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Hecht ahoi!

Das Viertel feiert entspannt und ausgelassen. Doch auch hier treiben sich böse Buben rum.

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© Ronald Bonß

Von Kay Haufe

Sie strömten herbei! Und zwar mannigfaltig, genauso, wie es sich die Macher des Hechtfestes gewünscht hatten. Kleine, Große, Tätowierte, vornehme Blasse, mit und ohne Rastalocken, darunter Hunde und solche, die es werden wollen, flanierten am Sonnabend und Sonntag durch die heißen Straßen des Viertels. Gut 10 000 waren es wie in den Vorjahren, die sich von den selbst gebastelten Schlauch-Wassersprühern abkühlen ließen.

Impressionen vom Hechtfest

Wer sich bei kubanischer Musik doch überhitzt hatte, fand wenige Meter weiter ein schattiges Plätzchen im Park vor der St. Pauli-Ruine. Drin wurden die Temperaturen angesichts des Programms verdrängt. Und wenns dann doch zu stickig wurde, ging es wieder hinaus ins Treiben. Dass sich die Sonne kaum in die Häuserschluchten verirrte, war diesmal ein Pluspunkt. So schalteten die Besucher einfach einen Gang runter und genossen das Fest trotzdem in vollen Zügen. Sonya Moses und Ladan Tiracek waren aus Radebeul gekommen, um ausgelassen zu tanzen. „Der Hecht hat die beste Atmosphäre und die beste Musik. Wir treffen hier Freunde“, sagte Ladan. Yvonne Barchmann und Martin Beyer hatten es sich nebenan auf dem Spielplatz Hechtstraße auf einem Sofa bequem gemacht. „Wir wohnen im Viertel und genießen diese Tage“, sagt Beyer.

Deutlich unterbesetzt zeigte sich der Stand der S-Bahn. Dutzende Kinder wollten den grünen Luftballon mit dem großen, weißen S darauf. Ihnen war es piepegal, dass der nahe gelegene Haltepunkt Bischofsweg ein großes Problem mit dem Abstand zur Bahnsteigkante hat. So entging der gestresste Ballon-Aufbläser zwar unangenehmen Fragen, doch die Schlange wurde immer länger.

Die Kinder des Viertels hatten zu Hause offenbar sämtliche Schränke geplündert, so vielfältig war die Auswahl auf ihren Flohmarkt-Decken. Pokemon-Karten, Bücher, Legofiguren und Puppenkleidung fanden sich darauf. Klar, dass ordentlich gefeilscht wurde. Gut gingen Wasserpistolen. Noch begehrter allerdings waren selbst gebastelte Wasserbomben im Luftballonmantel. Die flogen dann auch in manchen Ausschnitt. Doch nach dem ersten Schock kam die Abkühlung meist gut an.

Trotzdem ärgerte sich Maik Schellbach vom HechtViertel-Verein. In der Nacht von Sonnabend zu Sonntag wurden sechs Kabelbrücken auf der Rudolf-Leonhard-Straße geklaut. „Neben der Tatsache, dass dies uns rund 800 Euro kosten wird, ist es auch sehr fahrlässig, ein Starkstromkabel offen auf der Straße liegen zu lassen“, schreibt er auf Facebook. Das Sonntagsprogramm konnte trotzdem wie geplant weitergehen. „Wir haben helfende Hände gefunden“, sagt Schellbach. Mit der erstmals zusätzlichen Bühne auf der unteren Hechtstraße hat er gute Erfahrungen gemacht. „So haben wir mehr Bewegung auf den Straßen, es ballt sich nicht so stark an wenigen Punkten“, sagt er.

So wurde denn der Hecht tatsächlich ein friedlicher Hort der Glückseligkeit und des bunten Straßenspektakels, wie im Programm gewünscht. Ole, Edgar und Alwin haben inzwischen auch schon ihre Einnahmen gezählt. Mit aufgespießten Fruchtgummis haben die drei Freunde ordentlich Kasse gemacht. 50 Cent für den kleinen Hunger, einen Euro für große Lust auf Süßes – das fand guten Absatz. Und so bleibt nur, weiterzugeben, was die sechsjährige Mireen ihrer Mutter sagte: „Die Straßen sind ohne Autos und voller lachender Menschen viel schöner als sonst. Warum bleibt das nicht immer so?“