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Wie weihnachtlich wird Großenhain sein?

Nachdem Corona dem Marktkonzept einen Strich durch die organisatorische und wirtschaftliche Rechnung machte, bemüht sich die Stadt um Alternativen.

Ein Bild, was es in diesem Jahr so nicht geben wird: Zahlreiche Besucher beobachteten 2017 den traditionellen Stollenanschnitt mit Bäcker Sebastian Faust und Großenhains OB Sven Mißbach.
Ein Bild, was es in diesem Jahr so nicht geben wird: Zahlreiche Besucher beobachteten 2017 den traditionellen Stollenanschnitt mit Bäcker Sebastian Faust und Großenhains OB Sven Mißbach. © Foto: Kristin Richter

Großenhain. Weihnachtlich ist es Matthias Schmieder bereits seit September ums Herz. Und sorgenvoll sowieso. Der Leiter des Geschäftsbereiches Stadtkultur und Kultur macht an diesem Mittwochvormittag keinen Hehl daraus, dass ihn die Absage des Weihnachtsmarktes emotional keineswegs kalt lässt.

Ganz im Gegenteil! Seit Monaten hätten er und seine Mitarbeiterin Petra Stübner gemeinsam mit Kulturkoordinator Jörg Withulz sowie Händlern, Gastronomen und den Mitgliedern von Großenhain aktiv e. V. um eine machbare Lösung gerungen. "Schließlich geht es hier nicht um irgendetwas! Nein, es geht um ein großes Stück Tradition, ein Lebensgefühl und natürlich um eine Einnahmequelle, auf die viele wirtschaftlich Selbstständigen angewiesen sind", erklärt Matthias Schmieder. 

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Als die sogenannten Inzidenzzahlen im Landkreis noch im Keller gewesen seien, habe man sich gemeinsam mit 22 Händlern zum ersten Mal getroffen. Zwar wäre auch an jenem 10. September schon klar gewesen, dass es aufgrund geltender Coronaschutzverordnungen und einzuhaltender Hygienebestimmungen sicherlich keiner der üblichen Märkte sein würde.

Doch es habe Einigkeit darin bestanden, das Allerbeste zu versuchen. Abstandsregelungen von Hütten, in denen Speisen ausgereicht werden, von rundum sechs Metern und drei Metern bei allen anderen seien dann bei der nächsten Zusammenkunft im Oktober spruchreif gewesen.

Nicht mehr jeder der Händler habe schon damals aus finanziellen Gründen - und angesichts der weiter steigenden Coronazahlen und damit einhergehender Auflagen des Gesundheitsamtes - eine erarbeitete Variante mitgetragen. Eine, die wie auch in den sozialen Netzwerken vorgeschlagen, komplett auf  Entzerrung setzte. 

Praktisch bedeutete das: Das vorweihnachtliche Treiben hätte - wie auch in den Jahren zuvor - vorrangig auf dem Hauptmarkt stattgefunden. Darüber hinaus sollten Hütten auf dem Frauenmarkt aufgestellt werden. Während die Bühne direkt am Rathaus postiert worden wäre, um lediglich davor die Besucher anzulocken, habe man drum herum auch einige Hütten platziert. „Von den Stadttoren haben wir uns allerdings verabschiedet und auch vom Unterstand unterm Baum“, verrät Matthias Schmieder. 

Abgesehen davon, dass die Gäste ohnehin auf die Rodelbahn verzichten müssten, die Backstube in diesem Dezember leider nicht ihren Dienst aufnehmen würde und die Händler wegen der täglich schwankenden Infektionszahlen keinerlei realistische Kalkulationen vornehmen könnten. Die größte Herausforderung habe von Anfang an in der Einhaltung der Abstände, der Erhebung der Kontaktdaten und der Durchsetzung der Hygienemaßnahmen gelegen.

 „Entsprechend der Verordnung vom Oktober waren zwei Quadratmeter pro Besucher vorgesehen. Also hätten wir maximal 500 Gäste einlassen können, die natürlich auch alle ihre Kontaktdaten hinterlassen müssten“, rechnet Matthias Schmieder vor. Dass dafür extra Personal eines Sicherheitsdienstes für eine fünfstellige Summe hätte beauftragt werden müssen - auch das habe man im Fall der Fälle gern in Kauf genommen.

Doch dann seien die Bedingungen plötzlich immer komplizierter geworden. "Als wir uns das letzte Mal mit den Händlern getroffen haben, winkten einige bereits ab! Wir hätten nur noch maximal einhundert Leute in das abgesperrte Areal lassen dürfen und konnten aber auch keinerlei Garantie geben, wie viele Großenhainer und Gäste der Stadt zu dem Zeitpunkt wirklich gekommen wären", bekennt Matthias Schmieder. Namhafte und erfahrene Geschäftsleute wie die Bäckerei Brodauf oder der Zabeltitzer Likörhersteller Rene Werft hätten schließlich die Hände gehoben und bei allem guten Willen unter unternehmerischen Gesichtspunkten ihre Teilnahme abgesagt. 

Entscheidungen, welche die Verwaltung an diesem Mittwochvormittag im November durchaus nachvollziehen kann. Man habe es sich alles andere als leicht gemacht und aufmerksam verfolgt, wie andere Städte - von Dresden über Öhringen, Leipzig, Nürnberg oder Riesa - das Problem anpacken. Eine probate Lösung hätten wohl alle momentan nicht parat. Erst recht nicht, weil die aktuelle, bis Ende November geltende Schutzverordnung, sowieso keine Weihnachtsmärkte gestattet. 

Allerdings: Auch wenn in diesem Coronajahr alles anders sein mag - der adventliche Dezember kommt bestimmt und mit ihm die Sehnsucht der Großenhainer nach weihnachtlichem Flair. "Genau das können wir auch gut nachvollziehen und deshalb bemühen wir uns nun auch, Alternativen zu finden! Wir suchen wirklich händeringend nach Lösungen, weil wir wissen, dass die Händler existenziell darauf angewiesen sind", versichert Matthias Schmieder.

Überall dort, wo Strom anliege, gebe es beispielsweise die Möglichkeit, im kleinen Umfang eine von den Händlern selbst betriebene und ausgestaltete Hütte zu platzieren. Vor dem Rathaus, dem Einkaufslädchen Kirst & Co, auf dem Frauenmarkt, dem Neumarkt oder auf dem Schlossplatz könnten sie zu finden sein. 

In welcher Form, wie viele es tatsächlich am Ende sein werden, könne man jetzt aber noch nicht sagen. Fest stehe lediglich, dass die festliche Straßenbeleuchtung brennen wird und der am 11. November aus Großthiemig gelieferte Baum auf dem Hauptmarkt geschmückt sein werde.

Bleibt schließlich die entscheidende Frage offen: Was wird mit ihm, der nicht nur die Herzen von Kindern höher schlagen lässt? Darf er im roten Mantel und mit sowieso weißem dichten Bart vor Mund und Nase nicht doch durch die Großenhainer Gassen laufen oder in irgend einer anderen - hygienisch einwandfreien Form - die Wünsche der Kinder einsammeln? 

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