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Warum Leerstand so schwer zu managen ist

Rund ein Fünftel an Geschäftsräumen in Großenhains Innenstadt sind ungenutzt. Citymanager Alexander Ehrke will das so nicht stehen lassen.

"Zu vermieten" ist in Schaufenstern leerstehender Geschäfte in Großenhain oft zu lesen. Doch nicht überall. Kontakte zum Eigentümer herzustellen, ist nicht einfach.
"Zu vermieten" ist in Schaufenstern leerstehender Geschäfte in Großenhain oft zu lesen. Doch nicht überall. Kontakte zum Eigentümer herzustellen, ist nicht einfach. © Kristin Richter

Großenhain. Die jüngste Ankündigung, dass der Großenhainer Unternehmer Daniel Bunzel ein einsturzgefährdetes Haus entkernt, abreißt und neu aufbauen will, dürfte bei Alexander Ehrke auf offene Ohren stoßen. Denn der Citymanager, seit gut einem Jahr im Amt, schaut sehr aufmerksam darauf, wie sich die Entwicklung insbesondere der Innenstadt vollzieht. Neben den vielen sanierten Gebäuden sind da eben auch zahlreiche ungenutzte Häuser in oft bedenklichem Bauzustand. Zudem, und das ist beileibe kein Großenhainer Phänomen, sind gerade Geschäfte, aber auch Wohnraum ohne Nutzer.

Im Expertenjargon heißt das Wort "Leerstandsmanagement" - und Alexander Ehrke hat viel Zeit investiert, um die Zahlen für Großenhain zu ermitteln. Seine Analyse: Von 1.148 Wohnungen in der Innenstadt sind rund 890 bewohnt, was einem Leerstand von reichlich 22 Prozent entspricht. Bei gewerblich genutzten Räumlichkeiten sieht es ähnlich aus. Von 214 Einheiten werden 177 genutzt - Leerstand rund 19 Prozent.
"Das sind keine erschreckenden Zahlen", resümiert Alexander Ehrke. Sondern die Bilanz spreche vor allem dafür, dass es die richtige Entscheidung der Stadt war, kein Riesen-Einkaufszentrum auf dem Grünen zu bauen, sondern auf inhabergeführte Läden zu setzen. Denn dort werde die Stammkundschaft gebunden, gebe es emotionale Bindungen zwischen Geschäftsleuten und den Kunden.

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Und doch gibt es relativ große Unterschiede, was den Zustand der Gebäude in der Innenstadt angeht. Während zahlreiche Hausbesitzer in den vergangenen Jahren viel Geld und Mühe in die Instandsetzung gesteckt haben, "gibt es auch extrem sanierungsbedürftige Objekte", so Alexander Ehrke. Das Problem des Citymanagers: Es sei oftmals überaus schwierig, die Eigentümer überhaupt zu ermitteln. Über die Wirtschaftsförderung des Rathauses seien schon einmal 41 Hausbesitzer angeschrieben worden. Die Reaktion war ziemlich ernüchternd. Lediglich sechs Antworten gingen ein. "Warum sich viele nicht melden, kann unterschiedliche Gründe haben", glaubt Alexander Ehrke. Doch gerade für potenzielle Interessenten an einer Geschäftseröffnung ist es von Vorteil, wenn sie nicht lange nach einem geeigneten Objekt suchen müssen. Das Angebot, etwaigen Leerstand zu melden, gibt es inzwischen auf der Homepage der Stadtverwaltung.

Ein Garant für eine mögliche Ansiedlung ist das allerdings nicht. Denn Interessenten haben in der Regel ganz spezifische Vorstellungen von ihrem künftigen Geschäft. Barrierefreiheit, rechtliche Rahmenbedingungen sind zum Beispiel solche Dinge. Hier müssen sich Eigentümer und Mieter treffen - und an dieser Stelle sieht der Citymanager "seinen" Job. Nach seiner Auffassung müsse man auch neue Wege gehen. Denn die "klassische" Innenstadt mit florierendem Gewerbe werde es künftig nur noch eingeschränkt geben. 

Alexander Ehrkes Credo: "Wir wollen, dass die Innenstadt Aufenthaltsqualität bietet." Was zum Beispiel heißt, dass auch Vereine durchaus Geschäftsräume im Stadtzentrum eröffnen können. Gerade junge Leute würden dadurch eventuell angezogen - sofern Begleitangebote wie Cafés ebenfalls da sind. "Da braucht es auch Mut junger Leute, mal etwas zu probieren", sagt Alexander Ehrke. Er wird weiter kurbeln, um die Innenstadt zu beleben - mit verlängerten Einkaufszeiten an jedem 1. Samstag im Monat oder - wie jüngst - mit Kunst- und Kulturangeboten.

Leerstand melden & Gewerbeflächen finden unter: https://www.grossenhain.de/leerstand.html

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