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Hilfe in allen Lebenslagen

Seit 25 Jahren gibt es die Diakonie Riesa-Großenhain. Heute beschäftigt sie mehr als 500 Menschen.

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© Klaus-Dieter Brühl

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Landkreis. Familie Meyer aus Großenhain kennt gute und schlechte Zeiten. Zu den guten gehört, dass Tochter Anna in die Wildenhainer Kita Kleine Strolche kam, Oma Erna im Seniorenzentrum Helene Schmieder Aufnahme fand, ihr Bruder Horst in Riesa die Tagespflege nutzt und Axel, der behinderte Sohn, von der Förderschule Skäßchen betreut wird. Schwierig war dagegen, als der Vater eine Entziehungsberatung machen musste und die Familie wegen finanzieller Sorgen „Tafel“-Gänger wurde.

Verschiedene Beratungsdienste sind Anlaufstelle für Menschen in Notlagen. Ein typisches Beispiel ist die Schuldnerberatung – hier spricht Carmen Luh mit einem Betroffenen.
Verschiedene Beratungsdienste sind Anlaufstelle für Menschen in Notlagen. Ein typisches Beispiel ist die Schuldnerberatung – hier spricht Carmen Luh mit einem Betroffenen. © Klaus-Dieter Brühl
Zur Betreuung im Seniorenzentrum „Helene Schmieder“ gehört die Tagespflege. Kreative Angebote gehören dazu – Alltagsbegleiterin Christina Schröder weiß, wie man die Leute aktiviert.
Zur Betreuung im Seniorenzentrum „Helene Schmieder“ gehört die Tagespflege. Kreative Angebote gehören dazu – Alltagsbegleiterin Christina Schröder weiß, wie man die Leute aktiviert. © Klaus-Dieter Brühl
Zahlreiche Kitas werden von der Diakonie betrieben, davon viele auf dem Land. So wie die Kita „Kleine Strolche“ in Wildenhain. Hier testet Leiterin Ines Edelmann mit den Kindern die Wasserspiele.
Zahlreiche Kitas werden von der Diakonie betrieben, davon viele auf dem Land. So wie die Kita „Kleine Strolche“ in Wildenhain. Hier testet Leiterin Ines Edelmann mit den Kindern die Wasserspiele. © Klaus-Dieter Brühl
In der Spinnereistraße in Riesa hat die Diakonie erst im vergangenen Monat ein Heim für minderjährige Flüchtlinge eingerichtet, die sich allein auf den Weg nach Deutschland aufgemacht haben.
In der Spinnereistraße in Riesa hat die Diakonie erst im vergangenen Monat ein Heim für minderjährige Flüchtlinge eingerichtet, die sich allein auf den Weg nach Deutschland aufgemacht haben. © Sebastian Schultz

Familie Meyer gibt es nicht wirklich. Die genannten Einrichtungen und Angebote schon. Sie alle werden unter dem Dach der Diakonie Riesa-Großenhain gebündelt. Die gibt es mittlerweile seit einem Vierteljahrhundert.

„Wir sind seit 25 Jahren mitten im Leben und stark für andere“, unterstreicht Geschäftsführer Hans-Georg Müller. Die Diakonie gehört zu den größten und leistungsfähigsten Sozialanbietern der Region. Und sie ist vielfältig aufgestellt.

Seit 1991 wurden in den Bereichen Großenhain und Riesa neun Einrichtungen der Altenhilfe, ebenso viele in der offenen Sozialarbeit, acht der Behindertenbetreuung, z 12 für Kinder und Jugendliche und vier zur Beschäftigungsförderung aufgebaut. Die gemeinnützige GmbH ist heute Arbeitgeber für aktuell 519 Mitarbeiter. Dazu kommen über 100 Ehrenamtliche. Belustigt kann man da an die Gründungszeit zurückdenken, als acht Schwestern der ambulanten Pflege die Sozialstation Riesa in der Alleestraße etablierten. Immerhin 160 Jahre feiert die Diakonie Sachsens nächstes Jahr.

Millionen Euro in Gebäude investiert

Zur Bedeutung als Dienstleister und Arbeitgeber kommt die eines Investors. Schaut man sich die Neubauten und Sanierungen in den 25 Jahren Bestehen an, geht das Volumen der Aufträge für die regionale Bauwirtschaft locker in die Millionen Euro. Beispiele sind die Neubauten der diakonischen Werkstätten in Großenhain-Zschieschen, die neue sozialtherapeutische Wohnstätte für chronisch psychisch Kranke oder die Sanierung des Eckhardthauses im Großenhainer Stadtzentrum.

Landkreis finanziert die Angebote

Die kirchliche Einrichtung hat immer versucht, mit der Zeit zu gehen. Die Suchtberatung will mit der zunehmenden gesellschaftlichen Gefahr von Abhängigkeit mithalten. Der Assistenzdienst hat sich dem Thema Inklusion verschrieben. „Dabei fragt man sich schon manchmal: Wer ist der Hilfsbedürftige und wer der Betreuer“, sagt Geschäftsführer Hans-Georg Müller sichtlich belustigt. Dienen, so Diakonie wörtlich übersetzt, sei eben keine Einbahnstraße. Viele christliche Mitarbeiter verstehen ihre Arbeit als Ausdruck der Nächstenliebe.

Dass es auch Hürden gab und gibt, bleibt beim Jubiläumsgeschehen nicht unbeachtet. So war in manchen einst kommunalen Kindereinrichtungen Widerstand da, zur Diakonie zu wechseln. Erzieher fürchteten sich vor christlicher Bevormundung. Das hat sich weitgehend gelegt. Doch mit dem Wegfall von Schulen, wie jüngst in Riesa, fiel auch Hortbetreuung weg.

Dafür hat anderes rasant an Bedeutung gewonnen, wie die Migrationsberatung oder die Krisenintervention. Die Hilfsangebote der Diakonie werden vom Landkreis Meißen finanziert und sind offen für alle. Dabei konzentriert sich die Diakonie nicht nur auf die Städte Riesa und Großenhain, sondern hat Einrichtungen überall in der Region: in Gröditz, Zeithain, Skäßchen, Strauch, Ponickau, Wildenhain. Selbst in der JVA Zeithain betreut die Diakonie extern in der Suchtberatung Häftlinge mit Problemen.

Nächste Veranstaltung im Jubiläumsjahr: Sonntag, 14 bis 16 Uhr, Diakonie-Kaffee in der Orangerie mit musikalischem Rahmen, 17 Uhr Benefizkonzert in der Marienkirche