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Hat’s geschmeckt?

Im Internet werden die Restaurants in und um Freital hundertfach bewertet. Wie schneiden sie dabei ab?

© dpa

Von Michelle Bormann

Freital. Da hat wohl jemand seinen Frust rausgelassen: „Sonntags bei 25 Grad ab 17 Uhr wegen Reichtum geschlossen. Unverständlich“, schrieb ein Nutzer vor etwa einem Monat auf dem Internet-Suchdienst Google über das Restaurant Eutschützer Mühle und gab der Gaststätte prompt eine schlechte Bewertung mit nur einem von fünf Sternen. Solche und andere Kommentare über die Restaurants in der Region sind im Internet massenhaft zu finden. „Frühstück ist nicht vielseitig, die Brötchen waren recht hart“, findet man hier. Und: „Es war ein super Essen, eine freundliche Bedienung!“ Mal liest man „Gemütliche Atmosphäre und nette Gastleute“ und dann wieder „Ambiente nicht so toll“. Die Meinungen sind sehr unterschiedlich und die Gastronomen gehen unterschiedlich mit der neuen Form der Kritik um.

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So sehen die Restaurantbewertungen der Region beim Internetsuchdienst Google aus. Die meisten Lokale in Freital und Umgebung schneiden dabei gut ab. Aber es gibt auch Ausschläge nach unten.
So sehen die Restaurantbewertungen der Region beim Internetsuchdienst Google aus. Die meisten Lokale in Freital und Umgebung schneiden dabei gut ab. Aber es gibt auch Ausschläge nach unten. © Koerner, Heidemarie

Es gibt unzählige Meinungsbeiträge und Kritiken auf verschiedenen Internetportalen – sehr beliebt sind booking.com und Tripadvisor. Diese werden immer wichtiger für Dresdner und auch Touristen, um zu entscheiden, wohin man essen geht oder wo man übernachtet. Die Gäste können bewerten, wie sie ihren Aufenthalt in dem Restaurant oder dem Hotel empfunden haben. Die Restaurants in Freital und Umgebung haben im Allgemeinen gute Bewertungen. Die meisten schneiden mit etwa vier von fünf Sternen ab. Beispielsweise hat das Hotel mit dazugehöriger Gaststätte „Zur Linde“ aus Freital eine Bewertung von 4,2 von fünf möglichen Sternen. Besonders gut schnitt die Brasserie Ehrlich in Freital mit 4,9 von fünf Sternen ab. Dagegen haben das Gasthaus Waldhof in Tharandt 3,3 und der Landgasthof Kaufbach in Wilsdruff nur 2,6 von fünf möglichen Sternen auf der Internetseite Google. Sie sind die Restaurants mit den schlechtesten Bewertungen der Region.

„Besser vor Ort klären“

Frank Gliemann, Chef des Gasthofs „Zur Linde“, ist mit der Bewertung seines Hofs nicht zufrieden. Als Gastronom habe man fast keine Chance, sich gegen unfaire Bewertungen zu verteidigen. „Viele äußern sich im Internet nur, wenn sie etwas schlecht fanden. Die meisten sind zufrieden, aber geben keine Bewertungen ab“, sagt er. „Wir sind nur Menschen und wir machen alle kleine Fehler, wie zum Beispiel, einen kalten Kaffee zu servieren. Doch es ist besser, wenn man uns dann vor Ort darüber informiert, dann bekommt man auch gern eine neue Tasse Kaffee“, betont Gliemann,

„Manchmal handelt es sich auch nur um ein Missverständnis.“ Über sein Hotel gab es in der Vergangenheit auch ein paar bizarre Kommentare, wie beispielsweise ein fehlender Aufzug. Der sei bei nur vier Etagen überhaupt nicht nötig, so Gliemann.

Doch nicht alle finden die Bewertungsmöglichkeiten im Internet schlecht. Der Inhaber des Cafés Lehmann, Christof Titrik, findet sie sogar gut, da man sich immer schnell einen Überblick verschaffen kann. „Problematisch ist es nur, wenn man eine Internetseite öffnet und die ersten Kommentare, die man sehen kann, sind nur die schlechten“, sagt er. Titrik bemüht sich, die Kritiken im Internet regelmäßig zu lesen und dann auf unfaire Kommentare zu antworten. Für Inhaber ist es auch möglich, besonders ungerechte Bewertungen auf den Internetseiten löschen zu lassen. Das geht allerdings nur nach einer umfangreichen Prüfung.

Axel Klein, Chef des Deutschen Hotel- und Gasstättenverbandes in Dresden, bestätigt, dass die Online-Bewertungen von Restaurants in den vergangenen Jahren ständig zugenommen haben. „Die Gastronomen müssen lernen, damit umzugehen“, so Klein. Er empfiehlt den Wirten, die Kommentare regelmäßig zu lesen und auf Beschwerden zu antworten. „Auch wenn das wieder viel Zeit kostet, die von der eigentlichen Arbeit abgeht.“

Den Gästen, die sich per Online-Bewertungen über bestimmte Restaurants informieren, empfiehlt er einen genauen Blick. Die negativen Kommentare seien per se in der Mehrzahl. Gelobt werde auf solchen Portalen selten. Das müsse man berücksichtigen.

Die Verbraucherzentrale findet die Portale positiv, wegen des guten Services für die Kunden, warnt allerdings auch vor Missbrauch. Es ist möglich, gute Bewertungen käuflich zu erwerben.

Damit hat auch Frank Gliemann Erfahrung gemacht. Er erzählt, dass er eine E-Mail erhalten habe mit einem Angebot von der Internetseite wecomblue. Dort kann man eine gute Restaurantbewertung für 14,99 Euro kaufen. Das Angebot lehnte er ab. Die gefälschten Bewertungen sind aus Verbrauchersicht nur schwer von authentischen zu unterscheiden. Die gekauften Kundenmeinungen würden als irreführende Werbung angesehen, und dies sei strafbar, so die Verbraucherzentrale. Außerdem gibt es einen gewaltigen Image-Schaden, wenn die Fälschung auffliegt.

Michael Mittag, Chef der Eutschützer Mühle, hat auf die eingangs erwähnte Kritik übrigens ruhig und besonnen reagiert. „Es tut uns leid, dass Sie am Sonntag bei 25 Grad um 17 Uhr vor verschlossener Tür standen“, schrieb er. „Als Familienunternehmen sind wir auf unser motiviertes Personal angewiesen und müssen leider bei den Öffnungszeiten Abstriche machen. Wir möchten es auch den Kollegen ermöglichen, neben der Arbeit, Zeit mit der Familie zu verbringen, um Kraft für die nächsten sechs Tage zu sammeln.“