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Volksbank ist Nummer zwei in Ostdeutschland

Mehr Geld bewegen regionale Kreditgenossenschaften sonst nur in Berlin.

Die Vorstände der Volksbank Dresden-Bautzen Tilman Römpp, Remo Teichert und Thomas Müller (von links) haben jetzt in Bautzen die aktuellen Zahlen des Kreditinstituts vorgestellt. © SZ/Uwe Soeder

Dresden/Bautzen. Am Ende der Bilanzvorlage für 2018 einigte sich der dreiköpfige Vorstand der Volksbank Dresden-Bautzen dann doch, vom „sehr guten Jahr“ zu sprechen – wie Sprecher Thomas Müller. Zuvor hatten dessen Mitstreiter Tilman Römpp und Remo Teichert das erste Jahr nach der Fusion der Genossenschaftsbanken nur als „zufriedenstellend“ und „gut“ abgehakt. Rund eine Million Menschen leben im Gebiet der Volksbank Dresden-Bautzen, deren Einzugsbereich von Altenberg im Osterzgebirge bis ins Lausitzer Seenland reicht.

Die Zahlen belegen Müllers Diktion: Die Bilanzsumme kletterte um elf Prozent auf 2,15 Milliarden Euro, was dem Kreditinstitut unter 900 deutschen Kreditgenossenschaften einen Platz „zwischen 100 und 130“ einbringt, so Müller – und im Osten, außer Berlin, die Spitze. Bei den meisten Kennziffern konnte die Bank zulegen, trotz anhaltender Niedrigzinsen, europäischer Regulatorik, Herausforderungen der Digitalisierung. So wuchsen Zins- und Provisionsüberschuss, Spareinlagen, Wertpapiergeschäft – und dank anhaltender Nachfrage nach Baufinanzierung auch die Kredite. Vom Neugeschäft für 175 Millionen Euro sind allein 35 Millionen für Neubau, Sanierung und Kauf von Wohnraum bestimmt. Dort sieht Vorstand Remo Teichert „auch in den nächsten Jahren Wachstumschancen“.

Es sei gelungen, sich am Markt zu behaupten und sich zu modernisieren, sagt Thomas Müller. „Wir haben mit der Verschmelzung zur richtigen Zeit das Richtige getan“, so der Vorstandssprecher. Jetzt würden die Früchte eingefahren. So könne man nun als größere Einheit Kredite bis zu dreizehn Millionen Euro vergeben.

Während die Zahl der Genossenschaftsmitglieder auf fast 44 500 und die der Geschäftskonten auf gut 15 600 kletterten, schrumpfte die der Privatkunden. Das habe weder mit Strategiewechsel zu tun, noch mit der Gebührenerhöhung im Herbst, beteuert der Vorstand. Sie sei als teilweiser Zinsersatz nötig gewesen, sagt Müller und: „Bei den Kunden ist die Einsicht da, dass wir die Ertragslage im Lot halten müssen.“

Nur bedingt Verständnis

Das Verständnis gibt es für den Filialabbau nur bedingt. Unlängst hieß es, dass zwei Filialen im Dresdener Osten sowie in Bretnig-Hauswalde und Großröhrsdorf mangels Nutzung zusammengeführt werden. Anderswo, so in Weißenberg bei Bautzen, verschwinden Geldautomaten, was Bürgermeister Jürgen Arlt, „nicht nur traurig, sondern wütend“ macht, wie er der SZ sagte. Vor allem alte und wenig mobile Bürger hätten das Nachsehen. Auch gibt es in den ab April noch 32 Standorten mit 374 Beschäftigten, darunter 17 Azubis, mittwochs keinen Service mehr – Überweisungen und anderes normales Geschäft rund ums Konto. Die Volksbank will an dem Wochentag nur Beratung anbieten. Zudem trägt das Institut mit digitalen und telefonischen Angeboten geändertem Kundenverhalten Rechnung, wie es heißt. Die Onlinequote betrage bereits 56 und bei Überweisungen 92 Prozent.

Wohin will das Institut, das nach eigener Diktion mehr ist, als „nur eine Bank“: den Mitgliedern verpflichtet, lokal verankert, überregional vernetzt, demokratisch organisiert, an Genossenschaftswerten orientiert? Die Strategie bis 2023 wird gerade fertig. „Da geht es auch um Nachhaltigkeit“, sagt Vorstand Tilman Römpp. An Beratung und Filialen wolle man festhalten, aber keine Zahl festlegen. „Sicher werden es weniger“, sagt Müller. Höhere Gebühren schließt er 2020 ebenso wenig aus, wie neue Fusionen. „Aber wir werden das nicht aktiv betreiben.“ (mit SZ/tbe)