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Weihnachtsbäume trotzen Corona

In wenigen Tagen startet auch in Großenhain der Verkauf von Tanne und Co. Und die Aussichten für das Traditionsobjekt in der Krise scheinen gut.

Noch ist der große Verkauf noch nicht gestartet, aber die ersten Bäume hat Hans-Jörg Winkler von der gleichnamigen Baumschule in Priestewitz schon an die Interessenten gebracht.
Noch ist der große Verkauf noch nicht gestartet, aber die ersten Bäume hat Hans-Jörg Winkler von der gleichnamigen Baumschule in Priestewitz schon an die Interessenten gebracht. © Archivfoto: Kristin Richter

Landkreis. Er könnte in diesem Jahr zur nadligen Bastion werden. Während Weihnachtsmarktbesuche ausfallen müssen, Adventskaffeekränzchen sich zahlenmäßig beschränken sollen und auch noch nicht ganz sicher ist, wo das Krippenspiel eigentlich aufgeführt werden darf, steht er schon jetzt auf vielen Marktplätzen unverwüstlich seinen Mann. Der Weihnachtsbaum, eine Mischung aus wohlriechender Kindheitserinnerung, immerwährender Hoffnung und unerschütterlicher Beständigkeit.

Gerade in diesem sorgengeplagten Jahr könnte die geliebte Institution auch in Großenhain, Priestewitz oder Thiendorf zu neuer Hochform auflaufen. Experten sind zumindest optimistisch, was den Verkauf in gut 3.300 deutschen Weihnachtsbaumbetrieben anbetrifft. Schließlich würden die Leute in diesem Jahr nicht in den Urlaub fahren können und blieben - teilweise notgedrungen - zu Hause. Eigene vier Wände, in denen es gerade jetzt vielleicht nach mehr weihnachtlicher Atmosphäre denn je verlangen würde.

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Die Kehrseite allerdings: Für das traditionsreiche Glück müsse möglicherweise etwas tiefer in die Tasche gegriffen werden. Grund dafür sind laut Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger höhere Kosten wegen der Corona-Pandemie. Für die beliebten Nordmanntannen würden demnach bei bester Qualität zwischen 20 und 27 Euro fällig werden, sagte Geschäftsführer Martin Rometsch. Im vergangenen Jahr habe die Spanne noch zwischen 18 und 23 Euro gelegen. Dieses Mal müssten die Händler nun aber Hygienekonzepte erstellen, mehr Platz vorhalten und falls nötig, auch mehr Personal einstellen. Die gute Nachricht dabei dürfte der Erfahrungswert sein, dass die Preise in größeren Städten in der Regel höher als auf dem Land seien.

Ein Umstand, den Hans-Jörg Winkler nur bestätigen kann. Der Inhaber der gleichnamigen Baumschule in Priestewitz ist bereits eine Woche vorm ersten Advent in Sachen Weihnachtsbäume aktiv. Zwei grüne Kaventsmänner habe er schon für die Meißner Neumarktarkaden besorgt, und bestellt seien ebenfalls schon zwei stattliche Exemplare für das Großenhainer Werner-von-Siemens-Gymnasium. Richtig los ginge dann der Verkauf ab dem zweiten Advent. Dann wären auch all jene Bäume vor Ort, die der erfahrene Gärtnermeister bereits im Sommer auf einer Plantage in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ausgesucht hat. Wahlweise von einem bis 2,50 Meter erhältlich, hätten sie sich prächtig entwickelt und taugten ausnahmslos als Hingucker im Wohnzimmer, auf der Terrasse oder im Vorgarten. Das Beste: "Die Preise werden sich bei uns nicht ändern! Von 20 bis 60 Euro ist alles zu haben", verrät Hans-Jörg Winkler.

Etwas anders müssen angesichts der gegenwärtigen Bestimmungen freilich die Beratung und das Prozedere des Verkaufens sein. Ohne Mund-Nasen-Schutz ginge nichts, und die Einhaltung der vorgeschriebenen Abstände wären Pflicht. Auf dem weitreichenden Areal der Gärtnerei wohl aber kein Problem. "Unsere Kunden wissen ja um die Gegebenheiten, und da wird es sicher auch beim Aussuchen des Baumes keine Schwierigkeiten geben", ist Hans-Jörg Winkler optimistisch.

Einem der schönsten Verkäufe des Jahres sieht auch Professor Dr. Andreas W. Bitter optimistisch entgegen. Der Direktor des Instituts für Forstökonomie und Forsteinrichtung schaut nach eigenem Bekunden mit wachsamen Augen auf all das, was im Familienunternehmen Zeißholz bei Bernsdorf wächst. Ab 4. Dezember würden die Ergebnisse wieder von Studenten professionell verkauft. Auf dem Parkplatz des Großenhainer Edeka-Marktes von John Scheller bieten sie bis zum 23. Dezember Blaufichten und Nordmanntannen an. Selbstverständlich, so Andreas W. Bitter im SZ-Gespräch am Donnerstag, berücksichtige man dabei die aktuelle Lage. Gewählt und gekauft müsse mit Mund-Nasen-Schutz und im sogenannten Einbahnstraßensystem werden. Links ginge es rein, rechts raus, und in der Mitte würde ausgeteilt, was vorher aus dem breiten Angebot als schön befunden worden ist.

Ein Urteil, nachdem in der Vergangenheit in der Lampertswalder Gärtnerei von Jana Rennert-Vetter stets selbst Hand angelegt werden konnte. Liebhaber von Blau- und Rotfichten sowie Nordmanntannen konnten ihre Auserkorenen nämlich hier bisher immer selbst schlagen. "Das machen wir dieses Mal aber nicht. Die Vorschriften und Regelungen wechseln ständig, und ich habe einfach Angst, dass wir auf dem Gelände nicht alle Leute im Blick haben", bekennt Jana Rennert-Vetter. Kein Kunde müsse jedoch - sie kommen immerhin aus dem Großenhainer Land, Dresden, Radebeul, Riesa und Meißen - Angst haben, nicht den richtigen Begleiter durch die Festtage zu finden. Die Auswahl sei groß, könne ab 10. Dezember selbst in Augenschein genommen und mit nach Hause genommen werden. Weihnachtsbäume, wie sie die Herzen begehren - in diesem Corona-Jahr erst recht.

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