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Spitzenrotweine vom Laubacher Thonberg

Der Weinberg erhält nach über einhundert Jahren seinen historischen Namen zurück. Und Liebhaber des Traubensaftes ein preisgekröntes Produkt.

Till Neumeister, Weinbauleiter der Sächsischen Staatsweingut GmbH, mit dem neuesten Produkt. Künftig dürfen die Spitzenweine aus Laubach wieder die Herkunftsbezeichnung Thonberg tragen.
Till Neumeister, Weinbauleiter der Sächsischen Staatsweingut GmbH, mit dem neuesten Produkt. Künftig dürfen die Spitzenweine aus Laubach wieder die Herkunftsbezeichnung Thonberg tragen. © Foto: Kristin Richter

Laubach. Nummer 147 war entscheidend. Das sogenannte sächsische Meilenblatt aus dem Jahr 1800, auf welchem nicht nur die traditionsreichen Rebstöcke erkennbar waren, sondern auch klar und deutlich "Thonberg" zu lesen ist. Hier auf dem Laubacher Thonberg war er also tatsächlich angebaut worden! Jener Wein, der bis in die 1880er Jahre gewissermaßen in aller Munde gewesen ist, bevor die Reblaus - so wie in zahlreichen anderen Weinregionen Europas - alle Pflanzen vernichtete und auf dem Hang fortan Obstbäume standen. 

Dabei ist an diesem herrlichen Oktobertag 2020 alles genau vorstellbar. Laubach als beschauliches Weindorf, Rebzeilen und Rebstöcke prägten die malerische Landschaft des kleinen idyllischen Ortes, welcher heute Teil der Gemeinde Priestewitz ist. 

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Eine Gemeinde, der am Donnerstag ein besonderes Geschenk zuteil geworden ist. Denn nach einem Flächentausch mit sächsischen Landwirten, pflanzten die Winzer vom namhaften Schloss Wackerbarth in den Jahren 2011/12 in Laubach nicht nur 30.000 neue Reben. Auf der Gesamtfläche von 6,7 Hektar wachsen seitdem nicht nur Riesling-, Spät- und Weißburgunder sowie Blaufränkisch. Und die Reben finden auf der exponierten Südlage und aufgrund des Wärme speichernden Bodens nicht nur allerbeste Bedingungen, um zu hervorragenden Sektgrundweinen sowie vollmundigen Spitzenrotweinen heranzureifen. 

Nein! Seit Donnerstag ist es amtlich und steht weiß auf schwarz auf den Etiketten der eleganten Weinflaschen: Nach über einhundert Jahren hat der Weinberg seinen historischen Namen zurückerhalten. "Wir freuen uns wirklich sehr, dass unsere Spitzenweine zukünftig wieder ihre alte Herkunftsbezeichnung Thonberg tragen dürfen", sagt Martin Junge. Wie der Sprecher der Sächsischen Staatsweingut GmbH mit Sitz in Radebeul betont, verdankten die Winzer die Wiederentdeckung des Namens der Gemeinde Priestewitz, welche die entscheidenden Hinweise gegeben hätten. Thonberg beziehe sich dabei sehr wahrscheinlich auf die reichhaltigen Tonvorkommen in der Region. "In den Gebieten um Kmehlen und Okrilla gab es ein hohes Aufkommen von rotem Ton! Es ist zu vermuten, dass früher auch auf der Spitze des Thonberges nach dem Baumaterial gegraben wurde", weiß Martin Junge.

Seit Donnerstagmorgen um 8 Uhr wird in Laubach Blaufränkisch gelesen. Der erste offizielle Wein vom Thonberg ist übrigens auch ein limitierter Spätburgunder aus dem Jahrgang 2018.
Seit Donnerstagmorgen um 8 Uhr wird in Laubach Blaufränkisch gelesen. Der erste offizielle Wein vom Thonberg ist übrigens auch ein limitierter Spätburgunder aus dem Jahrgang 2018. © Foto: Kristin Richter

Nun, an diesem Donnerstag gräbt keiner. Stattdessen sind insgesamt 20 Auszubildende und Erntehelfer seit acht Uhr morgens damit beschäftigt, Blaufränkisch zu lesen. Nicht irgend eine Sorte, sondern eine der besten Rotweine, die das Staatsweingut zu bieten hat. „Wir waren von Anfang an vom besonderen Potenzial des Laubacher Weinbergs überzeugt! Der Boden aus Lösslehm verleiht den Reben hier „warme Füße“ – wie wir Winzer sagen. Er kann Wärme und Niederschläge lange speichern und an die Wurzeln abgeben", erklärt Weinbauleiter Till Neumeister. Bis heute präge zudem ein hoher Anteil des namensgebenden Ton den Weinbergsboden. Dank der offenen Lage zirkuliere die Luft auf dem sonnenverwöhnten Hang beständig zwischen den Zeilen und der Wind trockne die Trauben beziehungsweise kühle diese in gewisser Weise ab.

Auch die Blaufränkischen dieses Jahrgangs machen den allerbesten Eindruck. Und haben - jetzt noch als pralle Trauben an den Reben hängend - eine beachtliche Perspektive vor sich. „Dass wir mit unserer Einschätzung richtig lagen, beweisen die Auszeichnungen für unseren Blaufränkisch vom Thonberg in den zurückliegenden Jahren“, erklärt Jürgen Aumüller. Laut dem Chefönologen von Schloss Wackerbarth besteche der Laubacher Rotwein mit einer tollen Komplexität, Tiefe und Dichte. Bei den Oscars der Weinwelt, der AWC Vienna, sowie zwei Jahre in Folge beim renommierten Concours International de Lyon, sei er jeweils mit einer Silbermedaille ausgezeichnet worden.

Victor Seitzinger, Auszubildender im ersten Lehrjahr, darf nun gleich beim Höhepunkt des Weinjahres mitwirken. Seit dem Morgen befördert er Blaufränkisch in den Erntewagen.
Victor Seitzinger, Auszubildender im ersten Lehrjahr, darf nun gleich beim Höhepunkt des Weinjahres mitwirken. Seit dem Morgen befördert er Blaufränkisch in den Erntewagen. © Foto: Kristin Richter

Wer nun den ersten offizielle Wein vom Thonberg verkosten will, muss sich nicht mehr lange gedulden. Nur auf wenige hundert Flaschen begrenzt, handle es sich um einen limitierten Spätburgunder aus dem Jahrgang 2018. Die insgesamt 470 Flaschen seien ab Mitte November im Gutsmarkt von Europas erstem Erlebnisweingut in Radebeul zu einem Preis von 45 Euro erhältlich. Für die besonderen Momente im Leben bieten die Lößnitzstädter Winzer dagegen den exklusiven Rotwein auch als Sonderedition in einer 1,5 Liter Magnum-Flasche an: Ein echte Laubacher Thonberg, begrenzt auf nur 120 Flaschen, für 89 Euro. Wohl bekomm's!

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