch in Grenzen, doch der Trend ist abwärts gerichtet. Die Pandemie und der Online-Boom sind die Ursachen. © Claudia Hübschmann

Meißen. Stilvolles Büro in der Meißner Altstadt, Ladengeschäft in Meißen Bohnitzsch, Ladenlokal im Zentrum von Coswig, voll ausgestatteter flexibler Seminarraum, Ladengeschäft in Top-Lauflage von Meißen. Die Internetpräsenz eines Meißner Immobilienmaklers mit Wohn- und Gewerbeimmobilien im Landkreis ist voll mit freien Gewerbeflächen. Auf die Anfrage, ob der Leerstand seit der Corona-Pandemie zugenommen hat, gab es aber keine Rückmeldung von dem Maklerunternehmen.

Die Pandemie hat die schwierige Lage der Einzelhändler verstärkt: Schließungen aufgrund von Lockdown, der Trend zum Onlineshopping hat noch einmal zugenommen und auch der Trend zum Homeoffice und Meetings, die zunehmend online stattfinden, hält an. Somit haben es Vermieter schwer, ihre Gewerbeimmobilien für Ladengeschäfte oder Büroräume in den Innenstädten zu vermieten.

Das bestätigt auch eine Umfrage vom Immobilienverband Deutschland (IVD): Demnach stehen bis zu 25 Prozent aller Gewerbeimmobilien in Klein- und Mittelstädten leer. Der Leerstand habe in der Corona-Krise deutlich zugenommen, so das Ergebnis der Studie. Selbst in den besten Lagen gibt es einen Leerstand von 15 Prozent, in weniger günstigen Lagen liegt er bei 25 Prozent. Zwei Drittel der Branchenkenner halten diese Entwicklung für kein vorübergehendes Phänomen, sondern für dauerhaft. Als Alternative sehen sie den Umbau der Ladenflächen in Wohnraum. Andere alternative Geschäftsmodelle nutzen den Leerstand zur Vermietung von Tagungsräumen oder als flexible Arbeitsräume.

Dieser Trend zeichnet sich auch bei den Mieten für Gewerbeflächen ab. Seit 2015 stiegen sie im bundesweiten Durchschnitt um rund 23 Prozent. Nun wendet sich das Blatt, denn bei einer Umfrage unter Immobilienexperten des Beratungs- und Forschungsunternehmens Fährländer Partner Raumentwicklung (FPRE), geht der Großteil von weiter sinkenden Preisen für Büroflächen bis Mitte des Jahres aus. Ihr Preisindex lag im Vor-Coronajahr 2019 noch bei +31,6 Punkten. Mittlerweile liegt der Preisindex für Büroflächen bei -47,1 Punkten.

Für den Landkreis bestätigt die Zahlen des Immobilienverbands Deutschland die Pressesprecherin der Stadt Großenhain: „Zirka 20 Prozent der Gewerbeeinheiten stehen momentan leer und der Leerstand ergreift leider langsam auch die A-Lage der Stadt“, sagt Diana Schulze. Es habe Geschäftsschließungen gegeben, aber nicht alle resultierten aus den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie. „Es kam auch zu Geschäftsaufgaben aus Altersgründen, die aber pandemiebedingt vorgezogen wurden“, sagt sie.

Dass nicht nur die Pandemie die Ursache ist, zeigt die erste Leerstandserfassung im Jahr 2019, die damals schon einen Leerstand von 20 Prozent dokumentierte. Vielmehr seien unterschiedliche Vorstellungen bei baulichen Gegebenheiten zwischen Eigentümer und Mieter der Grund für langfristige Verhandlungen und sogar für das Scheitern einer Neuvermietung in der Stadt, sagt Diana Schulze. Auf die Mietpreise habe das bisher aber keine Auswirkungen.

Immerhin zwei neue Geschäfte eröffneten im pandemiegeprägten Jahr 2021 in der Innenstadt. Das Ladengeschäft „Phoenix“ für Musik- und Veranstaltungstechnik und „faden-licious“, ein Geschäft für Stoffe, Handmade-Artikel und Zubehör. Außerdem gibt es seit letztem Sommer das „LaBü“, ein Ladenbüro, das eine Mischung aus Pop-up-Store und Co-Working-Space ist und provisorisch ein leeres Geschäft füllt.

Die Hauptstraße als Sorgenkind

In diesem Ladenlokal an der Riesaer Hauptstraße gab es bis zum Frühjahr 2021 eine Filiale des Modehauses Haase. Das Unternehmen hat sich in sein Stammhaus in Frauenhain bei Gröditz zurückgezogen. Seither steht die Ladenfläche am Riesaer Boulevard leer – a
In diesem Ladenlokal an der Riesaer Hauptstraße gab es bis zum Frühjahr 2021 eine Filiale des Modehauses Haase. Das Unternehmen hat sich in sein Stammhaus in Frauenhain bei Gröditz zurückgezogen. Seither steht die Ladenfläche am Riesaer Boulevard leer – a © Sebastian Schultz

Ähnlich sieht es in Riesa auf der Hauptstraße und einigen direkt benachbarten Straßen aus. Hier gibt es 240 Ladeneinheiten. „Der Leerstand wurde 2019 mit 20 bis 25 Prozent beziffert und wird sich aktuell in ähnlicher Größenordnung belaufen“, sagt die neue Innenstadtmanagerin, Anja Dietel. Das läge zum Teil an notwendigen Sanierungen einiger Immobilien, andere stehen leer, aber werden als Auslagen genutzt und es gibt Ladenflächen, die unvermietet leer stehen.

Auch in Riesa ist die Pandemie nur einer von vielen Faktoren, sagt Anja Dietel und freut sich über die Neueröffnung eines Stoff- und Handarbeitsladens im Februar 2021 und über ein Modegeschäft, das sich sogar vergrößert hat. Dennoch machen die Coronakrise und der verstärkte Onlinehandel die Hauptstraße zum Fördergebiet. Unter dem Motto „Lebendige Zentren“ hat die Stadt ein Konzept gegen den Leerstand auf den Weg gebracht. Der Einzelhandel, die Gastronomie und das Gewerbe sollen gestärkt werden.

Alternative Nutzungen gibt es auch auf der Hauptstraße mit Gewerben, die nicht zum klassischen Handel gehören, wie Versicherungen, Anwälte und Steuerberater. „Angesichts der Dimension der 1,5 Kilometer langen Hauptstraße in einer Stadt mit unter 30.000 Einwohnern kann nur dieser Mix erfolgversprechend sein“, sagt Anja Dietel.

In Meißen sieht es besser aus. Zwar gab es in den vergangenen zwei Coronajahren weniger Neuvermietungen als zuvor. „Der positive Trend, der 2019 mit 17 Geschäften den Höhepunkt erreichte, ging natürlich zurück“, sagt der Wirtschaftsförderer von Meißen, Martin Schuster. Trotzdem eröffneten 2020 vier und im letzten Jahr sogar acht neue Geschäfte in der Altstadt. Auch für 2022 seien bereits neue Projekte bekannt.

Leerstehende Gewerbeimmobilien würden kontinuierlich weniger, so Martin Schuster. „Der Handel in Meißen wird zumeist von inhabergeführten Geschäften und Gastronomie geführt und diese stehen mit anderem Engagement dahinter als es in großen Handelsketten der Fall ist“, sagt er. Zu pandemiebedingten Schließungen sei es bisher nur sehr selten gekommen.

Die Wirtschaftsförderin von Radebeul, Gabriele Bäßler, verzeichnet derzeit keine coronabedingten Leerstände. „In der Stadt Radebeul haben wir einen vergleichbar geringen Leerstand an Gewerbeobjekten“, sagt sie. Einzelne Einheiten in der Meißner Straße, der Gartenstraße und der Kötitzer Straße sind frei, aber es gäbe Kontakt zwischen interessierten Vermietern und der Stadt.