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Heinz Kahlau

Als Auflagen-Millionär hält Heinz Kahlau die Spitzenposition unter den lebenden deutschen Lyrikern. Obwohl in rund 120 Gedichtbänden präsent, ist Kahlau aber im Westen bis heute wenig bekannt. Ob der...

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Als Auflagen-Millionär hält Heinz Kahlau die Spitzenposition unter den lebenden deutschen Lyrikern. Obwohl in rund 120 Gedichtbänden präsent, ist Kahlau aber im Westen bis heute wenig bekannt. Ob der von seinem „Hausverlag“ Aufbau als vorfristiges Geburtstagsgeschenk vorgelegte Band „Sämtliche Gedichte“ an der Schieflage etwas ändert, lässt sich schwer voraussagen.

Nach 50 Jahren hat sich Kahlau, der heute 75 wird, aus Berlin nach Usedom zurückgezogen, wo er weiter schreibt. Der nahe Potsdam aufgewachsene Autodidakt verstand sich stets als Autor für Jedermann und fand, „die Leute sollen verstehen, was ich sagen will.“ Selbstabrechnung, Altersängste, Tod und Gottesglaube, Wiedervereinigung oder Terrorismus – kein Problem, auf das er sich nicht seinen Reim macht, wie in Texten neueren Datums nachlesbar.

In der DDR hat er als Verteidiger der Idee eines menschenfreundlichen Sozialismus seine SED-Genossen mit politisch zugespitzten Versen oft verärgert, andererseits zum Mauerbau auch den Agit-Prop-Text geschrieben: „Da schlossen wir die Grenzen und keiner hat's gewusst. Klappe zu, Affe tot. Endlich lacht das Morgenrot.“

Kahlaus „Du“, erschienen Anfang der 70er-Jahre, wurde zum Kultbuch und nutzbar als Lebenshilfe, Glücksbringer und Seelentrost. 250 000 Exemplare umfasst die Gesamtauflage bis heute. (dpa)