merken

Bischofswerda

Großharthau wird Modellgemeinde

In einem Bundesprojekt geht es um Chancen fürs Land und nachhaltige Ortsentwicklung. 27 Kommunen wurden dafür ausgewählt – deutschlandweit.

Das Rittergut ist eines der Vorzeigeobjekte in Großharthau. Die Anlage wurde von einer privaten Gesellschaft saniert. Hinter den jahrhundertealten Mauern entstanden moderne Wohnungen.
Das Rittergut ist eines der Vorzeigeobjekte in Großharthau. Die Anlage wurde von einer privaten Gesellschaft saniert. Hinter den jahrhundertealten Mauern entstanden moderne Wohnungen. © SZ/Uwe Soeder

Großharthau. Manchem Rathauschef wird nachgesagt, er sei beratungsresistent. Großharthaus Bürgermeister Jens Krauße (SPD) gehört nicht dazu. Im Gegenteil. Er freut sich darauf, bald einen Coach an der Seite zu wissen, der ihm und der Gemeinde helfen wird, weiter nach vorn zu kommen. Die Gemeinde Großharthau bewarb sich für das Modellprojekt „Roadshow Nachhaltige Entwicklung“ und wurde als eine von 27 Kommunen deutschlandweit ausgewählt. „Da kommt viel Arbeit auf uns zu“, erwartet Jens Krauße. Aber auch eine besondere Förderung. Vor allem hinsichtlich des Know-how, um die Gemeinde mit neuen, innovativen Ideen für die Herausforderungen der Zukunft fit zu machen. Im Landkreis Bautzen ist Großharthau die einzige Gemeinde, die an dem vom Bundesforschungsministerium geförderten Modellprojekt mitarbeiten wird. In ganz Sachsen sind es vier Kommunen: neben Großharthau die Gemeinde Thallwitz im Norden des Freistaates sowie die Städte Pirna und Schkeuditz.

Anzeige
Durchblättern und viel sparen

Frisch, lebendig und lesefreundlich. Stöbern Sie hier online in den aktuellen Magazinen und Partnerangeboten.

Großharthau bewarb sich vor allem mit seinen Erfahrungen bei der effizienten Nutzung von Energie. Damit verbinden sich Maßnahmen, wie das Dimmen des Straßenlichtes, das Verpachten kommunalen Dachflächen für Photovoltaikanlagen, die Ausweisung von Flächen für die Energiegewinnung im Gemeindegebiet und Anreize, die schon den Grundschülern das Energiesparen nahe bringen. Schalten sie zum Beispiel das Licht aus, wenn sie den Klassenraum verlassen, gibt’s vom Eingesparten am Jahresende 50 Prozent für die Klassenkasse. Zweimal – in den Jahren 2010 und 2013 – wurde die Gemeinde bisher für den Europäischen Energiepreis (EEA) zertifiziert. Die nächste Zertifizierung steht für August dieses Jahres an. Die Teilnahme an einer im Rahmen der Roadshow ausgerichteten Veranstaltung in Leipzig habe ihm gezeigt, dass es noch viele weitere Themen und Projekte gibt, die im Zusammenhang mit dem laufenden EEA- Prozess stehen, sagt Jens Krauße. „Wir möchten dafür weitere Impulse erhalten. Mit unserer Bewerbung hoffen wir auf eine weitere Dynamisierung, die Einbeziehung von Vereinen und die Aktivierung der Bürgerschaft.“ 

Nachhaltigkeit im Fokus

Dabei soll es nicht nur um Energieeffizienz gehen, sondern um eine nachhaltige Dorfentwicklung insgesamt – von der Mitwirkung der Bürger über den Zusammenhalt in der Gemeinde bis hin zu lokalen Herausforderungen beim Klimaschutz. Vor allem in den Bereichen Landnutzung und Wasserinfrastruktur erhofft man sich in Großharthau neue Impulse und Beratungen.

Die „Roadshow Nachhaltige Entwicklung“ präsentiere Forschungsergebnisse, mit denen sich die Ressourcen Land, Wasser und Energie wirtschaftlich nutzen lassen, heißt es in einer Mitteilung des Bundesministeriums und der Forschungseinrichtungen, die das Projekt wissenschaftlich begleiten. Damit gibt sie Kommunen einen Werkzeugkasten in die Hand, mit dem neue Wirtschaftsmodelle, zusätzliche Arbeitsplätze und eine nachhaltige Zukunft möglich werden. Nach der Auswahl der Modellkommunen soll es ab September Telefoninterviews mit den Bürgermeistern geben, um Grundlegendes sowie den ersten Vor-Ort-Termin abzustimmen. Damit nimmt die „Roadshow“ Fahrt auf.