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Händler fühlen sich übergangen

Die Nudelgallery darf vorm Laden keine Gäste bewirten, Besucher kritisieren das Stadtfest als zu fade. Und nun?

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© Kristin Richter

Von Thomas Möckel

Pirna. Helga Queck hatte alles bis ins Detail geplant. Die Mitinhaberin der Nudelgallery „Pasta Saxonia“ an der Ecke Lange Straße/Badergasse wollte zum Pirnaer Stadtfest Kunden mit Brötchen und Kuchen bewirten, für Durstige sollten Getränke bereitstehen. Schöne Verkaufsstände waren schon geordert, die sie auf dem Gehweg, und wenn möglich, auch auf einem Teil der Langen Straße drapieren wollte. Der Freiluft-Verkauf, so hoffte Helga Queck, könne zusätzliche Kunden anlocken, um wenigstens einen Teil der Umsatzeinbußen wettzumachen, die das Geschäft seit dem Beginn der massiven Flutsanierungs-Baustellen in der Innenstadt verzeichnet. Doch dann kam alles anders.

Mitte März hatte die Kultur- und Tourismusgesellschaft Pirna (KTP) Händler und Gastronomen in der Innenstadt angeschrieben, sie könnten, wenn sie wollten, das Stadtfest zusätzlich beleben. Es bestand die Möglichkeit, Tische und Stühle vor den Läden und Lokalen aufzustellen und Gäste zu bewirten – und zwar gebührenfrei. Viele Mitmacher waren durchaus erwünscht. „Es soll ja schließlich ein Fest von Pirnaern für Pirnaer sein“, sagt Sara Händler von der KTP. Eine reichliche Woche vor dem Stadtfest meldete Helga Queck ihre vor dem Laden geplanten Verkaufsstände an – und bekam eine Absage. In der Begründung erfuhr sie, dass ihr Geschäft am falschen Ort liegt, laut KTP gehöre die Lange Straße gar nicht zum Stadtfestgebiet.

Dieser Umstand verwunderte Helga Queck sehr, hatte doch die Stadt im Vorfeld des Stadtfestes werbewirksam angekündigt, zumindest einen Teil der Langen Straße – von der Dohnaischen Straße aus gesehen – zum Stadtfest zu öffnen. Just jener Teil, auf dem die Gattin des Oberbürgermeisters zwei Geschäfte betreibt. Laut KTP habe die Öffnung des vorderen Teils der Langen Straße aber nichts mit persönlichen Verbindungen ins Rathaus zu tun. Grund sei vielmehr die Nähe zu den Stadtfest-Spielorten Klosterhof und Zollhof – weil sich dann auch am Knotenpunkt Lange Straße/Dohnaische Straße erfahrungsgemäß viele Menschen ballen.

Dass die Lange Straße generell nicht zum Stadtfestgelände gehört, hat vor allem finanzielle Gründe. Für jeden Quadratmeter Festfläche muss die KTP Gebühren an die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) zahlen. Da die Besucherströme auf der Langen Straße zum Stadtfest eher mau sind, will sich der Veranstalter das Geld für diese Gegend eher sparen. Die Absage an Helga Queck fußt zudem auf Sicherheitsgründen. Zum einen sollten die Bewohnerparkplätze gegenüber der Nudel-Manufaktur erhalten bleiben, weil Stellflächen im Zentrum wegen des Stadtfestes sowieso schon rar waren. Zum anderen war die Lange Straße die einzige Trasse, aus der der Verkehr aus der Stadt abfließen konnte, da der Markt gesperrt war. Zudem musste die Straße auch als Rettungsgasse frei bleiben. Und weil auch beim Stadtfest der Grundsatz gilt, dass die Feuerwehr mit der Drehleiter jedes Haus erreichen muss, wären Tische und Stühle vor der Nudelgallery aus Sicht der KTP hinderlich gewesen – wegen des großen Wendekreises wäre die Drehleiter im Erstfall womöglich nicht um die Kurve gekommen.

Um nicht gänzlich vom Stadtfest ausgeschlossen zu werden, bot die KTP Helga Queck einen Ausweichort für ihren Verkaufsstand auf dem Markt an. Hätte sie nur ihr Nudelsortiment verkauft, wäre der Standort gebührenfrei gewesen, hätte sie Gäste mit einem Imbiss bewirtet, hätte sie 25 Euro je Quadratmeter Standfläche zahlen müssen. „Im Vergleich von Aufwand und Nutzen war mir das viel zu teuer. Das war keine Unterstützung, wie ich sie mir vorstelle“, sagt Helga Queck. Mit ihrem Ärger ist sie längst nicht allein. In die Kritik der Händler mischt sich nun auch jene einiger Besucher. Gäste empfanden das Stadtfest als zu fade, sie vermissten Schwung, Pep und neue Sachen.

Einigen kam es auch so vor, als wären viel weniger Menschen als sonst auf dem Stadtfest unterwegs gewesen. Die KTP hingegen zieht ein durchweg positives Fazit zum Stadtfest, es sei ein entspanntes Fest mit guter Stimmung gewesen. Laut Sara Händler habe es gegenüber dem Vorjahr auch einige neue Sachen gegeben, die vom Publikum gut angenommen wurden. Auch für die geringer aussehenden Besucherströme gebe es eine Erklärung: Die KTP hatte versucht, Höhepunkte des Festes möglichst auf alle drei Tage gleich zu verteilen, um das Aufkommen etwas zu entzerren und die Ströme gleichmäßig auf die Spielstätten zu verteilen. „Das ist uns gelungen“, sagt KTP-Geschäftsführer Christian Schmidt-Doll. Allerdings konnte dabei schon der Eindruck entstehen, es seien weniger Gäste geworden.

Allerdings zeigt sich der Veranstalter auch offen für Kritik. „Wir sind ja auch stets bemüht, das Stadtfest weiterzuentwickeln“, sagt Sara Händler. Jetzt starten wieder die Auswertungsrunden, jeder kann dabei Vorschläge machen, was noch verbesserungswürdig ist. Danach werde sich laut Sara Händler zeigen, welches Bewährte man beibehält und was man gegebenenfalls neu und anders organisiert.

Helga Queck kann das alles wenig trösten. Zum Stadtfest verkaufte sie notdürftig Ware aus einem Fenster ihres Geschäftes, die erhoffte Zahl der Kunden blieb jedoch aus. „Dieses Stadtfest“, sagt die Geschäftsfrau, „ war für uns der absolute Reinfall.“