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Hier liegt das Hab und Gut der Döbelner

Der riesige Müllberg auf dem Steigerhausplatz wächst weiter. Wer die Entsorgung zahlt, ist noch unklar.

© André Braun

Es sieht auf den ersten Blick nicht so aus und doch versuchen die Baggerfahrer auf dem Steigerhausplatz, Ordnung ins Chaos zu bringen. Hier landet seit Tagen das Hab und Gut der Döbelner aus der Innenstadt, das nach dem Hochwasser nur noch Müll ist. Die Stadt Döbeln hatte den Platz als Zwischenlager für den Abfall ausgewiesen, damit auf der Muldeninsel Platz wird.

Die Laster kommen im Minutentakt und bringen aufgequollene Möbel, Treibgut, Ladeneinrichtungen und Küchengeräte. Der Haufen wächst täglich – obwohl gleichzeitig abtransportiert wird. Während ein Bagger den Müllberg zusammenschiebt, schichtet der andere ihn noch höher und der dritte lädt den Sperrmüll in Container. Mülltrennung ist dabei nur schwer möglich. Trotzdem wird versucht, separate Haufen zu schichten. Wenigstens die Elektrogeräte – Kühlschränke, Waschmaschinen und Computer – sollen vom Rest getrennt werden.

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Während die Entsorgungsfirmen Becker, Fair und die Entsorgungsgesellschaft Döbeln (EGD) den Transport aus der Stadt heraus übernehmen, sind 15 weitere Containerdienste unterwegs und „beliefern“ den Steigerhausplatz oder stellen Container in den anderen Orten auf, wie zum Beispiel in Klosterbuch. Auch Privatpersonen können hier ihren Müll abgeben. Wie Jens Irmer, Chef der Entsorgungsdienste Kreis Mittelsachsen (EKM) erklärte, kontrolliert jedoch die Polizei, damit niemand den Entsorgungsservice missbraucht. Auch die Abfallanlage in Hohenlauft nimmt Müll an.

Seit drei Tagen sind zehn bis 15 Fahrzeuge fast rund um die Uhr im Einsatz, um den Sperrmüll aus Döbeln abzuholen und in die Verwertungsanlagen zu fahren. Der Restmüll kommt nach Chemnitz, der Sperrmüll wird in Zwickau entsorgt. Noch gestern wurde überlegt, ob auch am Sonntag gefahren werden soll. „Wir würden den Anwohnern aber auch gern ein wenig Ruhe gönnen“, so Irmer.

In ein Fahrzeug passen bis zu 40 Tonnen Abfall. Zum Jahrhunderthochwasser 2002 waren innerhalb von vier Tagen 18 000 Tonnen Sperrmüll in der Abfallanlage in Hohenlauft zusammengekommen. Das ist so viel, wie sonst in einem ganzen Jahr anfällt. Innerhalb weniger Tage war der Deponieberg um fünf Meter gewachsen.

Wie viel Müll in den vergangenen Tagen schon entsorgt worden ist und wie viel noch auf dem Steigerhausplatz herumliegt, kann Irmer nicht sagen. Auch wie hoch die Kosten für die EKM sind, die durch die Entsorgung entstehen, könne er noch nicht einschätzen. Es wird aber eine hohe Summe zusammenkommen. „Wir sind zurzeit in Gesprächen mit dem Freistaat, inwieweit eine Kostenübernahme erfolgen kann“, so der Chef der Entsorgungsdienste.

An ein paar Stellen mussten Proben genommen werden, weil der Verdacht bestand, dass der Müll belastet ist und gesondert entsorgt werden muss. Dazu gehört zum Beispiel der Sand auf dem Spielplatz Am Lindenhof in Roßwein. Der wird komplett ausgebaggert und durch neuen ersetzt. Zur Flut 2002 hatte das Gesundheitsamt dort Proben genommen und Arsen nachgewiesen. Dieses Mal wird der Sand gleich ausgetauscht.

Wie die Stadt Döbeln gestern mitgeteilt hat, werden heute die letzten Schlamm- und Sperrmüllhaufen abgefahren. Die Organisation der Hochwasserberäumung durch die Stadtverwaltung endet zu dem Zeitpunkt. Vom Hochwasser Betroffene, die am Sonntag noch Sperrmüll beräumen möchten, werden gebeten, sich eigenständig von einem Containerdienst einen Container zur Verfügung stellen zu lassen. Der Abtransport erfolgt dann in der bisherigen Weise.

Während der Hochwassermüll eingesammelt wird, läuft die normale Müllentsorgung weiter.