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ZDF-Filmfamilie in Großenhainer Kino

Mit einem Kind losgezogen und mit zwei Töchtern zurückgekommen: Über ihre 1.068-tägige Reise durch Asien berichtet das Paar am Freitag in Großenhain.

Salima Oudefel und Timo Götze mit ihrer Tochter Emilia am Strand. Im November 2016 hat das junge Paar aus Bad Schwalbach seine Reise begonnen. Nach ihrer Rückkehr entstand ein Dokumentarfilm.
Salima Oudefel und Timo Götze mit ihrer Tochter Emilia am Strand. Im November 2016 hat das junge Paar aus Bad Schwalbach seine Reise begonnen. Nach ihrer Rückkehr entstand ein Dokumentarfilm. © Salima Oudefel und Timo Götze

Großenhain. Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen. Für Salima Oudefel und Timo Götze war es damit nicht genug. All das, was das junge Paar aus dem hessischen Bad Schwalbach auf seiner Tour durch Asien erlebt hat, ist in einem mehrstündigen Filmmaterial verewigt. Genug Erlebnisse, interessante Erfahrungsberichte, Einblicke in freudvolle, aber auch bittere Stunden und nicht zuletzt sehr persönliche Momente, die schließlich in eine mitreißende Dokumentation gemündet sind. Eine, über die Ende September sogar im ZDF in der Sendung "Hallo Deutschland" berichtet wurde und die nun in Anwesenheit der Familie in voller Länge im Großenhainer Kino zu sehen sein wird.

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Eine Familie, die sich im November 2016 in ein großes Abenteuer gestürzt hat. Nach der Geburt ihrer Tochter Emilia war der selbstständige Landschaftsgärtner gemeinsam mit seiner Frau Salima gerade erst in eine größere Wohnung gezogen. Wegen der Betreuung der Kunden oft tagelang unterwegs, habe er instinktiv gespürt, dass die Zeit für die Familie häufig viel zu kurz gekommen sei.

Gemeinsam habe man deshalb mutig entschieden, was viele andere Paare in ähnlichen Situationen so wohl nicht gewagt hätten: Die beiden jetzt 40-Jährigen trennten sich von ihren Jobs, den Möbeln und dem Auto, verkauften Einrichtungsgegenstände und überflüssige Kleidung. Der Vertrag für die eben eingerichteten vier Wände wurde wieder gekündigt, um für unbestimmte Zeit durch Asien zu reisen.

Auch wenn viele Freunde und Bekannte sie glatt für verrückt erklärt hätten, mit einem fünf Monate alten Baby in die Welt zu ziehen, hörten sie dennoch auf ihre innere Stimme und verließen Deutschland. "Eine gewisse Vorsicht war und ist auch heute noch immer vorhanden! Doch wir sind der Meinung, dass man vieles zumindest gut planen kann", bekennt Salima Oudefel.

Geplant sei vor allem gewesen, gewissermaßen touristisch unterwegs zu sein, für ein paar Monate lediglich. Dass mehrere Jahre daraus werden, kann niemand ahnen. Wie in normalen, bisherigen Urlauben auch, habe man sich in Ländern wie Indien, Kambodscha, Malaysia und Thailand die einschlägigen Sehenswürdigkeiten angeschaut.

Ausgestattet mit einer noch vor dem Abflug gekauften DSLR-Kamera, mit welcher man Fotos und Videos machen kann, habe man zunächst eine Art Reisetagebuch führen wollen. "Wir wollten für unsere Tochter festhalten, wie die Reise sie in ihrer Baby- und Kleinkindzeit prägen würde. Aber letztlich gab es so viele spannende Erlebnisse, bewegende Begegnungen, dass über 300 Stunden an Videomaterial zusammengekommen sind", verrät Timo Götze.

Mit ihrem Tuk Tuk bereiste die Familie sechs verschiedene Länder. Insgesamt war sie mit dem besonderen Gefährt 6.014 Kilometer unterwegs.
Mit ihrem Tuk Tuk bereiste die Familie sechs verschiedene Länder. Insgesamt war sie mit dem besonderen Gefährt 6.014 Kilometer unterwegs. © Salima Oudefel und Timo Götze

Mit einem Tuk Tuk - einer motorisierten Autorikscha - werden sie insgesamt gut 6.014 Kilometer zurücklegen. Denn irgendwann sei das Bedürfnis nach mehr gekommen. Nicht nur an der touristischen Oberfläche kratzen, sondern bewusst mit den Einheimischen Kontakt suchen und mit ihnen zusammen statt abgeschirmt in Hotels leben.

Mehr als die Hälfte ihrer gesamten Reisezeit verbleiben die Abenteurer dabei in Sri Lanka. Sie treffen dort auf Menschen, die durch den Tsunami 2004 ihre Liebsten verloren haben, arbeiten auf einer Kokosnuss-Plantage, werden von einer Mönchsschule eingeladen, um bei ihnen einige Wochen zu wohnen. Sie begleiten einen Muscheltaucher bei seiner Arbeit im Meer und finden sich aufgrund der Einladung zu einer Trauerfeier der verstorbenen Tamil Tigers - eine militante Separatistengruppe, die im Nordosten Sri Lankas für ein unabhängiges Heimatland für Hindu-Tamilen kämpfte - unwissentlich in der lokalen Zeitung wieder.

Salima Oudefel und Timo Götze mit ihrer Tochter Emilia zu Gast bei der Familie der Muscheltaucher, dessen Arbeit im Meer die Reisenden näher kennenlernen durften.
Salima Oudefel und Timo Götze mit ihrer Tochter Emilia zu Gast bei der Familie der Muscheltaucher, dessen Arbeit im Meer die Reisenden näher kennenlernen durften. © Salima Oudefel und Timo Götze

Der selbst produzierte und aus eigenen Mitteln finanzierte 113-minütige Film zeigt aber nicht nur die freudvollen Stunden der familiären Auszeit. Gänsehautmomente entstehen beim Zuschauer etwa dann, als Salima Oudefel am lebensgefährlichen Denguefieber erkrankt. Als die Reise kurz vor dem Abbruch steht, findet das Paar Hilfe bei einer einheimischen Familie, die ihr in dieser schwierigen Situation mit allem, was ihr möglich ist, zur Seite steht. Der Kampf gegen die Erkrankung wird gewonnen und das Schicksal reagiert ausgleichend prompt: im November erblickt die zweite Tochter durch einen ungeplanten Kaiserschnitt in Indonesien das Licht dieser Welt.

Salima Oudefel und Timo Götze machen sich wieder auf den Weg in heimatliche Gefilde. Waren sie zunächst mit einem Kind losgezogen, kehrten sie nun mit zwei Töchtern, Tausenden von Erinnerungen und Eindrücken nach Bad Schwalbach zurück. Mit Unterstützung eines befreundeten Cutters entsteht aus einem siebenstündigen Rohschnitt ein dokumentarischer Streifen mit dem Titel "Auf dem Weg - Wenn Begegnungen verändern".

Am Freitagabend wird der mitreißende Streifen in der Großenhainer Filmgalerie gezeigt und macht vor allem zwei Dinge ganz deutlich: Zum einen, wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen. Und zum anderen, jeder Mensch hat seine ganz eigene Geschichte und es lohnt sich immer, nicht nur nach sichtbaren, in unserer westlichen Welt bekannten, Maßstäben zu urteilen.

Am Freitagabend, 15. Oktober, ist der Film "Auf dem Weg - Wenn Begegnungen verändern" ab 20 Uhr in der Filmgalerie Großenhain, Frauenmarkt 9, 03522 525910, zu sehen. Die Familie wird selbst anwesend sein, wird sich dem Publikum vorstellen und steht für Fragen zur Reise zur Verfügung.

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