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Wie die Sportler den Lockdown verkraften

KSB-Geschäftsführer Uwe Rimkus: Vernunft, Verunsicherung, aber kein Resignieren stehen im Mittelpunkt. Und Kreativität.

Geschlossen ist zurzeit das Gemeinschaftsgebäude im Großenhainer Sportpark Husarenviertel - die umliegenden Plätze und Hallen sind für den Amateur- und Breitensport tabu. Wie gehen die Sportler im Elbland mit der Situation um?
Geschlossen ist zurzeit das Gemeinschaftsgebäude im Großenhainer Sportpark Husarenviertel - die umliegenden Plätze und Hallen sind für den Amateur- und Breitensport tabu. Wie gehen die Sportler im Elbland mit der Situation um? © Norbert Millauer

Landkreis. Sie sind neben gastronomischen und kulturellen Einrichtungen mit am meisten vom Corona-Kahlschlag seit Monatsbeginn betroffen: Tausende Sportlerinnen und Sportler dürfen derzeit weder trainieren noch Wettkämpfe bestreiten - sofern sie Amateur- oder Breitensportler sind. Stadien und Hallen sind tabu. Eine harte Entscheidung, vielen unverständlich. Doch auch das ist Fakt: In einigen Vereinen des Elblandes hat es Corona-Fälle gegeben.

Wie aber gehen die Sportvereine mit der jetzigen Situation um? Uwe Rimkus, amtierender Geschäftsführer des Kreissportbundes (KSB) Meißen, hat auf Fragen der SZ geantwortet.

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Herr Rimkus, was überwiegt momentan: Enttäuschung oder Verständnis bzw. Vernunft?

Das ist wie bei allen Menschen auch bei unseren Vereinen ganz unterschiedlich – sie sind ja auch ein Querschnitt der Gesellschaft. Es werden von den Vereinen sowohl Enttäuschung geäußert als auch Verständnis für die momentane Situation aufgebracht. Vor allem jetzt, wo es doch im eigenen Verein oder Freundes- und Bekanntenkreis immer häufiger positiv getestete Personen gibt, spielt die Vernunft eine große Rolle.

Welche Fragen oder Probleme werden derzeit hauptsächlich an den KSB herangetragen? Oder anders: Welche Stimmung bei den Mitgliedern kommt bei Ihnen an?

Man versucht, sich gegenseitig Mut zuzusprechen und den Optimismus siegen zu lassen. Immer wieder gibt es ganz spezielle Anfragen. Denn selbst, wenn man die Verordnung kennt, ist die Deutungsfreiheit recht groß. Müsste ich die Stimmung der Anfragenden auf den Punkt bringen, würde ich sagen: etwas verunsichert, das ist aber nicht die Stimmung aller Vereine.

Wie hat sich Corona mit all seinen Folgen auf den KSB und die Vereine ausgewirkt? Gibt es Tendenzen, dass Vereine vor dem Aus stehen oder ein Mitgliederschwund zu verzeichnen ist?

Es gibt Vereine, die bereits beim ersten Lockdown einen Verlust an Mitgliedern verzeichnen mussten. Gerade Vereine, die eigene Vereinsheime oder Hallen etc. besitzen, waren deshalb auf finanzielle Unterstützung angewiesen, um die laufenden Betriebskosten decken zu können. Aber es muss festgehalten werden, dass die meisten Mitglieder sehr wohl den Unterschied zwischen „Kunde“ und „Mitglied“ sein verstehen und ihren Verein auch in solchen Zeiten durch ihren Mitgliedsbeitrag unterstützen.

Welche Anstrengungen und Möglichkeiten zur Unterstützung der Vereine gibt es beim KSB Meißen - und zwar finanziell, moralisch und organisatorisch?

Unsere Förderangebote auf Landes- und Landkreisebene stehen den Vereinen unabhängig von Corona zur Verfügung. Hier wurden aufgrund der momentanen Situation auch enge Bestimmungen in den Förderrichtlinien zugunsten der Vereine „aufgeweicht“.

Es gibt die Soforthilfe des Freistaates Sachsen als finanzielle Unterstützung für existenzielle Bedrohung.

Moralisch und organisatorisch bieten wir den Vereinen immer wieder unsere Hilfe an. Egal, ob bei der Unterstützung von Onlineangeboten, Vermittlung von Abnehmern des Deutschen Sportabzeichens, Auskunft zu den neuesten Verordnungen und wie wir diese im speziellen Kontext einordnen. Wir versuchen, je nach Bedarf des Vereins zu helfen – Hilfe zur Selbsthilfe auch in Zeiten von Corona. Ein kleiner Lichtblick und eine Entschädigung für die zahlreich ausgefallenen Sportveranstaltungen ist zum Beispiel unser Online-Kindersportwettbewerb.

Was entgegnen Sie Vereinen - und hier speziell Trainern und Eltern von Nachwuchsathleten, die von einem „verlorenen“ Jahr sprechen? Spüren Sie auch eine gewisse Erwartungshaltung oder eher Resignation?

Es gibt niemanden, der nicht in irgendeiner Hinsicht betroffen ist. Solange alle Nachwuchsathleten gesund sind, ist die Welt doch in Ordnung. Angenommen, es würden weiterhin leichtfertig Wettkämpfe stattfinden und eine Vielzahl von Athleten sich anstecken und mit schweren Symptomen erkranken, wäre das doch viel schlimmer, als „verlorengegangene“ Zeit in Hinblick auf Leistungszuwachs und Medaillen.

Die Situation erfordert neue Gestaltungsformen des Sportlebens: Welche Erfahrungen wurden da in diesem Jahr gesammelt (z. B. diverse „Challenges“ per Internet etc.)? Und gibt es neue, andere Ideen?

Unsere Vereine waren auch hier sehr kreativ und haben Online-Wettbewerbe, Online-Training, Übungsvideos über WhatsApp etc. aus dem Boden gestampft. Klar, es wäre allen lieber, zusammen zu trainieren und die Gemeinschaft eines Sportvereins direkt ohne digitale Übertragungswege zu erleben. Aber es hat sich gezeigt, dass die meisten es gut verstehen, auch aus einer nicht sportlichen Herausforderung das Beste zu machen. Unser Vorschlag ist es, in diesen Zeiten auch mal sporttheoretische Inhalte zu vermitteln. Unsere Bildungsangebote finden größtenteils statt, und über zahlreiche Teilnehmende sowohl bei unseren Bildungsangeboten als auch bei unserem Kindersportwettbewerb würden wir uns freuen.

Ungeachtet dessen: Werden Veranstaltungen, Weiterbildungen etc. für 2021 dennoch zumindest erst einmal geplant?

Ja, wir planen alle unsere Veranstaltungen wie 2019/20 auch für 2021 und denken jetzt schon darüber nach, unter welchen Bedingungen was stattfinden kann und was wir anders umsetzen können.

Inwiefern ist eine „Kontaktpflege“ mit den Vereinen, Förderern und Partnern derzeit überhaupt möglich?

Wir sind via E-Mail, per Telefon und eben auch über vorher abgesprochene Online-Meetings erreichbar. Das sind auch die Wege, auf denen wir versuchen, unsere Kontakte zu pflegen. Ebenso sind persönliche Beratungen in der Geschäftsstelle mit vereinbarten Terminen möglich.

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Uwe Rimkus ist amtierender Geschäftsführer des Kreissportbundes Meißen.
Uwe Rimkus ist amtierender Geschäftsführer des Kreissportbundes Meißen. © Foto: privat

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