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Hafenstadt Pirna

Seit dem 19. Jahrhundert legen in Posta Boote an. Heute könnten es mehr sein. Woran das scheitert, wurde am Sonntag bei Rundfahrten erklärt.

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© Dirk Zschiedrich

Von Heike Sabel

Pirna. Die Orion sticht in See. Die See ist die Elbe und die Orion der über 60 Jahre alte Motorsegler von Markward Hoffmann. Am Sonntag hatte er zum kleinen Hafenfest ab 10 Uhr Fremde an Bord. Ein Stück die Elbe aufwärts, dann zurück in den Hafen. Genug Zeit, um den Ausblick zu genießen und zu erzählen. Der laue Wind trägt den Klang der Glocken von Sankt Marien herüber. Rechts zwei Paddler, links ein anderes Boot. Alle winken sich gegenseitig zu.

Wenn es nach Markward Hoffmann und den anderen Seglern im Sportverein Fortschritt sowie den Pirnaer Wassersportfreunden ginge, könnte auf der Elbe in Pirna viel mehr los sein. Die jetzigen 14 Liegeplätze im Postaer Hafen sind gefragt. Deshalb plant der Verein seit Jahren eine Erweiterung. Zunächst war von 80 Plätzen die Rede, schließlich einigte man sich auf 42. Doch der Hafen-Ausbau ist ein bürokratisches Monster. Der Verein hatte sich lange um Fördermittel der EU bemüht, um den Hafen als grenzüberschreitendes Projekt voranzubringen. Zunächst waren die Pirnaer Stadträte skeptisch und taten sich schwer mit einem Zuschuss aus der kommunalen Kasse, Ende 2012 sagte schließlich die deutsch-tschechische Förderkommission Nein. Der Verein plante trotz der Rückschläge weiter. Richtig Bauchschmerzen bereitet ihm dabei der Schlamm im Hafenbecken. Zum einen ist dessen Entsorgung als Sondermüll teuer, zum anderen gibt es generelle Bedenken gegen das Ausbaggern – wegen einer seltenen Pflanze namens Liegendes Büchsenkraut.

Keine Genehmigung für den Bebauungsplan

Das Kraut hat die besondere Aufmerksamkeit von Umweltschützern und Behörden. Noch immer sei der Bebauungsplan nicht genehmigt, sagt Hoffmann. Wegen des Krautes gab es Nachforderungen. Das Hafenbecken muss ausgebaggert werden, aber das Kraut braucht den Schlamm. Also müssen zum Beispiel durchlässige Gabionen her. Hoffmann und seine Mitstreiter hoffen nun auf baldige Genehmigung. Die rund 2,5 Millionen Euro, die der Hafen-Ausbau voraussichtlich kosten wird, sollen nach wie vor mithilfe einer Förderung finanziert werden. 80 000 Euro hat der Verein schon allein für die Planung ausgegeben. Der Hafen gehört dem Verein, das ist eine große Sicherheit.

Die Elbe ist begehrt in Pirna. Vor allem im Sommer gibt es viele Anfragen für Liegeplätze, für die ganze Saison wie auch tageweise. Bisher müssen die meisten Boote weiterfahren, weil kein Platz ist. Dabei hat der Postaer Hafen Tradition. Im 19. Jahrhundert legten hier sogar große Schiffe an, in den 1920-er Jahren wurde der Verein Albatros gegründet.

Markward Hoffmann sitzt am Ruder, führt es nur ganz sacht. Er ist schon mal bis Prag gefahren, vier Tage. Oder die Elbe abwärts bis hinter Hamburg. Beim Einfahren in den kleinen Hafen kratzt die Schiffsschraube am Grund. Wie als Beweis für die Notwendigkeit des Ausbaggerns. Auf dem Steg stehen schon die nächsten Interessenten. So viele wie diesmal hatten Hoffmann und die anderen drei Bootsführer noch nie. Möge es ein Zeichen an die Politik und die Behörden sein, sagen sie. Das nächste gibt es schon am Sonnabend zum Stadtfest mit einer kleinen Regatta. Dazu werden die Freunde vom Verein aus Dresden-Wachwitz erwartet.